INTERVIEW: "Die Stromkunden profitieren"

Das Geislinger Albwerk hat hohe Gewinne erwirtschaftet, teilte Vorstandschef Hubert Rinklin jüngst in der Generalversammlung der Energiegenossenschaft mit. Warum steigen die Strompreise trotzdem?

RODERICH SCHMAUZ |

Das Albwerk erhöht trotz satter Gewinne die Strompreise. Warum kommt die gute Geschäftslage nicht den Kunden zugute?

HUBERT RINKLIN: Die gute Geschäftslage kommt den Kunden zugute. Wir haben zum 1. 1. 2014 im Rahmen der Preiserhöhung nur einen Teil der gestiegenen Umlagen weitergegeben und den Rest sowie die Erhöhung der Netznutzungsentgelte selbst getragen. Gewinne sind notwendig, um zukunftsfähig zu bleiben. Es sind erhebliche Investitionen in die Netze erforderlich, um die stark zunehmende regenerative Stromproduktion aufnehmen zu können und um die gute Versorgungssicherheit zu erhalten. Vom Ergebnis der Albwerkgruppe stammt übrigens nur noch weniger als die Hälfte aus der Region, den Rest erwirtschaften wir mit Tochter- und Beteiligungsgesellschaften an anderen Standorten in Baden-Württemberg. Die Preise des Albwerks sind markt- und wettbewerbskonform.

Die regenerativen Energieerzeugungsanlagen des Albwerks blieben 2013 bei der Stromproduktion hinter den Erwartungen zurück. Warum?

RINKLIN: Die regenerativen Erzeugungsanlagen der Albwerkgruppe hatten eine unterschiedliche Entwicklung. Die Produktion der Wasserkraftwerke lag um rund 68 Prozent über der des Jahres 2012. Ursächlich hierfür ist ein niederschlagsreiches erstes Halbjahr 2013. Die Fotovoltaik-Anlagen haben in 2013 nahezu das Ergebnis des Jahres 2012 erreicht. Die Windkraftanlagen produzierten gut vier Prozent weniger als im schwachen Windjahr 2012. Die technische Verfügbarkeit der Anlagen war gut. Die Windverhältnisse lagen unter dem langfristigen Durchschnitt.

Die Biogasanlagen haben durch Umbau- und Optimierungsmaßnahmen deutlich weniger produziert. Hier ist deshalb ein Rückgang von 40 Prozent zu verzeichnen.

Am Mittwochabend findet beim Albwerk ein Podiumsgespräch über Energiespeicher statt. Hat das Albwerk in seinem Versorgungsgebiet dafür konkrete Pläne? Welche Möglichkeiten sehen Sie?

RINKLIN: Mit Ausnahme von Pumpspeicherkraftwerken sind größere Speicheranlagen, zum Beispiel über Batterietechnik oder über Power to Gas (Erklärung: Nutzung von regenerativem Strom zur Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse und in einem nächsten Schritt Beimischung von CO2 zur Produktion von Methan) momentan noch im Entwicklungs- oder Pilotstadium. Voraussetzung für den Einsatz solcher Anlagen ist im Regelfall eine staatliche Förderung. Das Albwerk prüft aktuell, sich an einem größeren Batteriespeicherprojekt zu beteiligen. Dieses wird allerdings nur zustande kommen können, falls mindestens 50 Prozent der entstehenden Kosten über Zuschüsse abgedeckt werden.

Die Entwicklungen bei der Power to Gas-Technologie beobachten wir derzeit. Auch Überlegungen zum Bau eines kleinen Pumpspeicherkraftwerkes wurden in der Vergangenheit angestellt. Dieses Projekt scheiterte allerdings an der Wirtschaftlichkeit und den zu erwartenden langen Genehmigungsfristen. Erste Erfahrungen haben wir mit dem Einbau von kleinen Batteriespeicheranlagen für Fotovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern gewonnen. Hier schreitet die Entwicklung zügig voran.

Energiespeicher - Ein Schlüssel zur Energiewende: So lautet der Titel einer Podiumsdiskussion am morgigen Mittwoch um 19 Uhr im Albwerkspeicher. Daran nehmen neben Rinklin die SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Vogt und Eduard Freiheit von Etogas teil.

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