Seltsames aus dem Zirkus

Geislingen/ Lonsee.  Auf dubiose Weise hat sich ein Kleinzirkus Sprit für seine Tournee besorgt: Die Schausteller bettelten Lkw-Fahrer auf der Geislinger Steige um Diesel an. In Lonsee hinterließ der Zirkus außerdem Flurschaden.

Der Kleinzirkus, der am Wochenende auf einem Privatgrundstück bei der Lonseer Mühlbachhalle gastierte, hat für Verwunderung und Aufregung gesorgt. Nicht nur durch die Darbietungen in der Manege, sondern auch durch das Verhalten außerhalb der Vorstellung. Denn als die schweren Zirkusfahrzeuge am Sonntagabend wieder abzogen, blieb in den Pflanzbeeten, die erst im Mai bei der Halle angelegt worden waren, erheblicher Flurschaden zurück: Beim Abbiegen der schweren Fahrzeuge wurde die Bepflanzung überrollt und verwüstet.

Weil der Zirkus ein privates Gelände angemietet hatte, brauchte er für sein Gastspiel keine behördliche Genehmigung. Für den Wasseranschluss allerdings habe man Vorkasse verlangt, erklärt Arwed Greiner, im Rathaus für das Ordnungsamt zuständig. Gestern Vormittag freilich war er entsetzt. Denn als der Zirkus nach dem heftigen Regenguss vom Sonntagabend wieder abzog, versanken die Fahrzeugreifen tief in der weichen Wiese und hinterließen auf Hallenparkplatz und Straße eine breite Schmutzspur. Zum Herausfahren und Rangieren, so hat es sich Greiner schildern lassen, habe der Zirkus auch noch auf die Hilfe von Landwirten zurückgreifen müssen.

Zunächst hatte die Gemeindeverwaltung erwogen, gegen das Unternehmen Anzeige wegen Sachbeschädigung zu erstatten. Doch als Greiner gestern zufällig noch den Juniorchef traf und ihn zur Rede stellte, versprach dieser, die Straße reinigen zu lassen und für die Neubepflanzung der Beete aufzukommen.

Doch was die finanzielle Lage des Zirkus anbelangt, gibt die Beobachtung eines Lkw-Fahrers zu bedenken. Der schilderte am Wochenende der GEISLINGER ZEITUNG, was ihm am Freitag gegen 11 Uhr auf der Geislinger Steige widerfahren ist: Auf der Standspur vor der Straubmühle habe ihn eine Frau, die bei einem Zirkus-Lkw gestanden sei, mit unmissverständlichen Handzeichen gestoppt. Doch was zunächst nach einer Panne oder einem Notfall ausgesehen habe, sei der Versuch gewesen, ihn um Dieselkraftstoff anzubetteln.

Die Frau habe erklärt, sie sei von dem in der Nähe gastierenden Zirkus und würde gerne Kraftstoff aus dem Tank seines Lkw abzapfen. Grund: Angesichts der bisher sehr schlechten Saison könne man kaum noch Löhne bezahlen. Den Kraftstoff für die Fahrt zum nächsten Gastspielort hoffe man deshalb, von Lkw-Fahrern geschenkt zu bekommen.

Im selben Moment sei ein jüngerer Beifahrer aus dem Zirkus-Lkw gestiegen und habe bereits einen etwa 50 Liter fassenden Kunststoffkanister mit zwei langen, schwarzen Schläuchen in den Händen gehalten, berichtet der Brummi-Lenker, der eine solche "Spende" jedoch verweigerte. Daraufhin hätten die beiden Personen zwei weitere Lkw gestoppt. Die Frau sei dazu "direkt auf die Straße" gestanden.

Über CB-Funk will der Lkw-Fahrer später von Kollegen erfahren haben, dass der Zirkus offenbar den ganzen Tag über an mehreren Stellen auf der B 10 versucht habe, Lkws anzuhalten und um Diesel zu betteln.

Aktenkundig freilich wurde diese Bettelei nicht. Denn weder bei der Geislinger, noch bei der Ulmer Polizei gingen Hinweise auf eine solche "Anhalte-Aktion" ein. Inwieweit die klamme Finanzlage des Kleinzirkus auch Auswirkungen auf die Tierhaltung hat, vermag man im Lonseer Rathaus nicht zu sagen. Folgt man jedoch im Internet den Angaben der Tierrechtsorganisation Peta - angeblich weltweit die größte ihrer Art -, gab es in jüngster Vergangenheit Klagen über "mangelhafte Zustände." Dass am Samstag gegen 18 Uhr unweit des Zirkuszelts ein Rettungshubschrauber landete, ist auf einen Unfall zurückzuführen: Ein Tierpfleger war von einem Pferd in den Bauch getreten worden.


Kommentare (4)

13.07.2011 18:01 Uhr |   Torino

Zirkus

Zirkus galt schon immer als asozial!!!
13.07.2011 16:17 Uhr |   unbekannt

gegen Zirkusse mit Tieren

Der wortwörtlich gleiche Brief wird nach meinen Recherchen schon seit 2008 unter immer anderen Namen ( fuertiere, Antonietta ) bundesweit an die Redaktionen geschickt wann immer es um Zirkus geht. LANGWEILIGE SEKTENPROPAGANDA.
13.07.2011 13:37 Uhr |   fuerTiere

gegen Zirkusse mit Tieren !!!

Tiere gehören nicht in den Zirkus, sondern in die freie Wildbahn. Der Lebensraum "Zirkus" ist für die Tiere viel zu klein. Großkatzen z.B. stoßen nach einigen Schritten an Gitterstäbe, zwischen denen sie stundenlang verzweifelt hin und her streichen. Bären wiederum, eine von Natur aus sehr neugierige Art, leiden vor allem unter der Monotonie des Zirkusalltags. Und an Perversion grenzt die Haltung von Seelöwen: Tiere, die in freier Wildbahn bis zu 100m tief tauchen, müssen ihr Leben in umgebauten LKW's fristen. Hinzu kommt bei allen Tieren der krank machende Streß durch die ständigen Transporte und Auftritte vor klatschendem und johlendem Publikum. Deswegen sollte man in Zirkusse gehen, in denen nur Menschen auftreten, wie den Chinesischen Zirkus, Cirque du Soleil oder Flic Flac.

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Autor: MANFRED BOMM | 12.07.2011

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