5-Täler-Kinotag: Auf einer Reise nach Tibet

Drei Monate lang reiste der Regisseur Vilas Rodizio durch die einsamsten Regionen Ost-Tibets. Er filmte an den abgeschiedenen Meditationsorten Yogis, die ihr ganzes Leben der geistigen Disziplin widmen.

STEFANIE SCHMIDT |

Regisseur Vilas Rodizio ist sei 20 Jahren Buddhist. Mit seinem Dokumentarfilm "Auf der Suche nach dem alten Tibet" ist ihm ein faszinierender Einblick in eine Welt gelungen, die Außenstehenden oft verschlossen bleibt. Mit seinem Team besuchte er Kloster und Einsiedeleien in Ost-Tibet und unterhielt sich mit Menschen, die die Meditation zum Mittelpunkt ihres Lebens gemacht haben. Deren ultimatives Ziel es ist, die Dinge so zu erleben, wie sie sind - jenseits aller geistigen Konzepte und Täuschungen. "Realität" oder "Naturgesetze" entlarven sich für die Yogis letztendlich als Traum.

300 Zuschauer kamen ins Geislinger Gloria-Kino, um auf der Leinwand einen Insider-Blick in diese für den durchschnittlichen Europäer fremdartige Welt zu ergattern. Die Reise beginnt mit einem Besuch der seit 1729 bestehenden Druckerei in Derge, wo die religiösen Texte der vier buddhistischen Strömungen Tibets gedruckt werden - auch heute noch von Hand im Holzdruckverfahren. In Zweierteams stellen die Arbeiter die Buchseiten im Akkord her, zwischen den einzelnen Teams entbrennt jeden Tag ein neuer Wettstreit darum, wer die meisten Seiten schafft. Trotzdem scheint die Stimmung in der Druckerei fast heiter. Die Hektik des Druckvorgangs steht im Kontrast zu der behutsamen Art, mit der Druckfehler aufwendig korrigiert werden.

Diese Mischung aus Hingabe, Genauigkeit und Gelassenheit, aus körperlichen Ausnahmeleistungen, Sich-Zeit-lassen und Heiterkeit durchzieht Rodizios Film. Seine Gesprächspartner wirken in ihrer extremen Askese und Zurückgezogenheit nie verbissen, sondern empfangen die Besucher aus dem Westen mit geistiger Offenheit und herzlicher Gastfreundschaft.

Beklemmend wirken auf den ersten Blick die Behausungen der 150 Mönche in der Karga-Einsiedelei, die nicht mehr in die Welt zurückkehren werden. Die kleinste Unterkunft ist eine drei Quadratmeter große Felsennische. Einer der Lebensmittelpunkte ist die Meditationskiste aus Holz, in der die Mönche viele Stunden in aufrechter Meditationshaltung verbringen - und so teilweise auch schlafen. Eine andere Seite zeigt die Mönche jedoch bei gemeinsamer Geselligkeit im Freien, bei Bewegungsspielen und kleinen Theaterimprovisationen - es wird viel gelacht, der Zusammenhalt einer starken Gemeinschaft ist spürbar. Im Laufe des Films geht es weiter zu Yogis, die an noch entlegeneren Kraftorten in den Bergen leben. Das Film-Team stößt auf wundersame Spuren im Fels - angeblich Fußspuren verstorbener Meister oder buddhistische Zeichen, die sich an den Kraftorten von selbst gebildet haben.

Rodizio ist ein unaufgeregter Film mit fantastischen Landschaftsaufnahmen gelungen, ohne lange Erklärungsversuche meditativer Praktiken oder wundersamer Begebenheiten. Er versucht einfach, Menschen in ihrem Alltag einzufangen.

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