Kaum Sozialmissbrauch
Kreis Göppingen. Ja, es gibt auch im Kreis Göp-pingen Sozialmissbrauch - von Leistungserschwindelung im großen Stil kann aber nicht die Rede sein.
Sozialleistungsmissbrauch ist ein Thema, das die FDP nicht nur im Bund, sondern auch im Kreis Göppingen umtreibt. Und deshalb wollte sie von der Verwaltung auch wissen, wie sie mit Sozialmissbrauch umgehe. Um es vorweg zu nehmen: Im Bereich der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, bei der Hilfe zur Pflege, bei der Hilfe zum Lebensunterhalt und bei der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen spielt Sozialmissbrauch eine völlig untergeordnete Rolle, wie Rudolf Dangelmayr, Chef des Kreissozialamts gestern vor dem Sozialausschuss sagte. Dangelmayr wörtlich: "Bei der Sozialhilfe hat Missbrauch keine große Relevanz."
Etwas anders stellt sich die Situation bei der Grundsicherung für Arbeitssuchende dar. Da wird schon mal zu Unrecht Geld kassiert, das die Behörde bei ertappten Sündern wieder zurückholt.
Die Arge Job-Center hat zusammen mit dem Kreissozialamt einen mit zwei Mitarbeitern besetzten Ermittlungsdienst eingerichtet, der bei Verdacht tätig wird: Ob beispielsweise eine eheähnliche Lebensgemeinschaft vorliegt, wird durch Hausbesuche überprüft. Die Ermittler untersuchten insgesamt 207 Fälle auf Missbrauch, in 46 Fällen konnte dies laut Danglmayr nachgewiesen werden. Somit sei ein Schaden von 280 000 Euro vermieden worden. Ein wichtiges Instrument, um unberechtigten Zahlungen auf die Spur zu kommen, ist der Datenabgleich. So wurden 2009 über 50 000 Euro zuviel zu Lasten der Bundesagentur für Arbeit bezahlt, rund 30 000 Euro zu Lasten des Kreises. Dennoch, so unterstreicht Dangelmayr: "Die ganz überwiegende Mehrheit der Sozialleistungsbezieher ist ehrlich und erhält die Leistung zu Recht." Wobei ihm auch Landrat Edgar Wolff beipflichtete, aber noch hinzufügte, dass der Kreis auch weiterhin alle ihm zur Verfügung stehende Instrumente nutze, um Sozialleistungsmissbrauch zu verhindern.
Einer personelle Aufstockung des Ermittlerdienstes, wie von Dr. Heinrich Ruff (FDP) und auch Michael Bittlinger (CDU) angeregt, erteilte Dangelmayr eine deutliche Absage: "Das bringt nicht mehr Geld ein. Zudem sind wir personell gut aufgestellt." Wichtig sei, so sagte Bittlinger aber auch, herauszustellen, dass die große Mehrheit wahrheitsgetreue Angaben mache. Missbrauch, so sagte SPD-Sprecherin Susanne Widmaier, gebe es bei staatlichen Geldern immer, ob es sich nun um Milliarden Euro bei der Steuerhinterziehung handle, oder um Millionen Euro bei Hartz IV. Jürgen Hamann von den Grünen lobte den Kreissozialamtsleiter abschließend für einen Bericht, der sich "wohltuend von den populistischen Äußerungen der FDP-Spitze abhebt".
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: KARL-HEINZ STROHMAIER | 10.03.2010
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe
Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK