Ökostrom im Aufwind
Geislingen. Sonne, Wind - und geringer Strombedarf. Am Pfingstmontag haben im Netzbereich des Albwerks die regenerativen Energien nahezu ausgereicht, um den Strombedarf zu decken. Ökostrom boomt.
Ein Flug über die Alb machts deutlich: Im ländlichen Bereich funkeln immer mehr große Dachflächen bläulich. Fotovoltaik boomt - und überall auf den Anhöhen drehen sich Windkrafträder. Hätte der Wind am Pfingstmontag noch kräftiger geblasen (bei der Wetterwarte Stötten wurden maximal 33 km/h erreicht), wäre der gesamte Strombedarf fürs Albwerk-Netzgebiet aus regenerativen Energien gekommen. Dass südwestlich geneigte Dächer vielerorts bis zum letzten Quadratmeter mit Fotovoltaik verbaut wurden, ist auf den finanziellen Anreiz zurückzuführen. Für jedes Kilowatt, das ins öffentliche Netz eingespeist wird, garantiert der Staat bei Anlagen bis zu einer Spitzenleistung von 30 kW einen Preis von 39,14 Cent - noch. Ein Gesetzentwurf sieht jedoch vor, dass sich dies für Anlagen, die nach dem 1. Juli in Betrieb gehen, drastisch verändert. Vorgesehen ist, die gesetzlich garantierte Vergütung dann auf 32,88 Cent zurückzufahren.
Werden die Fotovoltaik-Module nicht auf Dächern installiert, soll sogar noch weniger Subvention fließen. Galt bei Anlagen auf Freiflächen bisher eine einheitliche Vergütung von 28,43 Cent pro KW, so ist nun geplant, dies aufzuteilen: Bei gewerblichen oder militärischen Brachflächen sollen nur noch 25,3 Cent bezahlt werden, bei "sonstigen Freiflächen" lediglich 24,16 Cent - und auf Ackerflächen gibts überhaupt nichts mehr.
Damit freilich wäre der große "Fotovoltaik-Park", wie ihn das Graf Degenfeldsche Haus auf Ackerland beim Christophshof unweit von Waldhausen geplant hat, bereits gestorben. Denn ob sich die Anlage hingegen bei einer lediglich reduzierten kW-Vergütung noch rechnen würde, müsse zunächst betriebswirtschaftlich geprüft werden, sagt Dietherr Fülle als Vertreter der Degenfelder. Bislang allerdings sei die "größte Hürde die Zustimmung des Regionalverbandes" gewesen. Dort wolle man dem Vorhaben nur grünes Licht geben, wenn weitere Alternativ-Standorte geprüft seien.
Alle Anlagen, die aus regenerativen Quellen Strom produzieren, speisen ihre Energie ins öffentliche Netz ein. Die örtlichen Versorgungsunternehmen - im Großraum Geislingen das Albwerk - sind zur Aufnahme und Vergütung verpflichtet. Wird nicht die gesamte Energie im eigenen Netzbereich verbraucht, fließt sie - physikalisch gesehen - ins überörtliche Verbundnetz der EnBW.
Dieses Unternehmen, so erläutert Herbert Vöhringer vom Albwerk-Netzvertrieb, muss auch für die gesetzlich garantierten Vergütungen des gesamten Stroms aus regenerativen Energien aufkommen, sodass letztlich die Ökostrom-Aufwendungen nicht am örtlichen Versorgungsunternehmen hängen bleiben. Sicher aber am Endverbraucher: Denn die Kosten für die Subvention des Sonnenstroms - wie im Übrigen auch in ähnlicher Weise für Energie aus Wind und Wasser - werden auf alle Stromkunden deutschlandweit umgelegt: derzeit 2,047 Cent pro Kilowattstunde.
Die Abnahme-Verpflichtung von Öko-Strom führt dazu, dass an sonnigen und windigen Wochenenden, wenn die stromfressenden Maschinen in der Industrie still stehen, gar nicht so viel Energie verbraucht werden kann, wie vorhanden ist. Die Folge: An der Leipziger Strombörse fällt der Preis - bis hin, dass die Energie ins Ausland verschleudert und den dortigen Abnehmern sogar noch Geld dafür mitgegeben wird.
Weil Kohlekraftwerke nur mit erheblichem Kostenaufwand auf die Angebotsschwankungen reagieren können und dies bei der Kernkraft-Technologie noch schwieriger ist, bedarf es nach Angaben von Experten neuer Speichertechnologien.
Eine herkömmliche, aber landschaftsverbrauchende Methode sind Pumpspeicherwerke: Dort wird das Wasser mit überschüssigem Strom in die Stauseen hochgepumpt, um es bei Bedarf wieder talabwärts durch die Kraftwerks-Turbinen schießen zu lassen.
Neue Möglichkeiten eröffnet die Speichergasproduktion: Mit Strom lässt sich Wasser bekanntermaßen in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegen - und weil Wasserstoff mit Kohlendioxid zu Methan reagiert, wird synthetisches Erdgas gewonnen. Wie dies funktioniert, wird im Norden Brandenburg bei einem Windpark bereits praktiziert.
Mit dem weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie, wie er auch auf der Albhochfläche voranschreitet, wird nach Meinung von Experten eines immer wichtiger: Eine Technologie zum Speichern von Energie.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: MANFRED BOMM | 26.05.2010
| Artikel twittern |
|
|
Fotovoltaik auf landwirtschaftlichen Anwesen: In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Dächer blau. Foto: Archiv
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Englisch als Herausforderung
Geislingen Die Daniel-Straub-Realschule hat am internationalen Englischwettbewerb "The Big Challenge" teilgenommen. Insgesamt 150 Schüler aus den Klassenstufen 5 bis 8 traten gegen ihre... ... mehr"Groovin Heart - unplugged"
Geislingen Am Samstag präsentieren "Groovin Heart" in der Pilsstube im Geislinger Sonne-Center Coversongs der vergangenen 30 Jahre. Die Band beschloss in den späten 90er Jahren ihr Programm für... ... mehrAlkoholgeruch am Unfallort
Geislingen Verdächtigen Alkoholgeruch nahm die Polizei bei einer 54-jährigen Pkw-Lenkerin wahr, die am Montag gegen 18 Uhr auf der B 466 einen Unfall verursacht hatte. Bei der Fahrt Richtung Bad Überkingen... ... mehr
K.I.Z lassen die Meute feiern
Geislingen Zwei Tage lang gaben elektronische Klänge in der alten Industriehalle SPW im Geislinger Talgraben den Takt an. Das kult! Festival brachte die Besucher mit hochwertigen DJs und Acts zum Tanzen und Toben.... mehr
Ein Fest der Begegnung
Geislingen Sich im Dialog über türkische Kultur und islamischen Glauben näher zu kommen und einander besser zu verstehen. Das war das Ziel der "Kermes" am Pfingstwochenende in der Geislinger Ditib-Moschee.... mehr
"Ganz nett, wenn auch etwas klein"
Geislingen Die Schausteller waren mit dem ersten Frühlingsfest-Wochenende am neuen Ort auf dem TVA-Parkplatz zufrieden - die meisten Besucher sind es auch. Die GEISLINGER ZEITUNG hat am Sonntag nachgefragt.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland
Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab
Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot
Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr
Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft
Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

ZURÜCK
