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Prominente erinnern sich an Lieblingsspielzeug

Fragt man Kinder nach ihren Weihnachtswünschen, fallen vor allem Worte wie PS3, iPad und Legospielset. Worauf haben sich Kinder einst gefreut? Die GZ fragte dazu einige bekannte Leute aus Geislingen.

JOHANNES TRAUB | 0 Meinungen

Auf ein bestimmtes Spielzeug freute er sich zwar nicht, dafür umso mehr auf die Weihnachtspyramiden, kleinen Engel und Räuchermännchen aus der Heimat im Erzgebirge, erzählt Manfred Malchow (58), der Chef des Geislinger Polizeireviers. Die Figuren gehörten zu den wenigen Artikeln, die man problemlos aus der DDR ausführen durfte. Die Tradition, alle Schränke, Tische und Fenstersimse mit den kleinen Erinnerungsstücken zu dekorieren, hält er noch heute in seiner Familie hoch und gab sie seinen Kindern weiter. Zu Bruch ging von den filigranen Figuren noch keine, nur die Christbaumspitze habe er als Kind mal aus Versehen „heg’macht“, erinnert sich Malchow. Was ihn damals so aufwühlte, dass er sich hinter der Mauer des Nachbargrundstücks versteckte. Als ihn der Vater fand, setz- te es aber keine Standpauke, sondern einen abendlichen Ausflug zum Drogeriemarkt, wo sie einen Ersatz für die Baumspitze erstanden.

Gelegenheit, etwas kaputt zu machen, hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder als Kind nicht, denn bei ihm zu Hause herrschte vor Weihnachten striktes Wohnzimmerverbot. Der heute 29- Jährige gönnte sich aufgrund dieser „Aussperrung“ dann in seinem Kinderzimmer einen Film auf dem alten Schwarz-Weiß-Fernseher der Familie, bevor alle in die Kirche gingen. Statt der gewöhnlichen Bescherung wurde bei Binders ausgewürfelt, wer seine Geschenke wann auspacken durfte, alles um die Spannung zu erhöhen.

Gespannt wartete auch die Dekanin Gerlinde Hühn (63) auf das Klingeln des Weihnachtsglöckchens, das ihr endlich erlaubte, das Wohnzimmer wieder zu betreten und mit dem kleinen Kaufladen zu spielen. Einmal abgesehen vom Kaufladen, der an jedem Weihnachtsfest andere Artikel anbot, war sie sehr am Märklin-Baukasten ihres Bruders interessiert.

Zwar wird Weihnachten in seiner Familie nicht gefeiert, um traurige Gesichter zu vermeiden, gibt es jedoch eine „inoffizielle Bescherung“ für Cem, den Sohn von Ismail Mutlu. Die geruhsame Zeit des Jahres nützt auch der Geislinger GAL-Stadtrat, um bei der Familie zu sein und gemeinsame Stunden zu verbringen. Richtiggehend gefreut hat sich der 45-Jährige als Kind auf die muslimischen Feiertage wie das Opfer- und das Zuckerfest, auch wenn er heute gerne als Nikolaus („Isilaus“) verkleidet im Namen des Stadtjugendrings Spenden für einen guten Zweck sammelt.

Kinderspielzeug sei heute „viel zu perfekt“, findet der Tegelbergschulleiter Ottmar Dörrer (53). Er erinnert sich, als Kind einen Holzbaukasten geschenkt bekommen zu haben, in den der Vater selbst einzeichnete, wie er einzuräumen war. Damit ließe sich Kreativität ausleben und ganz nebenbei noch handwerkliches Geschick erwerben, weiß der Pädagoge. Am liebsten baute er kleine Häuser und Parcours, erinnert er sich.

Ähnliches berichtet Oberbürgermeister Wolfgang Amann. Im Alter von zehn Jahren hat er eine „Stabo Car“-Rennbahn geschenkt bekommen. „Die sehe ich noch bildlich vor mir“, schwärmt er, „und die funktioniert heute noch!“ Er habe eine schöne Sammlung seiner Lieblingsrennwagen zusammengetragen, die damals noch nicht flach und stromlinienförmig daherkamen, sondern viel besser mit dem Wort „unverwüstlich“ beschrieben sind. Seine Freunde kamen zahlreich und gerne vorbei, um mit der straßengrauen Bahn zu spielen. Dies hat er sich bis heute erhalten, denn an Weihnachten wird bei Amanns nachgeholt, was unter dem Jahr an Familienaktivitäten zu kurz kam.

„Ein Drama, bis der Weihnachtsbaum gerade stand“, erinnert sich die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi und lacht. Der Tannenbaum trug echte Kerzen und durfte erst am Abend des 24. bestaunt werden. Unter den Ästen fand sich ein metallenes Parkhaus für Modellautos und sogar ein Schachcomputer, mit dem Vater und Tochter eifrig spielten. Ein Parkhaus für Spielzeugautos mag zwar ein klassisches Jungengeschenk sein, Puppen besaß die heute 47-Jährige aber auch. Nach dem gemeinsamen Essen ließ die Familie bei Brettspielen wie Monopoly oder Scrabble den Heiligen Abend gemütlich ausklingen.

Die Nummer eins auf dem Wunschzettel von Dr. Andreas Schuler war die Märklin-Eisenbahn. „An jedem Weihnachtsfest durfte ich mir ein anderes Zubehör wünschen, einmal einen Waggon, eine Weiche oder Schienenteile“, schwelgt der ärztliche Direktor der Helfenstein Klinik in der Erinnerung. „Aber mein endoskopisches Talent habe ich mit einem Brio-Labyrinth geschult“, fügt er hinzu. Der Internist kann nicht nur mit kleinen Kugeln in Holzlabyrinthen umgehen, er spielt auch Geige. Eine Fähigkeit, die ihm in der Studienzeit zunutze kam, damals trat er in Kirchen auf, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Heute feiert er das Weihnachtsfest mit der Familie und Freunden. „Da kommen auch Freunde und Bekannte, die aufgrund ihrer eigenen, schwierigen Familiensituation sonst an Weihnachten alleine wären.“

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