KOMMENTAR · DAS NEL MEZZO: Die Nagelprobe folgt
Ausnahmezustand am Städtischen Sportplatz in Geislingen: Die Bevölkerung stürmt das Nel Mezzo, die Neugier auf das neue Einkaufszentrum ist riesig, die Kunden wollen "mittendrin" sein, wie es der Name des Centers verspricht.
Das Nel Mezzo ist architektonisch ansprechend - die stilprägende Eingangsseite und die lichte zweite Ebene der Mall mit der geschmackvollen Innengestaltung tragen die Handschrift von Architekt Klaus von Bock. Der gegliederte Gebäudekomplex hat aber auch Rück- und Kehrseiten.
Der Branchenmix ist alles andere als spektakulär, doch ist es für Geislingen einzigartig, dass unter einem Dach 19 Geschäfte vereint sind. 25 Millionen Euro Investitionen, 8500 Quadratmeter Verkaufsfläche, 260 kostenfreie Parkplätze, über 100 neue Arbeitsplätze, zu einem frühen Zeitpunkt bereits der letzte Quadratmeter Ladenfläche langfristig vermietet. Das stimmt zuversichtlich.
Das Großprojekt auf dem Städtischen Sportplatz war das seit Jahrzehnten umstrittenste Vorhaben in Geislingen. Der erbitterte Streit mündete im bisher einzigen Bürgerentscheid in Geislingens Geschichte. Die einen wollten den traditionellen Festplatz nicht opfern, der heimische Handel befürchtet einen ruinösen Verdrängungswettbewerb. Initiator und Hauptverfechter des Nel Mezzo war und ist Oberbürgermeister Wolfgang Amann. Er und die Mehrheit des Gemeinderats versprechen sich vom neuen Einkaufszentrum an dieser prominenten Lage eine Stärkung des ganzen innerstädtischen Handels, mehr Attraktivität und Ausstrahlung Geislingens aufs Umland und damit eine bessere Kaufkraftbindung. Entlang der B10 durch Geislingen sieht man seit Jahren Brachflächen: Klaffenden Zahnlücken stellt der OB seine Vision einer Perlenkette entgegen. Eine glänzende Perle sei das Nel Mez- zo, mit ihm soll - so Amanns Hoffnung - zusammenwachsen, was zusammengehört: Altenstadt und Geislingen, die Geschäftslagen Sternplatz und Obere Stadt.
Das kommende Jahr wird spannend. Wer hat recht? Und wie wird sich der alteingesessene Fachhandel mit dem neuen Konkurrenten arrangieren? Das Center will offenbar die Hand ausstrecken und mitmachen bei einem gemeinsamen Stadtmarketing. Kooperation statt Konfrontation.
Das ist dringend nötig, damit sich die Einkaufsstadt Geislingen behaupten kann. Denn die auswärtige Konkurrenz schläft nicht. Ulm will sein Bahnhofsareal neu bebauen, Göppingen plant drei innerstädtische Handelszentren - mit schlappen 40 000 Quadratmetern. RODERICH SCHMAUZ
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Autor: SWP | 09.07.2011
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