Flüchtlinge sollen hinein in die Praxis

Arbeit ist für Geflüchtete das A und O, um sich zu integrieren, eigenes Geld zu verdienen und nicht im Erlebten festzustecken. Am Mittwoch wurden in Nellingen Betriebe dazu ermuntert, Praktika anzubieten.

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Schüler einer Vorbereitungsklasse für Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse der Ehinger Magdalena-Neff-Schule schauen ihrem Lehrer Hermann Blässle in der Lehrwerkstatt über die Schulter.  Foto: 

15 Firmenchefs aus dem Gemeindeverwaltungsverband Laichinger Alb wollen geflüchtete Menschen in ihren Betrieben arbeiten lassen. Vom Forstbetrieb, über den Gartenmarkt bis zum Industrieunternehmen und der Dachdeckerei. Zunächst in Form eines Praktikums. Im Idealfall ergibt sich daraus eine Ausbildungsstelle. Zumindest haben sich die Firmenchefs am Mittwochabend in der Nellinger Festhalle während einer Veranstaltung zur "Integration von Flüchtlingen in Berufe" in eine Liste der Ulmer Handwerkskammer und IHK eingetragen. Eingeladen hatten Gemeindeverwaltungsverband, die Laichinger, Merklinger und Nellinger Wirtschaftsvereinigung sowie die IHK. Etwa 60 Interessierte waren gekommen, auch Bürgermeister und Aktive in Helferkreises.

Ein Drittel der Geflüchteten ist im ausbildungsfähigen Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Eine Ausbildungspflicht besteht bis 18. Um diese Jugendlichen ging es. Doch was tun als Firmenchef, wenn man einen von ihnen beschäftigen will? Wie kann man sich sicher sein, dass der Wunschkandidat arbeiten darf? Dass er also eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt und bereits - Bedingung - mindestens drei Monate in Deutschland lebt? Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Mitarbeitern, besonders die Baubranche. Wie erfährt eine Firma, wer interessiert ist? Und vor allem: Wer geeignet?

Da kommen die Ulmer Handwerkskammer beziehungsweise IHK ins Spiel. Sie vernetzen. Auch zur Gewerblichen Schule Ehingen. Die betreibt eine Außenstelle "Metall" in Laichingen. Drei "Vorbereitungsklassen für Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse (VABO)" sind laut des in Nellingen anwesenden Gewerbeschulen-Leiters Werner Glocker entstanden. Die Laichinger Schüler, für die Praktikumsplätze gesucht wurden, werden an vier Tagen pro Woche 23 Stunden unterrichtet. Mittwochs soll von Juni an Praktikumstag sein.

Katharina Wischenbarth von der Handwerkskammer stellte in Nellingen ihr Projekt zur Vermittlung von Geflüchteten in Praktika und Ausbildung vor. Susanne Lubos aus Westerheim unterstützt sie als Flüchtlingsbegleiterin. Die IHK akquiriert Bewerber und Betriebe, ermittelt in Gesprächen die Kompetenzen der Geflüchteten und deren Berufswünsche. Zum Start in eine Ausbildung empfiehlt Wischenbarth Sprachniveau A2, besser B1. Fürs Praktikum reicht zunächst A1. Die Kammer sichtet Bewerbungen und bereitet auf Vorstellungsgespräche vor.

Armin Speidel leitet analog ein Projekt bei der IHK. Er schlägt vor, einen Paten im Betrieb zu wählen, der da ist, wenn den Geflüchteten Nachrichten aus der Heimat oder Flucht-Erlebnisse plagen. Zudem ermunterte er in Nellingen dazu, dass Firmen die interkulturelle Beratung der IHK in Anspruch nehmen. Beispiel: "Fast alle Geflüchteten sagen: Ich will studieren. In Syrien gibt es das Duale Ausbildungssystem 'Schule plus Ausbildung oder Studium' nicht. Da gibt's danach nur Arbeiten oder Studieren." Er berichtete auch, viele wollten Kfz-Mechaniker werden, weil sie deutsche Autos sehen. "Es gibt noch 349 andere Ausbildungsberufe." Bevor eine VABO-Klasse die Ulmer Bildungsmesse besucht habe, hätten die Schüler etwa zehn Berufe gekannt. "Nach der Messe war dann plötzlich Zerspanungsmechaniker oder Fachfrau für Systemgastronomie der Wunschberuf."

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