Drohung sollte "Jux" sein
Göppingen. Einige Tage nach dem Amoklauf in Winnenden hatte ein Göppinger Jugendlicher ein Blutbad an der Walther-Hensel-Schule angekündigt. Das Göppinger Amtsgericht sprach den 17-Jährigen jetzt frei.
"Ja es stimmt, ich werde morgen der Amokläufer sein", hatte am 16. März 2009 um die Mittagszeit ein 17-jähriger Göppinger im Schulbus angekündigt. Die Walther-Hensel-Schule in Göppingen, eine Grund- und Hauptschule, sollte eine knappe Woche nach dem Winnender Amoklauf, bei dem ein Jugendlicher 15 Menschen und sich selbst getötet hatte, auch in den Brennpunkt rücken.
Mehrere zwölfjährige Schüler hatten sich mit dem 17-jährigen Ex-Schüler der Walther-Hensel-Schule auf dem Heimweg im Bus unterhalten. Thema war ein Internetgespräch im Chat-Raum "Kwick", das die Schüler im PC-Raum der Schule am Montagmorgen, 16. März, geführt hatten. Darin war der Winnender Amoklauf Thema.
Aus "Spaß" hatten die Schüler anschließend das Gerücht gestreut, dass am nächsten Tag auch an ihrer Schule "so etwas" stattfinden sollte. Dies hätten sie gehört. Darauf hatte sich der 17-Jährige im Bus in das Gespräch eingeschaltet und sich als Amokläufer angekündigt. Nachdem die Zwölfjährigen ihre Eltern verständigt hatten, schalteten diese die Polizei ein. Diese nahmen die Drohung sehr ernst und durchsuchten in der Nacht zum 17. März mithilfe von Amok-Experten und Spezialhunden die Schule. Von Mitternacht bis vier Uhr morgens wurde jeder Zentimeter im Gebäude nach Sprengstoff, Waffen oder Ähnlichem abgesucht - ohne Erfolg.
Am nächsten Morgen sperrte die Polizei alle Schuleingänge bis auf einen. Mitarbeiter des Jugenddezernats wirkten beruhigend auf die verunsicherten Schüler ein. "Wir haben die Amokdrohung sehr ernst genommen. Der besagte Ex-Schüler war uns bekannt. Er galt als verhaltensauffällig. Die Schüler haben die Mitarbeiter vom Jugenddezernat von Infoveranstaltungen an der Schule gekannt. Die Polizei hat uns hervorragend geholfen", erinnert sich Schulleiter Klaus Bühler.
Der Rektor betonte, dass es sich um eine einmalige Amokdrohung an seiner Schule gehandelt habe. "Bis heute hat sich so etwas zum Glück nicht wiederholt. Wir sind heute alle noch viel wachsamer. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich bei uns um die Probleme der Schüler. Wir wollen so vorbeugend eine Tragödie wie in Winnenden vermeiden."
Am Dienstagvormittag musste sich der 17-jährige Göppinger nun vor dem Amtsgericht wegen "Störung des öffentlichen Friedens" verantworten. Ihm drohte auch die Zahlung des Polizeieinsatzes an der Schule. In der Nacht des 17. März hatten die Beamten auch die Wohnung des 17-Jährigen durchsucht. In der elterlichen Wohnung fanden sich aber keinerlei Waffen oder andere Dinge, die den Verdacht eines Amoklaufes bestätigt hätten. "Es war einfach nur Jux", sagte der Angeklagte in der nichtöffentlichen Verhandlung. Vor Gericht gab sich der 17-Jährige kleinlaut an der Seite seines Verteidigers. Auch acht Zeugen, allesamt Schüler der Walther-Hensel-Schule bestätigten, dass es sich "nur" um einen Spaß gehandelt habe, wie Kurt Lang, Pressesprecher des Amtsgerichts Göppingen mitteilte. Da auch die Durchsuchungen der Polizei den Verdacht nicht bestätigt hatten, sprach Richter Wolfgang Rometsch den Jugendlichen frei. Dem erleichtert wirkenden jungen Mann blieb somit auch die Rechnung für den Polizeieinsatz erspart, der wohl vierstellig ausgefallen wäre. "Sie sollten sich in Zukunft aber dennoch zweimal überlegen, was Sie so im Spaß äußern", sprach ihm der Richter ins Gewissen.
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Autor: ALEXANDER KAPPEN | 11.03.2010
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Die Polizei hatte die Amokdrohung sehr ernst genommen und war am 17. März 2009 mit starken Kräften an der Walther-Hensel-Schule präsent. Foto: Archiv
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