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BÜTT · NARRETEI UM BAUMWIPFEL, KOMBIBAD UND KLINIK: Nicht nur zur Faschingszeit

An Fasching gibt es viele Narren, denn viele haben einen Sparren. Die Tragik rund um Geisleng ist: Die Narren halten keine Frist. Sie haben dauernd Konjunktur, zur fünften Jahreszeit nicht nur.

Autor: RODERICH SCHMAUZ |
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An Fasching gibt es viele Narren,

denn viele haben einen Sparren.

Die Tragik rund um Geisleng ist:

Die Narren halten keine Frist.

Sie haben dauernd Konjunktur,

zur fünften Jahreszeit nicht nur.

Geplant war dort am Filsursprung

als Leuchtturm diese Neuerung:

Besucher lockt, das wär der Gipfel,

ein Pfad auf hohem Baumeswipfel.

Geld winkt zur Investition

für die Touristenattraktion.

Dort sagen sich sonst Fuchs und Hase

Gutnacht inmitten der Hauptstraße.

Staub, Rost, Spinnweben, tote Hose,

das Städtchen liegt wie in Narkose.

Abseits den Wiesensteiger Flecken

aus dem Dornröschenschlaf erwecken,

das wollt der Landrat mit dem Kuss,

doch er bescherte nur Verdruss.

Ein Jäger schoss mit Worten scharf,

mit Gift und Galle um sich warf.

Ein Wipfelpfad bringt Menschenrummel,

Verkehrschaos und viel Getummel.

Die schön Natur geht vor die Hunde,

so lautet seine Schreckenskunde.

Fiasko oder große Chance?

Das Für und Wider hielt Balance.

Bevor der Bürger hatt das Wort,

war der Investor schließlich fort.

Noch vor der Wiesensteiger Wahl,

da sagt er: Ciao, ihr könnt mich mal.

Über allen Gipfeln ist nun Ruh,

in den Baumwipfeln spürest Du

in Wiesensteig kaum einen Hauch.

Warte nur, balde, ruhest du auch.

Wer Neuem derart sich verschließt,

sieht alt aus, auf dass ers genießt:

Die Bürgersteige hochgeklappt,

ne Käseglocke draufgepappt,

gleich eingesargt, mumifiziert,

paar tausend Jahre konserviert.

Dereinst entdecken Forscher Reste,

Fossilien, erhalten aufs Beste.

Die Spezies ward einst umworben,

versteinerte und ist ausgestorben.

Freude, schöner Götterfunken!

Wir betreten freudetrunken

Geislengs neues Kombibad.

Wem der große Wurf gelungen,

sei millionenfach umschlungen,

willkommen Euro-Massengrab.

Das alte Hallenbad schrieb Miese.

So lautete denn die Devise:

Das Glomp stillg"legt und sich was trauen:

ein neues Hallenbad zu bauen.

Gesagt, getan, für zehn Millionen,

es sollten sich Synergien lohnen,

das Hallen- nun beim Freibad steht,

das Kombibad ist fertig, seht!

Ob Sonne scheint, obs regnet, schneit,

s Fünf-Täler-Bad steht stets bereit.

Die Rechnung ist nicht aufgegangen.

Als Eintritt hohe Preise prangen.

Die Stimmung schlecht, die Gäste fehlen,

ja, solln wir sie aus Kuchen stehlen?

Das Minus groß, Millionen weg,

jetzt suchen alle nach dem Leck.

Was tun? Die Kasse so sanieren:

die Öffnungszeiten reduzieren?

Am besten gleich auf Null gestellt,

dadurch spart man am meisten Geld.

Die Eichert-Klinik ist nicht alt,

gut 30 ist die Heilanstalt.

Bald wird die Klinik abgerissen,

sie sei marod und schlimm verschlissen.

Experten sagen: Nichts zu machen!

Ich muss darüber bitter lachen.

Halbwertszeit, Verfallsdatum

sind so kurz für dieses Trumm?

Ne neue Klinik muss flugs her,

für 350 Millionen oder mehr.

Ist das nicht bittre Medizin,

siehe S 21 und Flughafen Berlin?

Klar, zahlen müssn fürs Krankenhaus,

die Städt und Gemeinden, oh welch Graus.

Der Klinikchef springt ab - geschenkt!

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wie sagte schon Ritter Kunibert:

Wärn Häuser ab 30 nichts mehr wert,

würden abgerissen kreuz und quer,

wär es ringsrum wüst und leer.

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