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Auf Augenhöhe sprechen

Welche Rolle spielen kommunale Versorger beim Ausbau regenerativer Ideen im Land, und was erwarten sie von grüner Politik? Darum ging es kürzlich in einer Podiumsdiskussion der Grünen mit dem Albwerk.

STEFANIE SCHMIDT |

Knapp 80 Zuhörer wollten am Mittwoch hören, wie Fragen zur Energiewende vor Ort gelöst werden könnten. Zur Podiumsdiskussion im Albwerk-Speicher hatten der Ortsverband Helfensteiner Land der Grünen und das Albwerk geladen. Teilnehmer waren Hubert Rinklin, der Vorstandsvorsitzende des Geislinger Albwerks, und Jürgen Menzel, der parlamentarische Berater der grünen Landtagsfraktion in Energie- und Umweltfragen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Vorsitzenden des Ortsverbandes Helfensteiner Land, Eckhart Klein.

"Kleine Stadtwerke bringen den Energiewandel und die Dezentralisierung der Versorgung oft besser zustande als die großen Energielieferanten", sagte Jürgen Menzel. "Das Geislinger Albwerk bestätigt mich in dieser Haltung", betonte der Energieexperte, nachdem Hubert Rinklin das Profil des Albwerks vorgestellt hatte. Schon lange bevor es einen allgemeinen Konsens zur Energiewende gegeben habe, habe das genossenschaftlich organisierte Elektrizitätswerk auf regenerative Energien in seinem Energiemix gesetzt sowie auf eine Dezentralisierung und Rekommunalisierung der Energieversorgung.

Gerade im Bereich der Rekommunalisierung wünschte sich Rinklin jedoch mehr landespolitische Rückendeckung für die kommunalen Versorger, die mit einer unklaren Rechtslage zu kämpfen hätten. "Die Netzentflechtung ist gesetzlich noch nicht konsequent geregelt", betonte er. Darüber hinaus kritisierte er, dass der Energiekonzern EnBW, bei dem das Land einer der Haupteigentümer ist, kommunale Entscheidungen - zum Beispiel bei der Neuvergabe von Konzessionen - oft nicht akzeptiere, sondern torpedieren und verhindern wolle.

Hoffnung auf eine Besserung der Lage konnte Menzel dem Albwerks-Chef nicht machen. Im Gegenteil: "Die Rekommunalisierung wird schwieriger", kündigte Menzel an. Die EnBW sei "hart am Kämpfen", und das Kartellamt prüfe die einzelnen Fälle ebenfalls mit harten Bandagen. "Aber Rekommunalisierung ist nicht mehr der einzige Weg zur Energiewende", meinte Menzel. Auch die großen Unternehmen seien durch den Atomausstieg schließlich gezwungen, ihre Konzernstrategien völlig neu zu überdenken. Auch die EnBW solle sich so als Teil der Energiewende neu aufstellen, das wünsche sich die Landesregierung. "Deshalb sollten Stadtwerke und die EnBW ihre Qualitäten zusammenlegen und gemeinsam zum eigenen Vorteil ausspielen."

Von solch einem Idealzustand der Zusammenarbeit sei man aber noch weit entfernt, gab Rinklin zu bedenken. Die Diskussionen zwischen kommunalen Versorgern und dem Energieriesen würden noch nicht auf Augenhöhe geführt: "Und nur so kann es funktionieren."

Dringenden politischen Handlungsbedarf sah Rinklin auch noch in einem weiteren Bereich: Der Netzausbau könne zur Zeit nicht mit dem forcierten Ausbau regenerativer Energiequellen mithalten. Rinklin machte dies an einem Vorhaben des Albwerks fest: In Böhmenkirch könnte in ein bis zwei Jahren eine Umspannstation in Betrieb genommen werden, was jedoch fehle, sei der Netzanschluss, um den Strom abzutransportieren: "Das Übertragungsnetz kommt erst in sechs Jahren." Der Netzausbau und der Ausbau erneuerbarer Energien müssten viel besser koordiniert werden, fordert Rinklin. "Wir brauchen schnell einen flächendeckenden Netzausbau und Rahmenbedingungen für den Ausbau regenerativer Energien."

Im Zuge einer solchen Koordination dürfe aber auf keinen Fall der Ausbau erneuerbarer Energien gedeckelt werden, warf Menzel ein. "Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien muss Druck im Kessel gemacht werden", meinte er. "Das treibt den Netzausbau voran." Beide Diskutanten befürworteten die Idee, Bürger durch Genossenschaften auch an den Übertragungsnetzen zu beteiligen und deren Ausbau so vermehrt weiterzutreiben.

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