Maikäferhäusle stellt Schülerbefragung vor Thema Integration: 547 Fragebögen ausgewertet
Geislingen. Das Jugendhaus Maikäferhäusle (MKH) Geislingen e.V. hat im November an fünf Geislinger Schulen eine Befragung zum Thema "Integration in Geislingen" durchgeführt. 547 Fragebögen wurden ausgewertet.
Die Ergebnisse wurden am vergangenen Wochenende bei dem als Abschlussveranstal- tung organisierten Reggaekonzert "Slaughterhouse goes Tolerance" den Geislinger Jugendlichen vorgestellt.
Unterstützt durch das Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" und die Stadtjugendpflege wurde in Kooperation mit den Geislinger Schulleitern im November die Befragung an fünf Geislinger Schulen durchgeführt. Die Befragung wurde an jeweils einer zufällig ausgewählten Klasse pro Klassenstufe durchgeführt und zwar an einer Förderschule, zwei Hauptschulen, einer Realschule und einem Gymnasium in Geislingen. Insgesamt haben 547 Schüler an der Befragung teilgenommen. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 13,1 Jahren.
Fast 42 Prozent der Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund vorzuweisen. Betrachtet man Schulzugehörigkeit und Migrationshintergrund, so fällt auf, dass am Gymnasium lediglich 27,1 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben, wohingegen dieser auf einer der Hauptschulen bis 72,73 Prozent der Befragten beträgt.
Gehen die Geislinger Schüler gerne zur Schule? Etwa ein Drittel der befragten Jugendlichen geht gerne in die Schule. Überdurchschnittlich viele Schüler mit Migrationshintergrund gehen uneingeschränkt gerne zur Schule, nämlich 37,44 Prozent.
Fühlen sich die Befragten von ihren Mitschülern akzeptiert? Mit durchschnittlich 92,34 Prozent lässt sich eine hohe Akzeptanzquote unter den befragten Schülern erkennen. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund fühlen sich 11,16 Prozent, bei deutschstämmigen Schülern 5,21 Prozent nicht akzeptiert.
Etwa drei Viertel der befragten Schüler gibt an, die Lehrerschaft als Respektspersonen wahrzunehmen, Jugendliche ohne Migrationshintergrund (78,96 Prozent) ebenso wie diejenigen mit Migrationshintergrund (75,34 Prozent). Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund weichen ebenso kaum voneinander ab, wenn es um die Identifikation mit gesellschaftlichen Regeln geht: Durchschnittlich nur 10,35 Prozent sagen beispielsweise ganz klar "Nein".
80 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund haben auch vorwiegend Freunde ohne Migrationshintergrund. Bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind es lediglich knapp 40 Prozent, die Freunde ohne Migrationshintergrund haben.
Lediglich durchschnittlich 11,22 Prozent der Befragten geben an, das Politikgeschehen regelmäßig zu verfolgen. Nur 1,74 Prozent sind politisch in Verein oder Partei aktiv. Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund liegen hier fast genau gleichauf. Immerhin 54,44 Prozent aller Befragten verfolgen gelegentlich die Nachrichten.
Durchschnittlich 72,73 Prozent aller befragten Jugendlichen sind in einem Verein aktiv. Bei Befragten mit Migrationshintergrund ist der Anteil mit 66,51 Prozent recht hoch, dennoch aber leicht unterdurchschnittlich. Etwa 39 Prozent aller befragten Jugendlichen sind ehrenamtlich engagiert, hier liegen die Jugendlichen mit Migrationshintergrund gleichauf mit den anderen Befragten.
82,24 Prozent der Befragten finden kulturelle Vielfalt in einer Gesellschaft gut und wichtig. Bei der Einstellung zur Religion gibt es Abweichungen in punkto Migrationshintergrund: 57,80 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund sagen eindeutig "Ja" zur Frage, ob ihnen Religion wichtig sei, ohne Migrationshintergrund beträgt der Prozentsatz 39,10 Prozent.
Funktioniert Integration in Geislingen gut? Knapp 50 Prozent aller Befragten sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund können nicht einwandfrei bestätigen, dass sie Geislingen beziehungsweise Deutschland für ausländerfreundlich halten. 54,61 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund sind der Ansicht, dass Integration in Geislingen nicht gut funktioniert oder zumindest besser sein könnte. Leider sagt auch jeder fünfte befragte Schüler - unabhängig vom Migrationshintergrund -dass ihm das Thema "Integration in Geislingen" nicht wichtig sei.
Durchschnittlich 75,25 Prozent der Befragten antworten, dass es ihnen in Geislingen gefällt, bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind es 70,81 Prozent.
Die Erkenntnisse der Befragung werden im Rahmen des Bundesprogramms "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" weiter genutzt, da Geislingen als Modellstandort fungiert. Die Ergebnisse sollen auch den jeweiligen Schulen zur Verfügung gestellt werden. Das MKH möchte aufbauend auf den selbst erhobenen Daten auch zukünftig weitere Projekte zum Thema Integration durchführen.
Die Ergebnisse der Befragung waren zwar durchaus positiv, doch wurde auch offengelegt, dass Intoleranz unter Mitschülern kein Einzelphänomen ist und doch noch viele Jugendliche, vor allem mit Migrationshintergrund, nicht von den Mitschülern akzeptiert werden. "Toleranz fördern" scheint da ein überaus passendes Motto zu sein.
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Autor: CHRISTINE PFUNDTNER THORSTEN FISCHER | 21.12.2011
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