Die Kliniken rappeln sich auf

Kreis Göppingen.  Der Patient kommt wieder auf die Beine, aber sehr langsam: Die Kreiskliniken befinden sich auf einem steinigen Weg zur schwarzen Null. Gleichzeitig sollen bis 2020 knapp 200 Millionen Euro investiert werden.

Sparzwang und Investitionsstau, Personalabbau und Umorganisation: Die Krankenhäuser im Landkreis befinden sich im Umbruch. "Beide Kliniken sind auf einem schwierigen, aber erfolgreichen Konsolidierungskurs. Die Trendwende ist geschafft", meinte Landrat Edgar Wolff, als er dem Kreistag den Haushaltsentwurf vorlegte. Der Chef der Kreisbehörde betonte aber auch, dass der Weg zur Genesung nicht leicht ist. Die Ergebnisprognosen sprechen Bände: Das Minus wird den Kliniken vorerst erhalten bleiben, das Defizit soll sukzessive reduziert werden, bis im Jahr 2015 wieder eine schwarze Null das Jahresergebnis ziert.

Um dieses Ziel zu erreichen, habe die Geschäftsführung der Göppinger Klinik am Eichert und der Geislinger Helfenstein Klinik bereits den Rotstift gezückt: "Der Personalüberhang wird mutig und konsequent angegangen", teilte der Landrat mit. Seit Beginn der Sanierungsbemühungen seien mehr als 100 Stellen abgebaut worden.

Als Erfolg bewertet Wolff auch die Schließung der Geburtshilfe in Geislingen. "Diese hat Blessuren hinterlassen, aber sie hat sich auch als richtige Entscheidung erwiesen", ist der Landrat überzeugt. Die wirtschaftliche Situation in der Geburtshilfe beider Kliniken habe sich nach diesem Schritt "merklich verbessert": Die Geburten aus dem Geislinger Raum an der Klinik am Eichert hätten sich bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr von 68 auf 132 Entbindungen annähernd verdoppelt. Rechne man diese Zahl auf ein ganzes Jahr hoch und berücksichtige dabei, dass die Geburtshilfe erst seit April geschlossen sei, so bestätige sich die Annahme der Geschäftsführung, dass kurzfristig 30 Prozent der schwangeren Frauen aus dem Geislinger Raum in Göppingen entbinden werden, fuhr der Landrat fort. Wolff hofft nun, dass recht schnell ein Geburtshaus unter einem neuen, gemeinnützigen Trägerverein eingerichtet werden kann "und damit wieder Geburten in Geislingen stattfinden können". Vom Finanzamt und der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe habe es bereits positive Signale gegeben, nun müssten die Beteiligten noch die Rahmenbedingungen mit den zwei interessierten Hebammen klären, erläuterte der Landrat.

Dass den Kreiskliniken arbeitsreiche Zeiten bevorstehen, zeigt auch ein Blick in die Finanzplanung: Kurzfristig, also in den Jahren 2013 und 2014, sollen 24 Millionen Euro in die Krankenhäuser investiert werden, mittelfristig (2015 bis 2020) sind es nochmals 169 Millionen, wobei der Landkreis 103 Millionen zu tragen hätte. Macht unter dem Strich insgesamt 193 Millionen Euro, für den Kreis Göppingen etwa 127 Millionen.

So sieht es der sogenannte Masterplan vor. Doch noch steht nicht fest, was aus dem Vorschlag des Göppinger Christophsbads wird: Die Privatklinik hatte angeregt, auf dem Gelände zwischen Öde und Berufsschule ein neues Klinikzentrum zu bauen statt Millionen in die Sanierung zu stecken. "Der Aufsichtsrat hat sich bereits positioniert, am kommenden Freitag wird die Gesellschafterversammlung nochmals beraten", sagte gestern Wolfgang Schmid, Kaufmännischer Direktor der Kreiskliniken, auf Anfrage. In welche Richtung die Reise geht, ist unklar. Schmid: "Dazu darf ich noch nichts sagen."

Sicher ist hingegen, dass die beiden Krankenhäuser zeitnah ein Investitionsschwerpunkt sind: Im kommenden Jahr sieht der Etatentwurf 4,3 Millionen Euro vor; 3,5 Millionen fließen allein in das Gesundheitszentrum mit Ärztehaus in Geislingen, das Ende kommenden Jahres eröffnet werden soll. Zwischen 2010 und 2012 werden insgesamt 24 Millionen Euro in die medizinische Versorgung im Geislingen Raum gesteckt, rechnete der Landrat dem Kreistag vor. Doch auch die Klinik am Eichert geht nicht leer aus: Die Patientenzimmer werden renoviert, das Foyer runderneuert. Bereits in den nächsten Tagen soll die neue zentrale Patientenaufnahme im Erdgeschoss in Betrieb gehen.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: SUSANN SCHÖNFELDER | 25.10.2011

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper Technology Center

Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab

Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft

Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

Amok-Alarm an Memminger Schule: Waffen gehören dem Vater

Memmingen Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.... mehr