Hochschule wächst weiter
Geislingen. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt am Standort Geislingen wächst und wächst: Nahezu 50 Professoren lehren in bald zehn Studiengängen. Fast 1800 Studenten sind in Geislingen eingeschrieben.
Professor Dr. Werner Ziegler und sein Rektoratsteam biegen langsam, aber sicher in die Endrunde ein: Viereinhalb der sechs Jahre ihrer Amtszeit sind bereits vorbei. Natürlich steht Ziegler weiterhin mittendrin, zumal er wichtige Projekte abschließen oder zumindest vorantreiben will. "Es ist eine Freude, an dieser Hochschule sein zu dürfen", bekennt der Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.
Die HfWU bleibt auf Wachstumskurs: 4425 Studenten zählt sie an beiden Standorten, 1750 in Geislingen (40 Prozent). Vom Hochschul-Ausbauprogramm des Landes hat die HfWU und speziell der Standort Geislingen überproportional profitiert: 271 zusätzliche Erstsemesterplätze bedeuten fast 1000 Studenten mehr, rechnet Ziegler vor. Davon entfallen 166 Anfängerplätze auf Geislingen.
Derzeit wird der Start des sechsten Bachelorstudiengangs vorbereitet: 36 junge Leute können erstmals im Wintersemester 2012/3 "nachhaltiges Produktmanagement" studieren - ein Studiengang in Zusammenarbeit mit der WMF, die eine Stiftungsprofessur finanziert, sich mit Lehrbeauftragten beteiligt und wohl auch mit Räumen. Ziegler hofft, zusätzlich zu den inzwischen 46 Professorenstellen in Geislingen, auf zwei weitere Stiftungslehrstüh- le, einer im Studiengang Gesundheits- und Tourismusmanagement.
Das Wachstum der Hochschule wird auch räumlich sichtbar: Noch in diesem Jahr wird das Land der Stadt den Gebäudetrakt der ehemaligen Gewerbeschule in der Hauffstraße abkaufen, den momentan noch die "Lebenshilfe" mit einer Werkstatt belegt. Etwas Kopfzerbrechen bereitet Ziegler allerdings die Ankündigung des Landes, dass von den 1,6 Millionen Euro Umbaukosten die HfWU die Häfte aufbringen muss. "Wir können uns das Geld nicht aus den Rippen schneiden", weiß der Rektor. Er will Sponsorengelder einwerben und eventuelle Gewinne der Weiterbildungsakademie dafür verwenden. Baubeginn könnte eventuell Ende dieses Jahres sein, mit der Bezugsfertigkeit rechnet Ziegler frühestens für Ende 2013. Davon ist er überzeugt: "Die Räumlichkeiten in der Hauffstraße sind sehr gut geeignet, zumal sie ja direkt an unser Gebäude in der Bahnhofstraße angebaut sind."
Mit 60 weiteren Stellplätzen vor den Bahngleisen beim Katzenloch wird die Parkplatznot gelindert.
Derzeit läuft die Einschreibung fürs Sommersemester - der baden-württembergische Abiturdoppeljahrgang wird für neue Rekorde der Bewerber sorgen. Deren Zahl überstieg schon bisher um das Zehnfache die verfügbaren Plätze. Zuletzt nahmen die Interessenten aus den Postleitzahlenbereichen 8 und 9 signifikant zu, berichtet Ziegler, denn Bayern war beim kürzeren Weg zum Abitur um ein Jahr voraus.
Die HfWU baut keine Überkapazitäten auf, betont der Rektor. Denn die Prognosen besagen, dass die Bewerberzahlen bis 2017 steigen und allenfalls ab 2020 leichte Rückgänge zu erwarten sind. Ziegler rechnet in all den Jahren mit 1800 bis 1900 Studenten in Geislingen.
Zumal der Kreis potenzieller Studenten größer wird. Der Zugang zu Hochschulen wird zum Beispiel für Meister mit Berufserfahrung geöffnet. Um trotz uneinheitlicher persönlicher Voraussetzungen möglichst jeden Studenten zum erfolgreichen Abschluss zu führen, konn- te die Hochschule über ein Sonderprogramm 13 neue Lern- und Fachberater einstellen. Schwache, aber auch sehr gute Studenten sollen davon profitieren. Zudem will eine Initiative gezielt mehr Arbeiter- und Migrantenkinder für ein Studium interessieren.
Großen Aufwand betreibt die HfWU für eine sogenannte Systemaggreditierung. Dieser Nachweis ersetzt die Zertifizierung jedes Einzelnen der 23 Studiengänge. Eine Kommission, die der HfWU bereits attestiert hat, sie sei eine "Hochschule im Dialog", prüft das Qualitätssicherungssystem. Ziegler bringt es so auf den Punkt: "Statt der Brötchen wird die Bäckerei geprüft." Zudem strebt die Hochschule bei der Nachhaltigkeit als durchgängige Lehrthematik eine Vorreiterrolle an.
Was Ziegler besonders freut: Die Hochschulabsolventen sind gefragte Leute: "Sie gehen weg wie warme Semmeln."
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Autor: RODERICH SCHMAUZ | 08.02.2012
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Mehr Platz für die Hochschule: Die "Lebenshilfe" zieht bald aus diesem Werkstattgebäude in der Hauffstraße in Geislingen aus. Das Land erwirbt die Immobilie, die dann für 1,6 Millionen Euro für die Zwecke der HfWU umgebaut wird.
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