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Der Kolumbianer Carlos Sáenz kam für die Liebe nach Eybach

Der Kolumbianer Carlos Sáenz lebt seit April in Eybach. Als Saisonarbeiter auf einem Bauernhof und mit seiner Kamera lernt er Land und Leute kennen. Der erste Schnee seines Lebens hat ihn entzückt.

KATHRIN BULLING | 0 Meinungen

Fürs GZ-Foto machte Carlos Sáenz kürzlich alles: Er warf Schneebälle, hockte sich in die weiße Pracht und machte sogar einen Schnee-Engel. Zwar ist es in der Heimatstadt des 27-Jährigen im kolumbianischen Bogotá durchschnittlich auch nur 14 Grad warm – Schnee kannte Carlos Sáenz aber bisher nicht. „Mir gefällt es gut“, antwortet er lachend auf die Frage, die ihm jeder als Erstes stellt.

Die Liebe hat ihn von der quirligen Acht-Millionen-Stadt ins beschauliche Eybach verschlagen: Seit April lebt der Anthropologe bei seiner 22-jährigen Freundin Tonia Preßmar. Die Eybacherin war nach dem Abi für ein paar Monate mit dem sozialen Freiwilligendienst „weltwärts“ nach Kolumbien gegangen und lernte Sáenz über ihren Gastbruder kennen. Ein Jahr lang hielt das Paar die Fernbeziehung aus, dann reichte es, und Sáenz flog nach Deutschland. Zwar ist sein Visum zunächst nur bis März befristet, doch wenn’s geht, will er länger hier bleiben, bis seine Freundin ihr Sozialpädagogik-Studium abgeschlossen hat. Danach würde das Paar gern für längere Zeit nach Lateinamerika zurückkehren.

Der Wechsel nach Eybach war nicht ohne für Sáenz: „Ich vermisse Bogotá schon. In der Stadt bewegt sich alles und ist inspirierend. Hier ist es sehr ruhig.“ Mit seinen Eltern – er Metzger, sie Hausfrau – und seinen vier Schwestern telefoniert er regelmäßig übers Internet. Wirkliches Heimweh kennt der 27-Jährige nicht, er ist schon viel durch Lateinamerika gereist: Panama, Mexiko, Kuba und Ecuador. In Deutschland will Carlos Sáenz so viel wie möglich erleben: Er hofft darauf, sich beruflich weiterbilden und bald ein Praktikum im Stuttgarter Lindenmuseum absolvieren zu können. Seine neue Heimat erschließt er sich meist mit dem Rad – auf der Alb fand der passionierte Fotograf schon viele Motive. „Die Radwege hier sind toll, das gibt es in Kolumbien gar nicht“, sagt er begeistert. Mit seiner Freundin radelte er schon von hier bis nach Wien und von Südtirol nach Venedig.

Als freiwilliger Helfer auf ökologischen Bauernhöfen hat sich Sáenz außerdem bei der Organisation „WWOOF“ (Worldwide opportunities on organic farms) angemeldet und die Sommersaison über auf einem Bauernhof beim Trasenberg bei Steinenkirch mitgeholfen – Honig und Most gemacht und die Ställe ausgemistet. In Esslingen packte er noch bei der Traubenlese mit an. Sáenz genießt es, mehr als ein Tourist zu sein. Bei der Arbeit mit anderen erfährt er viel über ihr Leben und über Deutschland, „und es macht so viel Spaß“.

Der Mann mit dem offenen Lachen will voll in seine neue Heimat eintauchen: Er lernt fleißig Deutsch und liest gerade mit Begeisterung ein Buch über die Schwaben. Doch einfach ist es nicht für ihn, hier neue Kontakte zu knüpfen – das hat er schon in seinen Sprachkursen erlebt: „Die Integration ist sehr schwierig. Es gibt so viele Gruppen und Spannungen: die Deutschen, die Türken, und so weiter. In Kolumbien wird man ganz anders aufgenommen.“ Trotzdem ist er zuversichtlich, in den kommenden Monaten Freunde in seiner neuen Heimat zu finden.

Pläne fürs neue Jahr hat das Paar schon geschmiedet: Im Januar geht es für ein paar Wochen nach Indien, Ende des Jahres für drei Monate nach Kuba. Neues sehen, sich fürs eigene Leben inspirieren und motivieren lassen, das haben sich die beiden fest vorgenommen.

Jetzt wird Carlos Sáenz aber erst einmal deutsche Weihnachten feiern – und das wird ganz anders als in Kolumbien ausfallen, wo das Fest in die Hauptferienzeit fällt. „Die Leute lieben Musik, Party und Feuerwerk. Es ist laut und chaotisch“, erzählt er. Geschenke gibt es an Heiligabend erst nach Mitternacht. Hier erwarten ihn gemütliches Familienessen und Krippenspiel. Carlos Sáenz freut sich darauf.

Ganz persönlich

Meine Hobbys sind: fotografieren, reisen, auf Flohmärkte gehen. Mein Lieblingsbuch ist: 100 Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez. Ich schätze Menschen, die neugierig sind und Neues entdecken wollen. Ich habe Angst vor der Höhe. Mein Lieblingsgericht: In Deutschland sind das Kartoffelbrei und Schnitzel. Mich ärgert besonders, wenn ich nichts zu tun habe. Dann werde ich ungeduldig. Als Kind wollte ich Biologe werden. Ich liebe die Tiere und die Natur. Ich bewundere den Regisseur Werner Herzog. Ich mag seine Filme sehr. Wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich einen Bauernhof kaufen.

 

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