Altkleidercontainer sorgen für Ärger

Immer wieder werden im Kreis Göppingen unangemeldete Altkleidercontainer aufgestellt. Mit alten Kleidern lässt sich gut verdienen. Die Betreiber sind für die Kommunen oft schwer ausfindig zu machen.

MIRIAM KAMMERER ... |

Sie tauchen über Nacht auf und stehen häufig an Ortsgrenzen oder in der Nähe von Grünflächen: Die Rede ist von nicht angemeldeten Altkleidercontainern. Jüngst stand einer in Bartenbach auf der Brachfläche, wo der Dorfplatz entstehen soll. Auch an der Lorcher Straße in Göppingen wurde zwischen Straße und Feld einer gesichtet, und an der Bartenbacher Schelmenstraße war vor ein paar Wochen einer zu sehen.

Eigentlich sind Altkleidercontainer eine gute Sache. Häufig sammeln karitative Einrichtungen in den Containern gebrauchte Kleidung, um diese an Bedürftige weiterzugeben oder um aus dem Erlös Hilfsprojekte zu finanzieren. Dass der getragene Pullover oder die vergilbte Jeans wertvolle Rohstoffe sind, haben längst auch andere entdeckt. Für eine Tonne Altkleider könne man gut zwischen 300 und 400 Euro erzielen, sagt Doris Bernhard vom Göppinger Umweltschutzamt. Wer sich bei der jeweiligen Gemeinde nicht anmeldet, kann seine Gewinnspanne vergrößern, denn er spart die Gebühr, die für die Sondernutzungserlaubnis fällig wird.

" Eigentlich ist das an der Tagesordnung", sagt Frank Muschalla vom Bezirksamt in Bartenbach. Immer wieder stellen "dubiose Firmen" ihre Container auf. Steht ein solcher Koloss erst mal, muss geklärt werden, ob er auf einer städtischen oder einer privaten Fläche steht. Nur wenn der Altkleidercontainer auf einer öffentlichen Fläche oder einem Grundstück, das im Besitz der Stadt ist, steht, gibt es Handlungsmöglichkeiten. Wenn eine Telefonnummer auf dem Container sei, versuchen Muschalla und seine Mitarbeiter, jemanden an die Strippe zu bekommen. Nicht ganz einfach - meistens führen die Nummern ins Nichts, berichtet er. Die Stadt markiere die Container dann mit einem Kleber, auf dem eine zweiwöchige Frist vermerkt ist, um den Container zu entfernen. Geschieht das nicht, wandert der Altkleidercontainer auf den Betriebshof. Dort kann er ausgelöst werden.

So geht auch die Kuchener Gemeindeverwaltung vor: "Wenn es am Container einen Hinweis auf den Eigentümer gibt, fordern wir ihn auf, den Container innerhalb von zwei Wochen zu entfernen", erklärt Gerhard Rieker. Passiert nichts oder kann - wie häufig - kein Eigentümer ermittelt werden, wird der Container zum Bauhof gebracht und irgendwann verschrottet.

Auch in Zell unter Aichelberg gab es Probleme mit nicht angemeldeten Containern. Das sei jetzt vorbei, sagt Heike Wiedmann vom Hauptamt. Viele Tage könne man im Internet bei der Recherche nach den Besitzern der Container zubringen. "Eigentlich ist das eine Mafia", sagt die Hauptamtsleiterin. In Zell gibt es für die angemeldeten Container einen Genehmigungskleber, so haben es Verbraucher einfacher.

Von der Schwierigkeit, die Besitzer der illegalen Container ausfindig zu machen, berichtet auch Susanne Raith vom Geislinger Ordnungsamt: "Da stehen höchstens Telefonnummern drauf, die es nicht gibt." Viele illegale Sammelbehälter stünden oft nur wenige Wochen an einem Platz - ganz viele würden zudem auf privaten Flächen platziert werden, "und dann können wir gar nichts machen", so Raith. Oft melden Anwohner die unerwünschten Container. Raith erinnert sich an einen besonders dreisten Fall etwa vor einem Jahr: Da meldete sich unter der Telefonnummer eines illegal aufgestellten Containers im Zillerstall zwar der Besitzer, doch der hatte den Behälter gar nicht aufgestellt - er war ihm zuvor gestohlen worden. Zurzeit sei es aber ruhig um illegale Kleidercontainer, sagt Raith. Eine Kennzeichnung für genehmigte Container gibt es in Geislingen nicht - "die seriösen haben eine Adresse draufstehen, daran kann man sie erkennen", sagt die städtische Mitarbeiterin.

Die Stadt Donzdorf arbeitet dagegen mit einer Positivkennzeichnung, die oben rechts und gut sichtbar an den genehmigten Containern angebracht sei, erklärt Marco Donabauer, Sachgebietsleiter für das Ordnungswesen. Zurzeit habe man in Donzdorf keine Probleme mehr, "wir haben konsequent dagegen gearbeitet", sagt er. Deggingen hat eine andere Lösung für das Problem gefunden: Dort erhielt vergangenes Jahr nach offizieller Ausschreibung eine Firma aus dem mitteldeutschen Raum den Zuschlag, als einzige in Deggingen gegen Gebühr Sammelbehälter aufstellen zu dürfen. Illegale Container werden im Bauhof eingelagert - nur wer nachweisen kann, dass er der rechtmäßige Besitzer ist, kann den Behälter gegen eine Einlagerungsgebühr von 100 Euro auslösen, sonst wird er verschrottet. Diesen Nachweis könnten allerdings die wenigsten liefern, erklärt Bauhofleiter Detlev Rademacher. Derzeit stünden drei Behälter da. "Das hat gewirkt. Momentan ist es ruhig", so Rademacher.

Doris Bernhard vom Landratsamt sagt, dass es seit Juni 2012 die Verpflichtung gebe, Altkleidercontainer und -sammlungen beim Landratsamt anzuzeigen. Das gelte auch für andere Wertstoffe. Den Landkreisen seien durch private Sammlungen von Altpapier und Schrott vermehrt Gewinne entgangen, die zur Stabilisierung der Müllgebühren beitragen. Altkleider seien im Kreis Göppingen immer von karitativen oder gewerblichen Unternehmen gesammelt worden. Der Landkreis habe auch in Zukunft nicht vor, Altkleider zu sammeln, sagt Brigitte Schmidt, Abteilungsleiterin Abfallwirtschaft.

Für Verbraucher sei nicht leicht zu erkennen, wer seriös ist und wer nicht. Bei Bund und Ländern werde ein Qualitätssiegel entwickelt, so Bernhard. Seriöse Anbieter schreiben oft Kontaktdaten auf ihre Container. Das mache auch das Deutsche Rote Kreuz, sagt Sonja Stamos vom DRK Göppingen. 38 Container hat das DRK im Kreis. "Sie glauben nicht, was in so einem Container alles drin ist", sagt Stamos. Sogar Hausmüll lasse sich darin finden. Dejan Mrkaja, Pressesprecher der Stadt Göppingen teilt mit, dass die Stadt dankbar für Hinweise auf nicht angemeldete Container sei.

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