Eine ausgelassene Welt in Kinderhand
Geislingen. Die Ferienstadt auf dem Geiselstein gibt es in diesem Sommer seit 30 Jahren. 160 Kinder "arbeiten" momentan Hand in Hand an der Gestaltung ihrer Häuser und haben Spaß am Leben draußen in der Natur.
Normalerweise ist das Betreten der Ferienstadt auf dem Geiselstein oberhalb von Geislingen für Eltern, Wanderer und andere Interessierte nicht gestattet. "Höchstens für zehn Minuten", verkündet ein kleines, blondes Mädchen mit ernster Miene. "Für euch mache ich heute eine Ausnahme," sagt sie dem GZ-Team. Dann öffnen sich die Tore und eine ausgelassene Welt in Kinderhand tut sich auf.
Das Gelände des Städtchens ist bedeckt von unzähligen, aus Holzbrettern gebauten Häusern. Jedes einzelne ist der Stolz seiner jungen Besitzer, die es eigenhändig erbaut haben und Tag für Tag weiter dran feilen. "Alles wächst nach und nach in die Höhe", erzählt die elfjährige Jacqueline. Und tatsächlich besitzt das ein oder andere Gebäude bereits ein Obergeschoss. Je höher das Haus einer Gruppe ist, desto atemberaubender wird die Aussicht von dessen Dach aus auf den gesamten Platz. Dort tummeln sich gerade zirka 160 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren. 30 geschulte Betreuer stehen von morgens bis abends für alle Fragen und Probleme der Kinder zur Verfügung. Sie sorgen auch für die Verpflegung, Unterhaltung und gegebenenfalls Verarztung der kleinen Stadtbewohner.
Sobald der Ruf "Werkzeugabgabe" erschallt, wissen alle: Jetzt gibts Essen. Pünktlich um 13 Uhr versammelt sich die ganze Stadt im Esszelt, über die Speisekarte wurde zuvor abgestimmt. "Was übrig bleibt, bekommen die Schweine", berichtet die neunjährige Marie.
Die Schweine gehören zu einem kleinen Bauernhof, der außerdem aus Pferden, Gänsen, Hühnern, Schafen und Ziegen besteht. "Tiere ziehen Kinder besonders an", weiß die elfjährige Inga und hat damit sicherlich schon eines der Erfolgsrezepte der Ferienstadt durchschaut. Das mindestens einmal pro Tag geöffnete Farbenhaus bietet den Kindern die Möglichkeit, Häuser und Namensschilder für Tiere in ihren Lieblingsfarben zu gestalten. So prangen beispielsweise am Hasenstall die Namen "Hoppel" und "Schnuffel", auch über sie durfte abgestimmt werden. Das ist Demokratie pur.
Bei der Pflege und Verpflegung der Tiere packen die Ferienstädter kräftig mit an. Unter der Aufsicht der Betreuerin im Tierbereich, Stefanie Weida, striegeln und bürsten die jungen Tierfreunde die drei brauen Pferde, damit am Nachmittag ausgeritten werden kann.
Tischtennisplatten, Fußballturniere und Hindernisparcours bringen zusätzlich Spannung in das naturverbundene Leben der Kinder auf dem Geiselstein. Und falls es einmal das Wetter nicht so gut mit den Ferienstädtern meint, dann gibt es immer noch den Kinowagen, der mit lustigen Filmen die Regenwolken vertreibt. "Die Kids sind jeden Tag hier oben, egal wie das Wetter ist und immer mit einem Lächeln in ihren Gesichtern. Wir Betreuer lernen von ihnen, immer gute Laune zu haben, unabhängig vom Wetter", sagt Thomas Wulf, pädagogischer Begleiter in der Ferienstadt.
Oft melden sich Teilnehmer von vorneherein gemeinsam an, ziehen in dasselbe Haus und verbringen dann ihre Freizeit im gewohnten Umkreis. Ebenso bietet die Ferienstadt aber auch die Gelegenheit, viele andere Gleichaltrige kennenzulernen: "Besonders beim gemeinsamen Hausbau oder wenn man ein Werkzeug ausleiht, kommt man ins Gespräch", wissen Jacqueline und Inga aus eigener Erfahrung.
Info Am Sonntag findet in der Ferienstadt der "Tag des offenen Tors" statt, zu dem alle eingeladen sind. Kinder können auf einer Spielstraße ihr Geschick unter Beweis stellen. Außerdem sind für die dritte und letzte Woche der Ferienstadt noch Plätze frei. Von der Ferienstadt hat unser Fotograf auch eine Bildergalerie ins Netz gestellt, einfach reinklicken unter www.geislinger-zeitung.de
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Autor: AYLIN EYÜPOGLU | 26.08.2010
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Eine Stadt für sich ist die Ferienstadt auf dem Geiselstein. Fotos: son
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