Stress mit Termin fürs Geld

Geislingen.  Stadträte und Verwaltung werden nervös: Wenn das Kinderhaus nicht bis Ende September fertig ist, gibts die 1,4 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket nicht. Gestern beruhigte der Architekt.

Die Fassade zur Liebknechtstraße hin ist "farbenfroh und bunt", stellte Oberbürgermeister Wolfgang Amann fest, als der Technische Ausschuss des Gemeinderats das derzeit größte städtische Bauvorhaben besichtigte. Doch die farbige Fassade, die im Sonnenschein strahlte, vermochte die Stimmung von Stadträten und den Rathaus-Verantwortlichen nicht gerade aufzuheitern. Denn es droht Ungemach: Wenn es nicht gelingt, das noch ziemlich roh dastehende Projekt bis Ende September fertigzustellen, gehen 1,4 Millionen Euro verloren. So viel bekommt die Stadt nämlich aus dem Konjunkturpaket des Bundes, sofern das Haus termingerecht betriebsbereit ist. Es wäre fatal, müsste die Stadt auf dieses Geld verzichten, sprach Stadtrat Jochen Staudinger (CDU) aus, was auch alle anderen Kommunalpolitiker beschäftigt - insbesondere angesichts der bisherigen Kostensteigerung.

War man vor einem Jahr noch davon ausgegangen, der staatliche Geldsegen erfordere nur einen Eigenanteil von etwa 650 000 Euro, so hatte sich dieser sehr schnell auf 1,1 Millionen summiert. Aktuell kostet das Projekt 2,5 Millionen Euro.

Für Stadträte und Verwaltung Grund genug, auf den Zeitrahmen zu pochen. Der, so erinnerte OB Amann, sei deshalb so eng, weil es dem politischen Ziel entsprochen habe, die Zuschussgelder möglichst schnell in die Wirtschaft fließen zu lassen, um die lahmende Konjunktur anzukurbeln. Dass diese sich schneller erholt hat, als gebaut werden konnte, hatte einen eher negativen Effekt: Noch bevor alle Arbeiten vergeben waren, zogen mit der Konjunktur auch gleich die Baupreise wieder an. Aber auch das anfangs noch ausgesparte Mobiliar sowie eine zusätzliche Lüftungstechnik, die einmal einen zweiten Bauabschnitt versorgen soll, werden als Grund für die Kostensteigerung genannt.

Gestern gab sich Architekt Klaus von Bock gelassen. Neuerliche böse Überraschungen, so versicherte er, werde es nicht geben - auch wenn die Vergabe der Außenanlage noch ausstehe. Allerdings: Sollten bei der Ausstattung weitere Wünsche erfüllt werden müssen, "kommen noch ein paar Euro mehr dazu."

Was die Sorge um den Termin der Fertigstellung anbelangt, ließ sich von Bock auch von den kritischen Fragen der Stadträte Bernhard Lehle (GAL) und Holger Schrag (Junges Geislingen) nicht stressen: Er sei davon überzeugt, dass es klappen werde, zumal er nicht mit dem Makel leben wolle, womöglich Schadensersatz für entgangene Zuschüsse bezahlen zu müssen. Allerdings hegte er Zweifel, ob derlei Forderungen überhaupt einklagbar wären. Schließlich habe zu Beginn der Bauphase angesichts des starken Grundwassers umgeplant werden müssen. Und wegen des harten Winters sei die Baustelle zweieinhalb Monate stillgestanden - ein Umstand, der möglicherweise unter den Begriff "höhere Gewalt" fallen könne, wofür auch die Entscheidungsträger Einsicht walten lassen müssten.

Der Architekt, der mit seinem Bauleiter Eckhard Weichel durch den Rohbau führte, hob auf die komplizierte, jedoch energetisch sinnvolle Lüftungstechnik ab, die es bis vor zwei Jahren noch in keinem Kindergarten gegeben habe. Damit sei ein "geplantes Chaos aus Leitungen" zu bewältigen gewesen. Nach der jetzt erfolgten Fertigstellung des Trockenbaus im Innern könnten nun aber viele Handwerker parallel arbeiten. Um sich solchen Zeitdruck nie mehr aufzuhalsen, schlug Jörg Bopp (FWV) vor, künftig Arbeiten für Projekte mit ähnlichen Vorgaben gleich schlüsselfertig zu vergeben.


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Autor: MANFRED BOMM | 19.05.2011

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