Stadt auf Englisch erkundet

Göppingen.  Englisch-Unterricht einmal anders: Beim "Sommer der Ver-Führungen" erzählte Ursula Weingart-Brodbeck bei einem Stadtrundgang Geschichten aus der Geschichte Göppingens auf Englisch.

"Hier war ich noch nie", stellt eine Süßenerin fest - und ist begeistert von der Steinmetzkunst der Rebenstiege im Göppinger Schloss. "What is hidden there?", will Ursula Weingart-Brodbeck wissen und erhält zur Antwort: "I see a bird." Die Dolmetscherin gibt seit rund zehn Jahren Englischkurse an der Volkshochschule Göppingen und bietet ihren Schülern "immer über die Sommerferien hinweg eine Aktivität". Die Pause ohne Unterricht sei sonst zu lange. In den vergangenen Jahren gehörten dazu Koch- und Backkurse - auf Englisch, versteht sich. In diesem Sommer stand eine Führung durch Göppingen und seine Geschichte auf dem Programm - ebenfalls in der Fremdsprache und eingebettet in das Angebot des "Sommers der Ver-Führungen".

Ursula Weingart-Brodbeck, die eine Zeitlang in den USA lebte, beherrscht die Sprache perfekt. "I just try to do it very basically", verspricht sie am Rathaus, "to learn more about Göppingen and about English" Und schon will die 45-Jährige wissen: "When was Göppingen founded?" Einige Teilnehmer outen sich als Geschichtskenner.

Die Antworten will Ursula Weingart-Brodbeck freilich "in English, please". Die Teilnehmer erfahren, dass Herzog Carl Eugen das heutige Stadtbild Ende des 18. Jahrhunderts nach dem zweiten Stadtbrand und der verheerenden Zerstörung verordnet hatte. Ihre Frage "Have you ever heard about him?" wird allseits bejaht. Am Adelberger Kornhaus, in dem seit 1981 die städtische Bibliothek untergebracht ist, erfahren die Englisch-Schüler: "You can also lend some English books there." Vorbei am "former town gate" in der Marktstraße geht die Gruppe zur ehemaligen Lateinschule in der Pfarrstraße und erfährt nicht nur, dass es bereits im 14. Jahrhundert eine Lateinschule in Göppingen gab, sondern auch, dass sie "one famous pupil" hatte. Hermann Hesse drückte nämlich ein Jahr lang die Schulbank in Göppingen. "It was a private school", ergänzt der ehemalige Landrat Franz Weber, der an der Volkshochschule seine Englischkenntnisse auffrischt.

Am Foggia-Platz erinnert ein Monument an "one of Göppingens twin towns" und nebenbei erfahren die aufmerksamen Zuhörer, dass in England das Gymnasium die "grammar-school" und Göppingen ein wichtiger Bildungsstandort ist. "And what is the most important institution?", fragt die Dozentin und will natürlich "Adult Education Center", also Volkshochschule, hören. Denn "you can learn a lot there".

Noch viel lernen müssen auch die Insassen des "Youth detention center" im "former stable of the town palace", also die Jugendlichen, die im ehemaligen Marstall eine Freiheitsstrafe verbüßen. "Can you tell me something about the background of that palace?", ist dann die Frage im Schlosshof und einige Teilnehmer wissen bereits, dass Herzog Christoph sich die Anlage in der Mitte des 16. Jahrhunderts bauen ließ, "because he was here for a treatment of spa" und auch als "an accommodation for his visitors" wurde sie genutzt. Er kurte also in Göppingen und auch für seine Gäste brauchte er ein standesgemäßes Quartier.

"Id like to go inside with you", lädt Ursula Weingart-Brodbeck ihre Gruppe ein und will wissen: "What is famous inside?" Die Rebenstiege, "the wine staircase", begeistert die Besucher, die die 13 Tiere suchen, die zwischen dem Rankwerk versteckt sind. Stadtkirche, Alter Kasten, Museum im Storchen und Partnerschaftsbrunnen in der Unteren Marktstraße - der geschichtliche Bogen, den die Gästeführerin spannt, ist weit und kurzweilig.

Bei einer "cup of coffee afterwards" waren dann noch viele Fragen zu klären - in Englisch und auch auf Deutsch.


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Autor: MARGIT HAAS | 02.09.2010

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