Uwe Franke ist dem Forschergipfel nahe
Uhingen. Der Uhinger Dr. Uwe Franke und sein Forschungsteam der Daimler AG sind für den "Deutschen Zukunftspreis" des Bundespräsidenten nominiert. Die hochkarätige Auszeichnung wird im Dezember verliehen.
Ein bisschen gefeiert hat Uwe Franke schon. "Wir haben eine Flasche Sekt aufgemacht, als die Nachricht kam", erzählt der Uhinger schmunzelnd. Bei der Ideenexpo in Hannover hatte Bundespräsident Christian Wulff bekannt gegeben, welche drei Forschungsteams die Chance haben, den ganz großen Wurf zu landen. Der mit 250 000 Euro dotierte "Deutsche Zukunftspreis" des Bundespräsidenten gilt als wichtigste nationale Auszeichnung für technische und naturwissenschaftliche Innovationen. Uwe Franke, Leiter der Arbeitsgruppe "Bildverstehen" der Daimler-Abteilung Forschung und Vorentwicklung, sowie seine Kollegen Stefan Gehring und Clemens Rabe konnten mit "6-D-Vision" punkten, einer Entwicklung, die das Daimler-Vorstandsmitglied Thomas Weber als "Meilenstein auf dem Weg zum unfallfreien Fahren" bezeichnet.
Uwe Franke ist Forscher mit Leib und Seele. Der promovierte Elektrotechniker hat bereits während seines Studiums und im Zuge seiner Dissertation an den Grundlagen der Bildcodierung mitgearbeitet. Seit 15 Jahren tüftelt der 53-Jährige mit seinem Team an einem Fahrerassistenzsystem, das hilft, Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden. Die Forscher haben eine Stereokamera nebst Software entwickelt, die die Welt dreidimensional sieht. Die zwischen Frontscheibe und Innenspiegel platzierte Kamera nimmt das Geschehen vor und um das Fahrzeug herum auf. Ein Computer erkennt dann in Windeseile, ob sich Fußgänger oder Fahrradfahrer nähern oder ein anderes Fahrzeug nahe kommt.
In weniger als 200 Millisekunden erkennt der Computer, ob Gefahr in Verzug ist. "Ein Mensch benötigt dafür eine Sekunde", erklärt Uwe Franke. "Oft aber spielt schon eine halbe Sekunde eine Rolle", sagt der Wissenschaftler weiter. Zunächst ertönt ein akustisches Warnsignal, dann wird das Fahrzeug abgebremst. Da man in der Stadt bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde zirka 15 Meter in der Sekunde zurücklegt, komme das Auto bei einer Notbremsung also fast zwei Fahrzeuglängen früher zum Stehen. Die Daimler-Forscher haben mit ihrer neuen Technologie vor allem den Stadtverkehr im Auge. "Hier passieren die meisten Unfälle, nicht wegen der Geschwindigkeit, sondern, weil die Situationen zu komplex sind", sagt Franke. Sehr oft seien Kinder und Fahrradfahrer die Leidtragenden. "Unfälle lassen sich am ehesten vermeiden, wenn Gefahren frühzeitig erkannt werden", fügt der Wissenschaftler hinzu. Die neue Technologie ist serienreif und soll bereits in die nächste Generation der S-Klasse eingebaut werden. "Das System ist so preisgünstig, dass es schnellstmöglich in alle Fahrzeugklassen eingebaut werden soll", berichtet Uwe Franke, der mit seinem Team bereits dabei ist, die Technologie weiter zu entwickeln. So werde der Blickwinkel der Kamera, der derzeit 50 Grad beträgt, in den kommenden Jahren sicher noch größer werden.
Uwe Franke räumt unumwunden ein, dass in seiner Forschungsarbeit viel Herzblut steckt. "Ich habe den besten Job in der ganzen Firma", findet der zweifache Vater, der mit seiner Familie seit 1992 in Uhingen lebt. Ausgleich zu seiner Arbeit finden Uwe Franke und seine Frau beim gemeinsamen Singen in den Chören "Salto vocale" und "Chorisma" und bei Ski- oder Trekkingtouren. Dabei gehts schon mal hoch hinaus, zum Beispiel in die Anden oder den Himalaya.
Dem Forschergipfel zumindest ist Franke, der seit 1989 bei Daimler arbeitet, schon sehr nahe gekommen. Am 14. Dezember werden die drei nominierten Teams und ihre Arbeiten in einer von Maybrit Illner moderierten ZDF-Sendung vorgestellt.
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Autor: KARIN TUTAS | 25.11.2011
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