Der Fisch am Haken

Kreis Göppingen.  Angeln ist "in". Das Hobby begeistert immer mehr Menschen in Deutschland. Neben Geduld braucht der Angler Fachwissen und einen Fischereischein. Überall Fischen darf er trotzdem nicht. Auch nicht an der Fils.

Das romantisch anmutende Bild eines Fischers am frühen Morgen weckt in vielen Menschen Sehnsüchte: nach Freiheit, Einsamkeit in der Natur und einer stressfreien Entspannung. Wie anders ist der stete Zulauf zu erklären, den auch der Geislinger Fischereiverein zu verzeichnen hat? Immer wieder fragen Menschen nach Kursen und Möglichkeiten, einen Angelschein zu erwerben. Frauen, Männer und Kinder sind darunter, jüngere und ältere aller Berufsgruppen. Angeln scheint "in" zu sein - eine Möglichkeit der Entschleunigung in einer schnellen Zeit.

Einfach an den Fluss zu gehen und dort ein paar Fische zu fangen, geht nicht. " Es wäre Wilderei und ist verboten", erklärt Christof Kehle, Vorsitzender des Fischereivereins in Geislingen. Man braucht eine Erlaubnis - den staatlichen Fischereischein - um angeln zu dürfen. Nach einem Vorbereitungskurs, den die Fischereivereine anbieten, legen die Teilnehmer eine Prüfung mit 60 Fragen beim Landesfischereiverband.

Der Vorbereitungskurs dauert 30 Stunden. Darin geht es um Gesetzesgrundlagen der Fischerei, Wasserökologie, allgemeine und spezielle Fischkunde und praktische Gerätekunde. "Es ist die Praxis in der Theorie", erklärt der 33-jährige Ausbilder. Die Kursteilnehmer machen auch praktische Wurfübungen, lernen, wie man Knoten macht oder den Fisch fachmännisch und artgerecht tötet und küchenfertig zubereitet. Einen praktischen Teil direkt am Wasser gibt es nicht. "Ohne den Angelschein ist es verboten", so Kehle. Und den gibt es erst nach der Prüfung, die meistens einmal im Jahr im November stattfindet. Der Vorbereitungskurs wird deswegen im Herbst angeboten. Der erworbene Fischereischein ist nicht befristet. Allerdings muss alle zehn Jahre eine Fischereiabgabe bezahlt werden; ohne sie verliert der Schein seine Gültigkeit.

Sich mit der druckfrischen Angelerlaubnis an die Fils zu stellen und zu fischen, wäre aber fatal. Christof Kehle, der als Rechtsanwalt arbeitet, erklärt schmunzelnd. "Man darf nicht in jedes Auto einsteigen und losfahren, nur weil man den Führerschein besitzt. Zuerst muss der Autobesitzer gefragt werden."

So ist es auch beim Angeln. Der Angler brauche einen Erlaubnisschein vom Flussbesitzer. Aber wem gehört eigentlich die Fils? Wer ist hier der Besitzer? Die Frage stellt sich nicht nur im Filsjubiläumsjahr, in dem die erste urkundliche Erwähnung der Fils vor 1150 Jahren gefeiert wird. Eindeutig zu beantworten ist sie nicht. Peter Arndt, Gebietsteilleiter Naturschutz beim Umweltschutzamt des Göppinger Landratsamts, verweist auf das Fischereirecht. Wer dies an welchem Filsabschnitt besitzt, ist in den Grundbüchern eingetragen. Es sind Privatpersonen und Gemeinden. "Die Fils ist seit altersher großteils in privater Hand", weiß auch Kehle. Seit seiner Gründung 1965 versucht der Verein - der drei Baggerseen im Donauried besitzt - Fischereirechte oder einen Pachtvertrag an der Fils zu bekommen. Bis jetzt vergebens. Aber nur wer das Fischereirecht hat, darf in der Fils angeln oder sich die Fische aneignen. "Alles andere wäre Wilderei", betont der Geislinger.

Den Fischereischein in der Hand, die Erlaubnis vom Besitzer des Fischereirechts eingeholt, die Ausrüstung gekauft: Jetzt geht es ans Angeln. Geduld, gute Technik und auch Glück gehören dazu. In der Fils gibt es Forellen, woanders Brassen, Aale und Karpfen. Einige Fische stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gefangen werden. Sollte dies doch einmal geschehen, müsse das Exemplar vorsichtig und möglichst ohne Schäden anzurichten vom Haken genommen und zurück ins Wasser gegeben werden.

Zu beachten seien auch die Mengenbeschränkungen und die Schonzeiten während des Laichens. So dürften beispielsweise beim Geislinger Fischereiverein nur zwei Fische je Art an einem Tag gefangen werden, sagt der Vorsitzende. Er selbst hat die Freude an diesem Hobby durch den Vater gefunden, der auch ein begeisterter Angler ist. "Es ist echt was Schönes", betont Kehle.


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Autor: JOANNA STOLAREK | 12.03.2011

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