"Für Gott und die Menschen"

Raum Geislingen.  Mitte März sind die Kirchengemeinderatswahlen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zu der auch die Region um Geislingen gehört. Was sind die Aufgaben, was die Gründe für ein solches Engagement?

Am 13. und 14. März werden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zu der auch das Dekanat Göppingen/Geislingen gehört, die neuen Kirchengemeinderäte gewählt (wir berichteten ausführlich). Manche stellen sich zum wiederholten Male zur Wahl, manche zum ersten Mal. Was sind das für Menschen? Warum übernehmen sie diese Verantwortung, die häufig mit viel Arbeit und persönlichem Einsatz verbunden ist? Die GZ hat sich umgehört.

Ottmar Dörrer engagiert sich bereits seit 1996 in seiner Heimatgemeinde Sankt Johannes im Geislinger Seebach als Kirchengemeinderat, weil "diese Arbeit Sinn macht". Als Zweiter Vorsitzender - Vorsitzender ist Kraft Amtes immer der Pfarrer - gehört der Schulleiter der Tegelbergschule automatisch auch dem Gesamtkirchengemeinderat an. Von dort aus ist er beratendes Mitglied im Dekanatsrat sowie gewähltes Mitglied im Diözesanrat.

Allerdings will der 50-jährige Familienvater sich für die beiden letzteren Aufgaben in der kommenden Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung stellen, weil ihm der Spagat zwischen den Vorgaben der Obrigkeit und den vorgegebenen Tatsachen in der Heimatgemeinde zu groß wird. Vor allem vor dem Hintergrund immer akuterer Personalknappheit bei den katholischen Seelsorgern. Dem praktizierenden Christen ist es wichtig, seinen Teil zum Gemeindeleben beizutragen. Denn für ihn findet "Glaube nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der Gemeinschaft statt".

Sich "für Gott und die Menschen einsetzen", gehört zu den Prioritäten im Leben von Brunhilde Schmid. Die 67-Jährige gehört seit 15 Jahren zum Kirchengemeinderat von Sankt Maria in Geislingen und kandidiert erneut, weil "wir so ein gutes Team sind". Die Zweite Vorsitzende ist mit Herzblut bei ihren vielfältigen Aufgaben wie zum Beispiel dem Alleinerziehenden-Treff, dem Seniorennachmittag oder dem Gebetskreis dabei. Da ihre persönliche Stärke im Zuhören liegt, hat die Mutter zweier erwachsener Kinder schon viel Bewegendes erlebt und oft helfen können. Das wiegt für sie allen Zeiteinsatz auf.

Über 20 Jahre ist Elisabeth Heilig mit ungebremster Energie für die Heilig-Kreuz-Kirchengemeinde in Deggingen bereits im Einsatz - und kandidiert nun aufs Neue. Ihre Aufgabe im Verwaltungsausschuss macht der 66-jährigen Floristin Spaß, ihr gefällt das "sehr gute Klima" im Rat und die Zusammenarbeit mit dem "rührigen" Zweiten Vorsitzenden Reinhard Probost. Außerdem plane man seit Jahren die anstehende Kirchenrenovierung, lacht die Mutter und Oma, jetzt möchte sie doch gerne dabei sein, "wenn die angegangen wird".

Als gläubige Christin ging Antonia Guida-Mauriello schon immer gern in den Gottesdienst und brachte sich in der Sankt-Cyriakus-Gemeinde in Wiesensteig als Kommunionsmutter und bei der Firmvorbereitung ein. Vor fünf Jahren stellte sich die 41-Jährige erstmals für den Kirchengemeinderat zur Wahl, weil sie ihre persönliche Erfahrung, dass der Glaube in schweren Zeiten Kraft gibt, weitergeben will. Die Fachverkäuferin ist im Dekanatsrat mit dabei, gehört zum Wirtschaftsausschuss und wirkt als Lektorin. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Organisation von Festen für Senioren - und die Freude, die sie auf diese Weise bereiten kann, "kommt zu mir zurück und bestätigt, dass dies der richtige Weg für mich ist", betont die schwäbische Italienerin.

"Die Kirche mitgestalten und zu einer lebendigen Gemeinde beitragen", das war die Motivation von Kuno Leibold, sich während der letzten 15 Jahre in Böhmenkirch/Steinenkirch als Kirchengemeinderat einzubringen. Was man macht, sei wichtig, sagt der 51-jährige Finanzberater, aber "noch wichtiger ist es, wie man es miteinander macht". Denn die Gemeinschaft und das Miteinander fördern, gehört zu den Grundgedanken seiner Mitarbeit.

Allerdings hat sich der langjährige Zweite Vorsitzende für die kommende Periode nicht mehr aufstellen lassen, weil er sich anderweitig im Kirchengeschehen einsetzen will. "Zum Beispiel in der Liturgie oder in Themen zu "Ehe und Familie", erklärt der verheiratete Vater dreier Töchter.

Er ist überzeugt, dass das kommende Kirchengemeinderats-Team in seiner Gemeinde eine "gute Gemeinschaft bilden wird und aus kompetenten Personen besteht".


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Autor: CLAUDIA BURST | 10.03.2010

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