Daheim der zweite Schreck

Geislingen.  Als Rüdiger Kircher jüngst in der GZ vom Unglück durch die Riesenwelle auf der "Louis Majesty" las, lief ihm ein Schauer übern Rücken: Der Geislinger war jüngst selbst Passagier auf dem Kreuzfahrtschiff.

Drei Riesenwellen, acht Meter hoch, ließen plötzlich Scheiben im Salon bersten, sie überfluteten das fünfte Deck des Kreuzfahrtschiffs Louis Majesty. Zwei Menschen starben, herabgerissene Gegenstände erschlugen sie, 16 weitere Passagiere wurden verletzt. Das war Anfang März. "Genau hinter einer dieser Scheiben saßen auch wir", erzählt Rüdiger Kircher aus Geislingen.

Der 65-jährige pensionierte Kunsterzieher hatte mit seiner Frau Gerlinde Mitte Februar in Genua auf der Louis Majesty eine zwölftägige Kreuzfahrt angetreten. Dabei waren ihm ein paar Dinge aufgefallen, denen er damals keine so große Aufmerksamkeit geschenkt hat. Nun lassen sie aber die eigentlich sehr schöne und interessante Reise in anderem Licht erscheinen. Das Unglück mit dem Riesenbrecher versetzte den Kirchers, die wieder wohlbehalten daheim sind, einen zweiten Schrecken.

Marseille, Malta, Port Said bei Kairo waren die ersten Stationen auf Kirchers Mittelmeerkreuzfahrt. Den Hafen von Alexandria konnte das mit 1400 Passagieren und 700 Besatzungsmitgliedern voll besetzte 207 Meter lange Schiff wegen hohen Seegangs nicht anlaufen. Heftig und ungemütlich wurde es auf der Rückfahrt, dessen Anlegestationen Beirut, Zypern, Heraklion auf Kreta und schließlich wieder Genua waren.

Auf dem Weg nach Zypern herrschten Regenwetter und Sturm mit Windstärke neun, die Wellen waren drei bis vier Meter hoch, schätzt Kircher. Er beobachtete, wie vom siebten Promenadendeck Wasser ins Schiff eindrang. Die Folienabdeckung über zwei Rettungsbooten löste sich, sodass Wasser in sie rann.

Ein französischer Passagier erkrankte so schwer, dass er mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus auf dem Festland geflogen wurde. Ein Retter musste sich dazu vom Helikopter abseilen und den Schwerkranken hochhieven. Kircher schaute an dem Vormittag dem schwierigen und spektakulären Rettungsmanöver vom Frühstücksraum im neunten Deck aus zu. Dort fehlte bugseitig eine Scheibe, behelfsmäßig war eine Folie darüber gespannt. Und die Scheibe daneben hatte einen Riss - Kircher konnte zuschauen, wie der immer länger wurde.

"Das ist der Horror. Dass Scheiben zu Bruch gehen, ist das Zweitschlimmste, was auf einem Schiff passieren kann", meint Kircher. Nach dem Unglück auf der Louis Majesty kommt er ins Sinnieren: Waren das, was er beobachtet hat, nicht Anzeichen für Sicherheitsmängel auf dem Schiff?


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Autor: RODERICH SCHMAUZ | 10.03.2010

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