Lebenschancen vermitteln

Geislingen.  Praxis und Theorie: In der zweijährigen Berufsfachschule in Geislingen bereiten sich Schüler auf die mittlere Reife vor und lernen die Berufswelt kennen. Sie haben gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.

Seit 40 Jahren gibt es in Geislingen die Berufsfachschule, die nach dem Hauptschulabschluss in zwei Jahren zur mittleren Reife führt und den Jugendlichen eine Art Grundausbildung in einem Berufsfeld - sei es technisch, kaufmännisch, pflegerisch oder hauswirtschaftlich - vermittelt.

Die Vorteile der zweijährigen Berufsfachschule liegen laut Helmut Kölle, dem stellvertretenden Leiter der Gewerblichen Schule, auf der Hand. "Sie geht allerdings mit der neu eingeführten Werkrealschule im Bewusstsein vieler Menschen ein wenig unter", sagt er.

Bis jetzt gab es zwei Wege, um den mittleren Bildungsabschluss zu machen: die Realschule oder nach der Hauptschule in der zweijährigen Berufsfachschule. Die Werkrealschule kam als dritter Weg hinzu. "Wichtig ist es zu wissen, es gibt diese drei Möglichkeiten. Jeder von ihnen hat seine guten Seiten", betont der Pädagoge.

Er listet die Vorteile der zweijährigen Berufsfachschule auf: Die Schüler vertiefen und erwerben Kenntnisse in einem Berufsfeld, was sie interessiert. Sie werden "reifer", ihre Ausbildungswünsche klarer. "Manche sehen dann, dieser Beruf ist nichts für mich. Manche wissen genau, dass sie den richtigen Weg gehen", betont Kölle. Schwächere Schüler verbessern ihre Noten, somit auch die Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Die Verbindung aus Praxis und Theorie lässt viele von den Schülern regelrecht aufblühen. "Manche bekommen wirklich Lust auf Lernen", sagt Kölle. Schule und direkte Berufsorientierung machen die Absolventen wettbewerbsfähiger auf dem Ausbildungsmarkt, denn die künftigen Arbeitgeber haben Leute vor sich, die Fachkenntnisse mitbringen und schon mal "richtig gearbeitet haben".

Einmal in der Woche gibt es nämlich den Praxistag. Die Schüler arbeiten unter Anleitung in den schulischen Werkstätten, die von den "echten betrieblichen" kaum zu unterscheiden sind. Diesen hohen Standard verlangt auch die IHK und die Ausbildungsbetriebe.

Wenn sie sich nach dem Abschluss der zweijährigen Fachschule für die Berufsausbildung in einem der bundesweit 360 Ausbildungsberufe entscheiden, kann ihnen - wenn die Schulleistungen sehr gut sind - das erste Lehrjahr erlassen und so die Lehrzeit verkürzt werden. "In der Wirtschaft ist die Ausbildung sehr anerkannt, der Schüler erwirbt sich Kenntnisse vom ersten Jahr der dualen Berufsausbildung, hat somit einen klaren Wettbewerbsvorteil", so Kölle. "Das Berufsschulzentrum sei für die Berufsausbildung bestens ausgestattet, mit hochwertigen Maschinen wie CNC und Messtechnikmaschinen, davon würden auch die Schüler der zweijährigen Berufsfachschule profitieren."

Das können auch Manuel Navas aus Kuchen, Ilhan Madenci aus Amstetten und Davide Galasso aus Geislingen bestätigen. Die drei Jungs besuchen die Berufsfachschule im zweiten Jahr. Alle haben sie ihre Ausbildungsverträge bereits unterschrieben. Als Elektroniker für Automatisierungstechnik bei der WMF und Gießereimechaniker bei den Heidelberger Druckmaschinen. Beim Vorstellungsgespräch und dem dazu gehörenden Einstellungstest konnten sie mit ihren Fachkenntnissen punkten.

Der 16-jährige Navas und 17-jährige Galasso waren zusammen auf der Tegelberg-Hauptschule. Beide wussten, dass sie in der Zukunft "etwas mit Technik" machen wollen.

Da kam die Richtung "Elektrotechnik" genau richtig. Der 18-jährige Madenci wählte nach dem Hauptschulabschluss und dem Berufseinstiegsjahr Metalltechnik. "Für mich war es genau richtig, an diese Schule zu gehen", betont er und lobt vor allem die Lehrer, die aus der Praxis kommen und den Schülern betriebsnahes Fachwissen vermitteln.

"Wir wollen für unsere Schüler mehr als nur die mittlere Reife. Die zweijährige Berufsfachschule schafft Lebenschancen", sagt Kölle.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: JOANNA STOLAREK | 10.02.2012

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper Technology Center

Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab

Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft

Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

Amok-Alarm an Memminger Schule: Waffen gehören dem Vater

Memmingen Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.... mehr