Nie mehr wieder Zirkus?

Geislingen.  Die Folgen der geplanten Bebauung des Städtischen Sportplatzes machen sich bemerkbar: Ein Großzirkus, der auf dem bisherigen Festplatz gastieren wollte, bekam eine Absage. Kein Platz mehr vorhanden.

Als Reto Hütter, Tourneeleiter von "Circus Carl Busch" jetzt bei der Geislinger Stadtverwaltung nachfragte, ob der Städtische Sportplatz für ein Gastspiel zur Verfügung stehe, wurde er abgewiesen. Das Gelände, so hat ihm die zuständige Sachbearbeiterin beschieden, stehe nicht mehr zur Verfügung. Man sei überdies zu dem Entschluss gekommen, dass es in Geislingen keinen Zirkus mehr geben werde, zitiert Hütter aus dem Gespräch.

Dass er in seinen Tourneeplan kurzfristig für Anfang August ein Gastspiel in Geislingen einschieben wollte, hat wirtschaftliche Gründe: Anstatt nämlich, wie vorgesehen, aus dem süddeutschen Raum einen Abstecher nach Mainz zu machen, wäre Geislingen viel besser an der Route gelegen. Dass man ihm hier nach dem Verlust des bisherigen Festgeländes auch keinen anderen Standort anbieten konnte, hat den Zirkusmann überrascht und enttäuscht gleichermaßen. Deshalb ist er jetzt bei privaten Grundstücksbesitzern auf der Suche - in der Hoffnung, ein etwa 8000 Quadratmeter großes Areal zu finden. Dies jedoch, so lässt Stadtbaumeister Karl Vogelmann durchblicken, werde nicht so einfach sein. Denn dazu bedürfe es der entsprechenden Ver- und Entsorgungseinrichtungen (Wasser, Kanal und Strom) sowie im Falle von feuchter Witterung auch eines festen Untergrunds, weil ansonsten die Gefahr bestünde, dass die schweren Transportfahrzeuge im Morast stecken blieben.

Im Übrigen gibt Vogelmann zu bedenken, dass man es keinesfalls sehr bedauere, würde kein Zirkus mehr kommen - weil es "immer Probleme und Ärger" gebe und die Pachteinnahmen in keinem Verhältnis dazu stünden. Hintergrund: Oft schon habe man anschließend Müll wegräumen oder die Bezahlung der Wasserrechnung mehrfach anmahnen müssen. Auch sei es schon vorgekommen, dass Zirkus-Unternehmen vom städtischen Bauhof Grünzeug für die Tiere gewollt hätten. Andernfalls, so eine Drohung, an die sich Vogelmann noch lebhaft erinnern kann, würden sich die Elefanten über den Bewuchs entlang des Platzes hermachen.

Ganz ausschließen wolle man künftige Zirkus-Gastspiele aber nicht, versichert der Stadtbaumeister. Schon Anfang des Jahres hatte er drei Alternativen ins Gespräch gebracht: Das neue Gewerbegebiet Espan an der Gemarkungsgrenze zu Kuchen, das brachliegende Bahngelände abseits der Konrad-Adenauer-Straße sowie eine Fläche beim Umspannwerk im Eybacher Tal.

Alle drei sind jedoch mit Unsicherheiten behaftet. Im Espan, wo sich auf Geislinger Markungsfläche bisher kein einziger Betrieb angesiedelt hat, könnte sich möglicherweise bald ein Interessent finden, weshalb wohl abgewartet werden muss, was dann noch als Veranstaltungsfläche übrig bliebe.

Beim Bahngelände stellt sich nicht nur die Frage der Kosten, sondern auch, inwieweit ein Zirkus-Gastspiel mit dem dortigen Hubschrauberlandeplatz der Helfenstein Klinik in Einklang zu bringen wäre. Und das im Eybacher Tal anvisierte Areal ist an einen Unternehmer verpachtet.

Vogelmann verweist auf die Kosten, die mit der Neuanlegung eines Festplatzes verbunden wären. Und er gibt zu bedenken, ob sich diese hohe Investition überhaupt lohne. Denn bei einem Zirkus-Gastspiel seien aus Pacht und Wassergebühr nur rund tausend Euro zu erwirtschaften.


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Autor: MANFRED BOMM | 27.05.2010

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