Hantavirus greift um sich
Geislingen. Das gefährliche Hantavirus greift in Baden-Württemberg wieder um sich. Seit Beginn des Jahres haben sich 89 Menschen nachweisliche infiziert. Auch der Kreis Göppingen und der Alb-Donau-Kreis sind betroffen.
Es beginnt wie ein gewöhnlicher viraler Infekt mit Fieber, Kopfschmerzen, Rücken- und Bauchbeschwerden. Übelkeit kann dazukommen. Der Blutdruck kann abfallen. Manchmal versagen die Nieren. Spätestens dann wird klar, dass es sich nicht um eine Grippe handelt und eine stationäre Behandlung unumgänglich wird.
Infektionen mit dem gefährlichen Hantavirus, der von Nagetieren übertragen wird, greifen in Baden-Württemberg erneut um sich. Auffällig ist die hohe Zahl der Neuerkrankungen seit Anfang des Jahres - mitten im Winter. 89 Menschen haben sich in der ersten Wochen des Jahres im Land infiziert. Sieben davon im Kreis Göppingen, fünf im Alb-Donau-Kreis.
Menschen stecken sich in der Regel an, indem sie Staub, der mit erregerhaltigem Kot oder Urin von Mäusen oder Wanderratten verunreinigt ist, einatmen. Hauptüberträger ist die Rötelmaus, die sich von Bucheckern ernährt. Auch die Brandmaus überträgt den Erreger. Gerade die starke Buchenmast im vergangenen Herbst bietet den Nagern viel Nahrung. Und je größer das Nahrungsangebot desto mehr Nachkommen produzieren die Mäuse. "Eine hohe Mäusepopulation bedeute immer auch hohe Erkrankungszahlen", sagt Dr. Anca Schuster, die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Göppingen. "Der viele Schnee in diesem Winter hat außerdem die Mäuse vor ihren Fressfeinden geschützt", vermutet sie. Zudem treibt die langanhaltende Kälte die Nagetiere in die Nähe der Häuser.
Die letzte Epidemie gab es 2007: Mit 1687 nachgewiesen infizierten Menschen gehörte die Erkrankung damals zu den fünf häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland.
Bei der Suche nach Ursachen hat man in bei den im Kreis Göppingen aufgetretenen Fällen einen Zusammenhang entdeckt: Fünf der sieben Infizierten haben einen Kachelofen und sich - vermutlich - durch aufgewirbelten Staub beim Arbeiten, Umschichten und Transportieren von Holz angesteckt. Die kleinen Nagetiere haben in den Holzstößen oft ihre Nistplätze. Deswegen appelliert Anca Schuster dafür, beim Umgang mit Holz einige Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten: Ganz wichtig sei es, einen Mundschutz zu tragen und mit Handschuhen zu arbeiten. Außerdem sollte keinesfalls Holz innerhalb des Hauses gelagert werden.
Den Höhepunkt der Erkrankungswelle erwartet Schuster im Frühsommer: Sie stützt sich dabei auf die Erfahrungen während der Epidemie 2007. Damals hat es im Kreis Göppingen 86 bestätigte Infektionen gegeben, das Gros im frühen Sommer.
Dr. Matthias Freudenmann, Fachdienstleiter Gesundheit des Landratsamtes Alb-Donau-Kreis rät, bei ungeklärtem Fieber, das länger als drei Tage andauert, zum Arzt zu gehen. Flankneschmerzen und Probleme beim Wasserlassen deuten auf einen schwereren Verlauf der Infektion hin, die dann im Krankenhaus behandelt werden muss. Doch selbst wenn der Patient kurzzeitig dialysepflichtig werde, erhole sich die entzündete Niere in aller Regel wieder, beruhigt Freudenmann. Und es gibt noch eine weitere gute Nachricht: Keiner der bislang registrierten infizierten Patienten ist am Hantavirus gestorben.
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Autor: EVA BECK | 10.03.2010
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Putzig, aber gefährlich: Die Rötelmaus lebt im Wald, wagt sich aber auch nahe an Häuser heran. Sie gilt als Hauptüberträger des Hantavirus. Foto: Archiv
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