Kliniken gehen neue Wege
Göppingen. Das erste Kind ist bereits operiert - viele Patienten sollen folgen: In Zusammenarbeit mit dem Marienhospital Stuttgart gibt es an der Klinik am Eichert jetzt ein Zentrum für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Kommt das Baby nicht gesund zur Welt, haben Eltern schon genug Sorgen. Muss der Nachwuchs dann noch weit weg operiert und stationär behandelt werden, ist die Belastung wegen der langen Anfahrtswege doppelt groß. Um Kindern, aber auch anderen Patienten, eine wohnortnahe Versorgung zu bieten, kooperieren die Kliniken des Landkreises jetzt mit dem Zentrum Plastische Chirurgie des Marienhospitals in Stuttgart. Das heißt konkret: An der Klinik am Eichert in Göppingen gibt es nun ein neues Kompetenzzentrum für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) unter der Leitung des Marienhospitals. Dabei geht es unter anderem um die Behandlung von angeborenen Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Kieferfehlstellungen, Tumorchirurgie im Gesicht sowie die Behandlung von Unfallfolgen am Mund oder am Kiefer.
Professor Jörg Martin, Chef der Kreiskliniken, spricht von einer "innovativen Kooperation" mit einer "dreifachen Win-Situation": für beide Kliniken und für die Patienten. "Wir können nicht mehr alles anbieten, diese Zeiten sind vorbei", spielt der Geschäftsführer auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser an. Daher seien Kooperationen unumgänglich, es gehe keinesfalls um einen Verdrängungswettbewerb, betont Martin. "Wir müssen das Know-how bündeln und zusammenführen, um den Patienten die beste Versorgung zu bieten", ergänzt Monika Röther, Geschäftsführerin der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, zu der das Marienhospital gehört.
Die Zusammenarbeit habe sich geradezu angeboten, weil die Klinik am Eichert eine Kinderklinik hat - und das Marienhospital nicht mehr. Umgekehrt konnte Dr. Matthias Groß, der Belegarzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Eichert, als Einzelkämpfer keine zeitintensiven, komplexen Eingriffe vornehmen. Diese Patienten mussten dann nach Stuttgart, Ulm oder Tübingen. "Jetzt ist die erste Anlaufstelle bei uns in Göppingen", sagt Professor Martin. Ist die Operation sehr aufwendig, könnten die Experten immer noch entscheiden, ob der Patient im Spezialkrankenhaus in Stuttgart besser aufgehoben sei.
Gestartet ist die Zusammenarbeit aber in Göppingen - mit der ersten Operation eines Kindes im Bereich Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Diese angeborene Fehlbildung tritt statistisch bei einem von 400 bis 500 Neugeborenen auf, erklärt Privatdozent Dr. Dr. Thomas Fillies, Chefarzt der Klinik für MKG-Chirurgie am Marienhospital. Die Therapie startet in der Regel, wenn das Baby drei Monate alt ist, und endet mit dem Abschluss des Wachstums mit etwa 18 Jahren. "Die Behandlung muss früh beginnen, um eine möglichst optimale Entwicklung des Kindes zu ermöglichen", erklärt der Experte. Dabei geht es zum Beispiel um das Stillen, aber auch um den Spracherwerb. Nicht zuletzt soll das Kind vor Hänseleien geschützt werden. "Und da es sich hier nicht um kleine Erwachsene handelt, brauchen wir gewisse Voraussetzungen", sagt Fillies. "Und die haben wir in der Kinderklinik." Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen werden eng mit Kinderärzten, Kieferorthopäden, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Logopäden sowie Zahnärzten zusammenarbeiten.
Dr. Dieter Wölfel, Chefarzt der Kinderklinik am Eichert, freut sich auf und über die Kooperation: "Es war wichtig, diesen Bereich abzudecken. Das ist ein großes Plus, mit Dr. Fillies einen direkten Ansprechpartner zu haben." Operation, Vor- und Nachsorge finden künftig in Göppingen statt, was die Situation für die Eltern erheblich erleichtere.
Doch nicht nur kleine Patienten sollen von der Zusammenarbeit beider Kliniken profitieren. "Ziel ist es, die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Göppingen längerfristig zu stärken und auszubauen", fasst Fillies zusammen.
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Autor: SUSANN SCHÖNFELDER | 03.02.2012
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Zwei Chirurginnen im Operationssaal. Mund-, kiefer- und gesichtschirurgische Eingriffe sind künftig auch in Göppingen möglich. Die Klinik am Eichert und das Stuttgarter Marienhospital arbeiten zusammen. Foto: Archiv
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