Frost lässt die Tiere kalt
Region Geislingen. Bibbern und zittern: Bei der frostigen Kälte trauen sich viele Menschen nicht mehr vor die Tür. Die meisten Tiere lässt der Frost dagegen kalt. Sie haben gut vorgesorgt und leben jetzt nach "Sparprogramm".
Kalt. Eisig kalt und windig. Kurz nach draußen, die paar Besorgungen machen und schnell zurück in die warme Stube, an den Heizkörper. So der Mensch. Was machen aber Tiere, die draußen leben und überleben müssen? Wie schützen sich diese vor dem strengen Frost?
"Kein Vogel erfriert", erklärt Dieter Rockenbauch aus Weiler. Kälte spielt beim heimischen Federvieh keine so große Rolle. Taube, Spatz, Amsel oder Bergfink sind durch ihr warmes Gefieder geschützt. Solange sie genug zum Fressen finden, stört sie die Kälte nicht. Vielmehr ist die Schneehöhe von Bedeutung. Denn der Schnee erschwert den Zugang zum Futter. Und fressen müssen Vögel jetzt mehr, um ihre Körpertemperatur von 41 Grad zu erhalten. In einer großen Not seien sie nicht, meint der Vogelexperte Rockenbauch. Im Wald scharren sie die Nahrung aus dem Laub, finden manch eine Leckerei in der Baumrinde. Der gefrorene Boden mache ihnen nicht viel aus. Trotzdem dürfen Menschen die Vögel füttern: Meisenknödel seien gut, Sonnenblumenkerne oder Hanfsamen. "Immer an der gleichen Stelle das Futter auslegen", sagt Rockenbauch. Wenn es schneit, finden die Vögel dieses umso leichter.
"Wenn es den Vögeln zu kalt ist, ziehen sie weiter", berichtet Reinhard Walter vom Naturschutzbund in Geislingen. Er hat etwa Mäusebussarde beobachtet, die aus Osteuropa gekommen sind - wo es noch viel kälter ist -, um in Deutschland zu überwintern. So ähnlich auch die Bergfinken aus dem Norden. "Hier machen schon ein paar Hundert Kilometer viel aus", sagt Walter. Das seien keine Zugvögel, diese sind schon längst im Süden, trotzdem folgen auch Vögel, die hier überwintern, ihrem Fluchtreflex, wenn es zu frostig wird.
Die Geislinger Schwäne trotzen nach wie vor der Kälte und schwimmen in ihrem Revier am alten Rathaus, berichtet Manfred Siefert vom Geislinger Verein der Geflügel- und Vogelfreunde, der sich um die zwei weißen Schwäne und den schwarzen kümmert. Auch die Stadttauben sind gut versorgt. Siefert rät hier dringend vom Füttern ab: "Die finden schon genügend Futter in der Stadt."
Hirsche, Rehe und Wildschweine setzt die Kälte nicht zu. Sie haben sich eine Fettschicht angefressen, sagt Rolf Kanaske, Revierförster aus Bad Ditzenbach. Für die Füchse gibt es genügend Mäuse im Wald, die sie mit Vorliebe fressen. Man merke den großen Tieren an, dass sie auf "Sparprogramm" sind. Sie bleiben liegen, schonen sich, sparen ihre Fettreserven. Deswegen sei es wichtig, auf den Wegen im Wald zu bleiben: Bei aufgeschreckten Rehen und Wildschweinen zehre jede Fluchtreaktion an ihrem Energievorrat. Kanaske betont aber auch, dass der Winter "ein Flaschenhals für die Tiere" sei. Kranke und schwache Exemplare überleben nicht.
Dieter Hertler von der Schäferei Hertler ist mit seinen Schafen Richtung Neckartailfingen gezogen. Da sei es milder. Die Mutterschafe können da noch draußen sein. Die Lämmer sind dann in Deggingen im gut isolierten Stall bestens versorgt.
Pferde, Rinder, Schafe und Schweine können die kalten Temperaturen gut vertragen. Vielmehr bereitet die Technik Probleme, wie Jürgen Buschmann, Tierarzt für Groß- und Kleintiere aus Lonsee, berichtet. Das Wasser gefriert in den Tränken, viele Rinder- und Pferdelandwirte kämpfen mit Wärmelampen und heißem Wasser dagegen, denn die Tiere müssen trinken.
Bei Haustieren gibt es ein paar Tipps zu beachten, sagt Buschmann. Hunden macht das Salz auf der Straße zu schaffen. Am besten die Pfoten mit einem Schutzbalsam eincremen, nach dem Spaziergang abwaschen und abtrocknen. Hunde bekommen auch leicht eine Magenschleimhautentzündung, wenn sie zu viel Schnee fressen.
Nager wie Kaninchen und Meerschweinchen, die das ganze Jahr über draußen wohnen, vertragen auch die Minustemperaturen. Der Stall soll aber gut isoliert werden und Trinkwasser vorhanden sein. Schildkröten halten jetzt ihren Winterschlaf. Fische überwintern im Wasser, im Gartenteich etwa. "Dieser darf aber nicht ganz bis nach unten durchfrieren", weiß Buschmann. Denn die Fische brauchen Wasser zum Schwimmen, das konstante vier Grad hat.
Vorsicht ist bei Papageien geboten. Diese seien sehr kälteempfindlich, warnt der Experte. Kurzes Lüften bei Minustemperaturen reicht aus - wenn der Käfig zu nah am Fenster steht - und ihre Ständer, wie die Füße heißen, erfrieren.
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Autor: JOANNA STOLAREK | 09.02.2012
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Vögel finden noch genug Futter im Wald. Und im Notfall ziehen sie weiter.
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Kommentare (1)
Stadttauben verhungern oft
Solange es erlaubt ist, Tauben zu züchten und zu "Sport"-Zwecken auszusetzen, wird es auch Stadttauben geben, denndiese sind ja zum großen Teil ihre Nachkommen.Tauben gab es seit Jahrtausenden in Stäten, sie wurden sogar als besonders reine Tiere betrachtet. Auch die von Tierschützern befragten Gesundheitsämter gaben zu, dass ihnen keine Fälle von Erkrankungen durch Stadttauben bekannt sind - dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte, die durch angebliche "Experten" der Schädlingsbekämpfungsfirmen, die daran verdienen, geschürt werden - und ängstliche Bürger verbreiten es weiter, wie auch sensationsdurstige Medien.
Fakt ist, dass hungernde Tiere leichter krank werden als satte und dass ein Nichtfüttern eine Fehlernährugn der Tiere nach sich zieht, die aus Straßenmüll wie Pommesresten oder Zuckergebäck besteht.
Will man wirklich Krankheiten vermeiden, sollte man die Tiere in Maßen mit gesundem Futter versorgen. Das führt nicht zu starker Vermehrung, die Tiere bleiben aber gesund.