Märklin: Ohne Investor gehts auch
Göppingen. Steigende Auftragseingänge, höhere Umsätze und ein dickes Plus im ersten Halbjahr, trotzdem ist kein Käufer in Sicht. Jetzt plant Insolvenzverwalter Michael Pluta das Ende der Märklin-Insolvenz ohne Investor.
Eitel Sonnenschein über Märklin? Nicht ganz. Zwar hatte Insolvenzverwalter Michael Pluta gestern bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz keinen Grund zu klagen: Der Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr von 74 auf 78 Millionen Euro, der Umsatz von 40,4 auf 42,6 Millionen Euro. Doch noch immer wird der Unternehmer mit Herzblut verzweifelt gesucht.
Jetzt plant Pluta ein Ende der Insolvenz ohne Investor. Darüber will der Ulmer Anwalt in den nächsten Wochen mit dem Gläubigerausschuss diskutieren. Sein Verhältnis zu den Gläubigern, denen Märklin rund 93 Millionen Euro schuldet, sei "entspannt", sagt er. "Die Zeit für diese Verhandlungen ist reif, und ich denke, dass wir seitens des Unternehmens optimale Rahmenbedingungen dafür geschaffen haben." Tatsächlich kann sich die Halbjahresbilanz trotz Fußball-WM und hochsommerlicher Hitze sehen lassen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von minus 1,5 auf plus 1,8 Millionen Euro zu. Dieser Wert liegt deutlich über den Planzielen, berichtet Pluta nicht ohne Stolz. "Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 31. März 2009 arbeitet Märklin stabil mit positiven Ergebnissen und finanziert sich komplett aus den selbst erwirtschafteten Mitteln." Wie das Ende der Insolvenz ohne Investor konkret aussehen soll, sagt der Insolvenzverwalter nicht. Vieles spricht für ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren, das es Märklin ermöglichen würde, ohne fremde Hilfe weiter zu machen. Das Gesetz sieht dies ausdrücklich vor. Märklin käme ohne Investor aus und die Gläubiger spielten die Rolle von Gesellschaftern wider Willen.
Die Zukunftschancen von Märklin stehen gut. Auch der Ausstieg des Zulieferers Sanda Kan bringt keine größeren Probleme mit sich. Wie berichtet, hatte der langjährige chinesische Partner von Märklin im Juni überraschend die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die von Sanda Kan bezogenen Waren stünden nur für etwa sechs bis sieben Prozent des Umsatzes, erklärt dazu Pluta. Alle laufenden Bestellungen würden vertragsgemäß abgewickelt. Das Märklin-Management habe ohnehin eine verstärkte Rückverlagerung von Produkten aus China in die eigenen Werke Göppingen und Györ in Ungarn geplant. Außerdem stehe eine Reihe von anderen, erfahrenen Firmen als neue Partner zur Verfügung, so Pluta weiter. Das Management von Sanda Kan und Kader habe zugesichert, dass es auf allen Gebieten eine faire und professionelle Abwicklung geben wird.
Aktuell beschäftigt Märklin jeweils 500 Mitarbeiter in Göppingen und Ungarn. In Györ laufen Planungen für eine größere Erweiterung der Fertigung. Dort hat sich die Möglichkeit ergeben, ein angrenzendes Grundstück zu erwerben. Pluta ist zuversichtlich, in den Verhandlungen mit den Gläubigern Lösungen zu finden, "die für das Unternehmen Märklin und seine Mitarbeiter eine Basis für eine stabile Zukunft bilden". Für Gespräche mit geeigneten Investoren gebe es jedenfalls keinen Zeitdruck.
Ob sich jemals ein Käufer für das Göppinger Traditionsunternehmen finden wird, könnte momentan allenfalls Tintenfisch Paul orakeln. Der hatte immerhin sämtliche Spielergebnisse der deutschen Elf bei der WM in Südafrika richtig getippt. Möglicherweise wurde er sogar gefragt. In unmittelbarer Nachbarschaft des "Sealife" in Oberhausen, wo Paul in einem Aquarium lebt, hat "Papa Märklin", alias Ex-Pressesprecher Roland Gaugele, gestern bei einer Pressekonferenz die Ausstellung "Mythos Märklin" eröffnet. "Zum ersten Mal gewährt der weltgrößte Märklin-Sammler Einblicke in seine im Lauf von Jahrzehnten gewachsene Sammlung", erzählt Gaugele, der die Rolle des Kurators übernommen hat. Die Ausstellung in der Miniaturwelt Oberhausen läuft bis zum 31. Juli im Rahmen des Events "Ruhr 2010". Zu sehen gibts Mädchenspielzeug wie Puppenküchen und Badezimmer aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Außerdem locken Autos, Flugzeuge, Dampfmaschinen und Eisenbahnen aus der großen Zeit Märklins um 1900. Ob diese Zeit wiederkehrt? Da ist Tintenfisch Paul gefragt.
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Autor: JOA SCHMID | 30.07.2010
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Endmontage bei Märklin in Göppingen. Wie es mit dem insolventen Traditionsunternehmen weitergeht, darüber entscheidet der Gläubigerausschuss. Insolvenzverwalter Michael Pluta plant ein Ende der Insolvenz ohne Investor. Foto: Archiv
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