Lebenshilfe gründet digitalen Büchershop

Die Lebenshilfe gründet einen Digital-Shop für gebrauchte Bücher. Die Umsetzung mit einem speziellen Computerprogramm ermöglicht Menschen mit Behinderung einen verantwortungsvollen Arbeitsplatz.

CLAUDIA BURST |

Das Projekt heißt Schmökerhöker. Dabei geht es darum, gespendete Bücher zu sortieren und dem Internet-Buchmarkt zuzuführen. Und es macht Christiane Paroch glücklich. "Weil es unseren Mitarbeitern eine interessante und sinnvolle Tätigkeit ermöglicht. Selbst denjenigen, denen der normale Werkstattbetrieb noch zu komplex oder zu hektisch ist", erklärt die Leiterin der Werkstätten der Lebenshilfe Göppingen.

Obwohl "Schmökerhöker" von den acht Mitarbeitern dieser "produktionsberuhigten Gruppe" in der Eschenbacher Werkstatt Konzentration, Sorgfalt und Verantwortung abverlangt, ist die Stimmung entspannt. An einem Tisch steht Rainer und stellt aus dem flachen Karton die Kiste her, in die seine Kollegen die für gut befundenen Bücher einordnen müssen. Daniel und Hans sortieren die gespendeten Bücher vor. Das tun sie nach Kriterien, für die sie vorher geschult wurden. "Die Blätter dürfen nicht verknickt sein, das Buch nicht schmutzig, der Schutzumschlag nicht eingerissen und es darf nichts drinstehen", zählt Daniel auf, worauf er bei seiner Arbeit alles achtet.

Am meisten Verantwortung tragen Andi und Caroline bei der Endkontrolle. Beide haben das speziell für Menschen mit geistiger Behinderung ausgearbeitete Programm des Internet-Buchhändlers "De Böökerhööker" begriffen. "Zuerst geb ich die Nummer von der Kiste ein, in die ich nachher das Buch lege", zählt Andi auf. Dann muss er den Strich-Code der ISBN-Nummer entweder scannen oder - wenn es keinen Barcode gibt - die Zahlenkombination von Hand eingeben. Hat er das korrekt gemacht, erscheint das Titelblatt des Buches, das er in der Hand hält, auf dem Bildschirm. Samt einer Ampel. "Ist die grün, darf das Buch in die Kiste", weiß der junge Mann. Gruppenleiterin Silke Maier erläutert, dass die Ampel anzeigt, ob es sich bei dem Buch um eines handelt, das im Handel nachgefragt wird oder eher nicht. Bei Gelb trifft sie eine Einzelentscheidung nach dem sonstigen Zustand des Buches - eventuell kommt es sonst in den hausinternen Bücherflohmarkt. Bei Rot wissen Andi und Caroline, dass der Schmöker in die Gitterbox muss - fürs Altpapier. Auch das wird verkauft und das Geld kommt ebenfalls dem Büchershop-Umsatz zugute.

Aber Andi und Caroline müssen noch mehr ausfüllen in ihrem Computerformular: Unter "Zustand beurteilen" klickt der Sachbearbeiter an, ob das Buch noch in Folie gepackt ist, ob es aussieht wie neu, ob es sehr gut aussieht - sprich nur einen Fehler als Gebrauchsspur aufweist, ob es noch die Note gut erhält mit maximal zwei bis zweieinhalb Fehlern - oder aussortiert wird. Andi arbeitet langsam, aber konzentriert. Am Ende erscheint "Artikel wurde erfolgreich angelegt" auf seinem Bildschirm und er strahlt. Weiter gehts mit dem nächsten Buch. Es ist erkennbar, dass er sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt.

"Es ist verblüffend, welche Fähigkeiten die Mitarbeiter bereits jetzt entwickelt haben. Dabei haben wir doch erst am 1. September mit dem Projekt begonnen", wundert sich Silke Maier. "Sie können sich länger konzentrieren als zu Beginn, fällen Entscheidungen leichter und gehen sehr souverän mit dem Computer um."

Sie selber ist schließlich für die Endkontrolle zuständig. "Aber es passieren sehr wenige Fehler. Ich bin begeistert. Vor allem auch darüber, mit wie viel Freude unsere Leute bei der Arbeit sind", schwärmt Silke Maier.

"Jetzt brauchen wir nur noch Bücher, Bücher, Bücher", betont Christiane Paroch. Erst, wenn der Grundbestand im eigenen Büchershop groß genug ist, soll die Leitung zu "Amazon" freigeschaltet werden. "Dann werden unsere Bücher über Amazon verkauft", erklärt Christiane Paroch den weiteren Vorgang. Auch der Versand soll dann von den Mitarbeitern des Büchershops durchgeführt werden.

"Wir freuen uns über gut erhaltene Bücher, nehmen aber alles an", erklärt die Werkstatt-Leiterin. Jeder könne einfach zwischen 8 und 15 Uhr in die Lebenshilfe-Werkstätte in Geislingen, Heiningen und Eschenbach kommen und Bücher anliefern."

Alle Spender bekommen ein Lesezeichen als Dankeschön. Auch das stellen die Kollegen aus dem Büchershop selber her, indem sie malen, stempeln, kleben und laminieren. "Die Resonanz ist verblüffend positiv", hat Silke Maier festgestellt - noch ein Grund für die Mitarbeiter, mit solcher Begeisterung bei der Arbeit zu sein.


Bücherspenden werden zwischen 8 und 15 Uhr angenommen bei der Lebenshilfe-Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Heiningen, Heubachstraße 6-10; in der WfbM in Eschenbach (Industriegebiet Voralb) Schemelbergstraße 8-10 sowie in der WfbM in Geislingen, Grube-Karl-Straße 36

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