Respekt sollte doch selbstverständlich sein

Geislingen.  Beim Geislinger Stadtbehindertenring "STeiGle" hat eine beeindruckende Referentin das Thema "Inklusion" veranschaulicht.

Ihre Glieder zucken, ihr Kopf überstreckt sich immer wieder nach hinten, an ihre Art zu reden, muss man sich gewöhnen. Trotzdem schaffte es Gülay Acar, die eingeladene Referentin bei der Jahresveranstaltung des Stadtbehindertenrings "STeiGle" am Freitag innerhalb weniger Minuten, dass die rund 60 Gäste im Schubartsaal die schwere Spastik der Vortragenden vergaßen.

Die 40-jährige Türkin, deren Handgelenke am Rollstuhl befestigt sind, damit die Arme nicht ständig unkontrollierte Bewegungen machen, erzählt aus ihrem Leben. Davon, dass sie bis zur zehnten Klasse eine Sonderschule für körperlich und geistig Behinderte besuchen musste, weil sie wegen ihres Handicaps automatisch als lernbehindert betrachtet worden sei. Doch mit viel Eigeninitiative und Hilfe ihrer Familie schaffte sie es schließlich, sämtliche Regelschulabschlüsse nachzuholen und im Endeffekt sogar Psychologie zu studieren. Heute sei sie in Oberhausen eine anerkannte Psychologin mit einer unbefristeten Arbeitsstelle.

Die humorvolle Art, wie Gülay Acar von ihrer Lebensgeschichte berichtete, machte sie dem Publikum auf Anhieb sympathisch. Einzelne Episoden mit Mitarbeitern verschiedener Verwaltungsstellen oder Schwierigkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln stellte die Referentin zwar auf amüsante Weise dar, dennoch konnten ihre Zuhörer darüber immer wieder nur entsetzt den Kopf schütteln.

Dem Kommentar der Assistentin Gülay Acars stimmten deshalb alle zu: "Respekt sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber im Alltag meistens nicht!"

Die vielen Fragen, die an die Referentin im Anschluss an ihre Schilderung gestellt wurden, bewiesen, dass das Thema der Veranstaltung "Inklusion beginnt in den Köpfen" von einer neuen Seite betrachtet und von den Gästen verarbeitet wurde.

Der Stadtbehindertenring veranstaltete einen solchen Veranstaltungsabend erstmals in Kooperation mit dem Integrationsrat, für inhaltlich sehr passende Musik sorgten die "Stadtratten" und für die Verköstigung die Mitarbeiter des Cafés "WunderBar" der Lebenshilfe.


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Autor: CLAUDIA BURST | 10.05.2011

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