Senioren besser als ihr Ruf

Geislingen.  Senioren oder "best agers", das war die Frage nach der besseren Bezeichnung der 50-plus- Generation. Diese Frage stand gestern beim Auftakt der Hochschule 50 plus im Raum. Bis Mittwoch wird gelehrt und gelernt.

"Die Werbung spreche lieber von "best agers", weil nach ihrer Meinung die Bezeichnung Senioren negativ belegt ist, sagte die Referentin und Diplom-Psychologin Professorin Dr. Heidemarie Seel gestern anlässlich der Auftaktveranstaltung der Hochschule 50 plus. Sie wird vom Geislinger Stadtseniorenrat in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) veranstaltet, übergeordnetes Thema: "Altern: Defizite oder neue Chancen?".

Die fast 100 Senioren, die gestern gekommen waren, sind - was den Begriff Senioren angeht - allerdings ganz anderer Meinung. Sie wollen zu sich stehen und zu dem Begriff Senioren. Denn Senioren sind nicht alt und gebrechlich, sie sind heute körperlich und geistig fit und in vielen Bereichen leistungsfähiger als die nachrückende junge Generation. Natürlich nehmen die sensorischen Fähigkeiten ab, man kann schlechter sehen und hören, die Beweglichkeit lässt nach und auch die Muskelkraft. Auch die Merk- und Denkfähigkeit nimmt ab, aber diese Fähigkeiten kann man trainieren. "Wer im Beruf ist, oder sich in verschiedenen Bereichen sozial betätigt, also gefordert ist, oder wer sich selbst trainiert, muss nicht zwangsläufig an Merk- und Denkfähigkeit verlieren", so das Fazit der Referentin aus zahlreichen Studien. Dazu gibt es viele Fähigkeiten, die sich gar nicht verändern, wie beispielsweise die Risikobereitschaft, das Informationsverhalten, die Entscheidungsfähigkeit oder das Durchsetzungsvermögen. Es gibt auch Bereiche, die sich sogar verbessern, so zum Beispiel die Qualität der Intelligenz, die Kommunikationsfähigkeit, die psychische Belastbarkeit und die Fähigkeit zum strategischen Denken und Handeln. Außerdem verfügen ältere Menschen über eine bessere Markt-Kunden-Service-Orientierung, sie können sich besser in die Lage und in das Denken anderer Menschen versetzen und diese besser verstehen, erklärte die Referentin. "Und", so Professorin Seel, "ältere Menschen haben ein besseres Qualitäts- und Sicherheitsbewusstsein und sind bedeutend motivierter". Das Fazit der Referentin: "Schlüsselkompetenzen sind bei älteren Menschen besser ausgeprägt als bei Jüngeren."

Letzteres in die Öffentlichkeit zu tragen, sei unter anderem die Aufgabe dieser Veranstaltungsreihe, erklärte die Vorsitzende des Stadtseniorenrates, Monika Zeisler. Besonders als Arbeitnehmer seien Senioren immer noch unbeliebt, "dabei", so sagte Referentin Heidemarie Seel, "haben zahlreiche Studien und Untersuchungen bewiesen, dass es unzählige Berufsbereiche gibt, in denen man Senioren mit viel mehr Erfolg einsetzen könnte". Als Beispiel nannte sie die Entsendung von Arbeitnehmern ins Ausland, hier scheitern Jüngere oft, da sie sich wegen fehlender sozialer Kompetenz nicht in ihrem neuen Umfeld zurechtfinden.

"Biologisch sind Ältere heute zehn Jahre jünger als es ihr wahres Alter aussagt, psychisch fühlen sie sich sogar 15 Jahre jünger", zitierte Seel aus Studien, was von den anwesenden Senioren lebhaft bestätigt wurde. Die Referentin mahnte die Senioren zu stetigem Training ihrer Fähigkeiten: "Bleiben sie aktiv und mobil, man wird sie schon bald brauchen, die demografischen Veränderungen sprechen für sie!"

In einem Workshop, der sich dann am Nachmittag noch anschloss, konnten die Senioren in einem psychologischen Test ihre geistige Leistungsfähigkeit testen, außerdem wurde lebhaft diskutiert über mögliche und/oder nötige Veränderungen in der Gesellschaft, um den immer älter werdenden Senioren ein "besseres" Leben zu ermöglichen.


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Autor: JOACHIM ABEL | 09.03.2010

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