Über Christen in Guatemala berichtet

Geislingen.  Auf dem "Bunten Sofa" unterhielt sich Pfarrerin Sabine Kluger dieses Mal mit ihrem Kollegen Stephan Schweikle. Schweikle ist Projektpfarrer für das "Jahr des Gottesdienstes" der Evangelischen Landeskirche .

In der kleinen, gemütlichen Runde erzählte Schweikle auch von seiner Zeit in Südamerika. Bevor er seine Stelle als Projektpfarrer antrat, war Schweikle acht Jahre lang Pfarrer einer kleinen deutschen Gemeinde in Guatemala. Seine Zuhörer waren besonders an der religiösen Landschaft des lateinamerikanischen Landes interessiert.

"Guatemala hat eine interessante Religionsstruktur", erklärte Schweikle. Ungefähr 60 Prozent der Einwohner seien römisch-katholisch, 30 Prozent protestantisch. Damit sei Guatemala das Land mit dem größten Anteil an Protestanten in Südamerika. Über 90 Prozent der guatemaltekischen Protestanten seien "Evangelicos" - Mitglieder protestantischer Freikirchen, die offensiv Mission betreiben und weiterhin stark im Anwachsen seien. Unter den Freikirchen gäbe es auch "mega churches" nach US-amerikanischem Vorbild - "Riesenkirchen" mit bis zu 12 000 Sitzplätzen und eigenem Autobahnzubringer.

Der starke Einfluss evangelikaler Freikirchen in Guatemala sei nicht zuletzt auf eine Intervention der Vereinigten Staaten zurückzuführen, erklärte Schweikle. So habe in den 70er-Jahren die gesellschaftskritische und sozialistisch orientierte Befreiungstheologie in der katholischen Kirche Lateinamerikas stark an Bedeutung gewonnen.

Die USA befürchteten einen "Linksruck" in ihrem südamerikanischen "Hinterhof" Guatemala und entsandten konservative, protestantische Missionare, um die Theologie der Befreiung einzudämmen. Die lutherische Gemeinde mit deutschen Wurzeln, die Schweikle acht Jahre lang in Guatemala betreute, umfasste ungefähr 220 Mitglieder: ein "buntes Völkchen", dem sich neben Protestanten auch Katholiken und Reformierte zugehörig fühlten.

Seit 2010 ist Schweikle wieder zurück in Deutschland und als Projektpfarrer für das "Jahr des Gottesdienstes" der württembergischen Landeskirche zuständig. "Es ist zur Zeit viel Bewegung in der Gottesdienstlandschaft", sagte Schweikle.

Die Gemeinden sollen während des "Jahrs des Gottesdienstes" Gelegenheit finden, über den Gottesdienst und seine Elemente ins Gespräch zu kommen und diese bewusst zu gestalten. Welcher Gottesdienst ist für welche Gemeinde und welche Situation am besten geeignet - diese Frage stehe im Mittelpunkt des Gottesdienstjahres 2012.


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Autor: STEFANIE SCHMIDT | 10.02.2012

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