Eissport auf der Tischtennisplatte
Göppingen. Rekordtemperaturen von bis zu minus 25 Grad lassen derzeit nicht nur Katzen hinter dem Ofen verschwinden. Aber mit einer guten Idee lassen sich dem Wetter kurzweilige Nachmittage abtrotzen.
Wir befinden uns im Jahre 2012. Ganz Deutschland leidet unter der klirrenden Kälte. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Eishockeyspielern bevölkerter Abenteuerspielplatz in Ursenwang hört nicht auf, den Temperaturen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die dick vermummten Gestalten, die die ehemalige Tischtennisplatte des Aktivspielplatzes umlagern.
"Wenn wir schon keinen Schnee haben, in dem sich die Kids austoben können, dann nutzen wir wenigstens die Kälte aus", meint Lothar Ober, Sozialpädagoge und Leiter des Ursenwanger Aktivspielplatzes Aki. "Ein selbst gebauter Holzrahmen und einige Eimer Wasser aus dem Weilerbach haben ausgereicht, um unsere Tischtennisplatte in eine Eishockeyplatte zu verwandeln." Einige Jugendliche haben ihm geholfen.
An Tatkraft seitens der Kinder und Jugendlichen mangelt es im Aki sowieso nie. Deswegen seien sie schließlich hier, meint Ober. Innerhalb eines Tages war das "Schwimmbad" zu einer drei Zentimeter dicken Eisplatte erstarrt - bei den momentanen Temperaturen kein Wunder.
Auch die Schläger und der Puck sind in Eigenarbeit hergestellt. Doch anstatt nur zu spielen, rief Ober sogleich ein Eishockey-Turnier aus, das eher an eine Art Shufflepuck erinnert. Geübt hatten einige bereits am Vortag. Wer da noch nicht am Boden festgefroren war, meldete sich zum Wettkampf.
Zwölf kälteresistente Teilnehmer finden sich. Mädchen wie Jungen, Kinder wie Jugendliche. Wer keine Handschuhe dabei hat, leiht sich welche fürs Spiel. Die restliche Zeit bleiben die Hände in den Hosentaschen.
In Altersgruppen aufgeteilt werden zuerst die Gruppensieger erspielt, dann kommen die Finalspiele. Verbissen kämpfen manche um jeden Punkt, aber nie ohne Spaß. Mit viel Geklapper saust der Puck über das Feld und donnert gegen Banden und Schläger. "Die gegnerische Bande bringt einen Punkt, das Tor zwei Punkte. Gespielt wird bis zehn", erklärt Ober. Wenn am Ende die Gewinner der jeweiligen Altersstufen gegeneinander antreten müssen, sieht es auf den ersten Blick doch etwas ungerecht aus, doch der Sozialpädagoge gesteht jedem Jüngeren im Zweikampf einen Vorsprung zu: Pro Lebensjahr Unterschied gibt es einen Punkt.
Während des Turniers verschwinden plötzlich einzelne Zaungäste vom Spiel. Zu finden sind sie in der nahe gelegenen Werkstatt, wo der bollernde Holzofen sie die Außentemperaturen für einen Moment vergessen lässt. "Wenn es so kalt ist, unternehmen wir auch oft etwas drinnen", sagt Florian Hüttner, einer der Jugendlichen. Zumindest solange kein Eishockeyturnier stattfindet oder andere Bewegungsspiele für draußen angeboten werden. Dann wird gebastelt, gemalt, gewerkelt oder gespielt.
Die Ideen dazu sind Lothar Ober in seinen 23 Dienstjahren noch nicht ausgegangen. Auch eine Faschingsfeier, ein Museumsbesuch in Stuttgart oder Schlittschuhlaufen in Adelberg gehören zum abwechslungsreichen Programm bei eisiger Kälte.
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Autor: ELKE BERGER | 07.02.2012
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Ein Tisch-Eishockeyspiel oder Shufflepuck ist beim Aktivspielplatz in Ursenwang gebaut worden. Foto: Elke Berger
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