Frost setzt den Autos zu

Raum Geislingen.  Batterien geben den Geist auf - und der Dieselkraftstoff versulzt. Nach der achten Eisnacht in Folge haben die Autowerkstätten Hochbetrieb. Fahrzeuge, die im Freien stehen, bereiten zunehmend Probleme.

Das hats seit 25 Jahren nicht mehr gegeben: Diesel versulzt und die Autos bleiben auf freier Strecke stehen. "Das liegt nicht an den Fahrzeugen, sondern an den Kraftstoffherstellern", betont der Geislinger Renault-Händler Bernd Stierle und wirft den Mineralölgesellschaften vor, dem Diesel nicht genügend Additive beizumischen. Zwar werde behauptet, der Kraftstoff tauge bis minus 22 Grad, doch obwohl diese Temperaturen im Raum Geislingen noch nicht erreicht wurden, blieben bereits unzählige Dieselmotoren stehen. Der Grund, wie es Stierle und seine Kollegen sehen: Selbst wenn das Auto noch zum Laufen zu bringen sei, versulze der Kraftstoff durch den eisigen Fahrtwind. Selbst die serienmäßigen Dieselheizungen könnten dies nicht verhindern. Abhilfe verschaffe nur ein "Fließverbesserer", vorausgesetzt, er werde rechtzeitig vor dem Versulzen in den Tank geschüttet.

Gewarnt wird jedoch vor einem Tipp aus vergangenen Zeiten: Damals wurde bei grimmiger Kälte dem Diesel kurzerhand ein geringer Anteil Normalbenzin beigemischt. Damit jedoch ginge man heutzutage das Risiko ein, moderne Dieselmotoren zu schädigen.

Einige Tankstellen bieten deshalb speziellen "Winterdiesel" an, der Minuswerte bis 35 Grad verkraften soll. Allerdings für einen um zehn Cent erhöhten Literpreis.

Dass beim normalen Diesel mit den frostschützenden Zusatzstoffen gespart wird, mutmaßt auch Hans-Peter Kümmel, Serviceleiter bei der Ford-Schwabengarage und verweist auf die Folgen: Habe versulzter Diesel erst mal Paraffin ausgeschieden, helfe eine warme Garage allein nicht mehr weiter. Dann werde es notwendig, Leitungen zu reinigen und Filter auszutauschen.

Bei VW Schmid war am vergangenen Wochenende ein Notdienst eingerichtet, um frostgeschädigte Kundschaft wieder flottzumachen. Dabei gings nicht nur um versulzte Dieselmotoren, wie Service-Mitarbeiter Uwe Ueberdick weiß, sondern um unzählige Batterien. Die meisten hätten aufgrund ihres "stattlichen Alters" die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht.

Dass gerade Kurzstrecken nicht ausreichen, die Batterien nach eisigen Nächten wieder entsprechend aufzuladen, gibt auch Amelie Löffler, Service-Assistentin bei BMW-Fetzer zu bedenken. Und Autoteile-Händler Gunther Schuler ergänzt: Bei minus 15 Grad werde ohnehin nur 40 Prozent der Startkraft erreicht. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Batterie liege statistisch bei fünfeinhalb Jahren.

Er verweist darauf, dass es an Bord von Fahrzeugen inzwischen jede Menge elektronische Stromverbraucher gebe, die auch im passiven Zustand versorgt werden wollen - wie etwa die ferngesteuerte Zentralverriegelung. Denn jeder Impuls, der auf diese Weise ein Auto öffnen soll, werde zunächst im Umkreis von 30 Metern von allen Fahrzeugen "wahrgenommen" und von jedem einzelnen Bordcomputer elektronisch gecheckt, ob der gesendete Code zu ihm gehöre.

Als weitere "Stromfresser" werden Sitz-, Heckscheiben- und Rückspiegelheizungen genannt, aber auch Scheinwerfer, Radio und Gebläse. Ein paar wenige Kilometer Fahrstrecke reichen nach Meinung Schulers kaum aus, diesen Strombedarf zu decken und gleichzeitig eine frostgeschwächte Batterie wieder ausreichend aufzuladen.

Kurzstrecken sind jetzt ohnehin die teuersten. Wer einen Bordcomputer hat, der den Spritverbrauch anzeigt, kriegt feuchte Augen: Auf den ersten Kilometern steht die digitale Anzeige nicht selten bei 20 Litern. Grund: Weil die Elektronik dafür sorgt, dass auch bei eisiger Kälte das Luft-Kraftstoff-Gemisch ein normaler Motorenlauf möglich ist, wird entsprechend viel Sprit zugeführt. Außerdem treiben Rußpartikelfilter den Verbrauch nach oben.

Ungemach stellt sich auch auf den ersten Fahrkilometern ein: War das Auto im Freien geparkt, drohen die Innenscheiben zu beschlagen und im schlimmsten Fall zuzufrieren. Schuld daran ist die Luftfeuchtigkeit, die mit der warmen Atemluft ins Innere gelangt. Abhilfe kann die Klima-Automatik schaffen, vorausgesetzt, die Luftfilter sind nicht verstopft. Auch ein "Entfeuchter-Säckle" soll offenbar das Problem lösen können, das bei extrem trockener Luft übrigens gar nicht auftritt.

Das Auto minutenlang "warmlaufen" lassen, ist angesichts der Umweltbelastung verpönt - und außerdem fragwürdig. Ob es dem kalten Motor schadet oder ob man lieber gleich losfahren soll, darüber gehen die Ansichten unter den Experten auseinander.

Fest steht aber: Sofortiges Hochdrehen des Motors kann nach einem Kaltstart zum folgenschweren Abriss des Ölfilms führen. Deshalb empfehlen die Experten, auf den ersten beiden Kilometern nur mäßig zu beschleunigen.


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Autor: MANFRED BOMM | 08.02.2012

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