Dieselkrise wirkt sich aus: MAG plant Stellenabbau

Die Eislinger Firma MAG plant den Abbau von etwa 120 Stellen. Vor allem ältere Arbeitnehmer sollen freiwillig ausscheiden. Sie können in eine Transfergesellschaft wechseln.

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Die Eislinger Firma MAG will etwa 120 Stellen streichen. Das Unternehmen reagiert damit auf die Veränderungen bei der Nachfrage nach Verbrennungsmotoren in der Automobilindustrie.  Foto: 

Mehr als 120 Arbeitsplätze will die Eislinger Firma MAG abbauen. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, wurde ein Programm für diejenigen MAG-Beschäftigten aufgelegt, die freiwillig bereit sind, die Firma zu verlassen. Sie müssen sich bis Ende September entscheiden, ob sie das Angebot annehmen.

„Wir haben jetzt über ein Jahr verhandelt“, berichtet der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall im Kreis, Martin Purschke. „Man ist aufs Erste einmal auf einem guten Weg.“ Auch der MAG-Betriebsrat spricht von einem langen und schwierigen Verhandlungsprozess. Das Gremium sei über den Personalabbau „natürlich nicht glücklich“, teilt der Vorsitzende Thomas Itzelberger mit. Man habe sich auf einen „sozial verträglichen, freiwilligen Personalabbau geeinigt. „Die Konditionen des Sozialplans sind außerordentlich gut“, stellt der Betriebsrat fest.

Die Firma strebe seit längerem an, den Personalstand von etwa 800 Beschäftigten zu reduzieren, berichtet  Gewerkschaftsvertreter Purschke. Ein Versuch mit einem Altersteilzeitmodell sei gescheitert, erklärt ein MAG-Mitarbeiter, weil die Konditionen zu schlecht waren.

Den Personalabbau begründet die Firma mit einem Restrukturierungsprogramm in der Konzerngruppe FFG-Europe und Americas. Die MAG ist seit Anfang 2016 Teil der taiwanesischen Fair Friend Group (FFG). Die Firma möchte die internationalen Aktivitäten integrieren und an das veränderte Geschäftsumfeld im Werkzeugmaschinenmarkt anpassen. Vor allem auf die Änderungen in der automobilen Antriebstechnik und die Digitalisierung soll reagiert werden. Der Standort Eislingen hat seine Stärke bei Maschinen, die Komponenten für Verbrennungsmotoren herstellen. Es zeichnet sich aber ab, dass dieser Markt nach der Dieselkrise schrumpfen wird, wenn der Trend in Richtung Elektroantrieb geht und Diesel- und Benzinmotoren weniger gefragt sein werden. „Elektromotoren benötigen keine Kurbelwelle“, sagt ein MAG-Facharbeiter. Auf den „voraussichtlichen Rückgang der Nachfrage“ reagiert die MAG mit der „Kapazitätsanpassung“, so die Firmenmitteilung. Demnach sollen 123 Stellen wegfallen.

Firma, Gewerkschaft und Betriebsrat haben vereinbart, dass die MAG-Mitarbeiter ein Jahr lang in die Plochinger Transfergesellschaft Refugio wechseln können. Es werden auch Möglichkeiten zur Weiterbildung angeboten. Zudem wurden die Abfindungen, die beim Ausschieden fällig werden, geregelt. Die Abfindungen fallen unterschiedlich aus, je nach Art des Ausscheidens. Wer direkt geht, bekommt etwas mehr als diejenigen, die in die Transfergesellschaft wechseln.

Das Programm zielt darauf, dass die älteren Beschäftigten über Transfergesellschaft und Arbeitslosigkeit in die Rente gehen können. „So dass die jüngeren Kollegen keine betriebsbedingten Kündigungen befürchten müssen“, erläutert der IG-Metall-Geschäftsführer. Anfang 2018 werde geprüft, ob das Programm wirksam war. Dann zeige sich, ob der angepeilte Abbau erreicht werde.

„Wir hoffen, dass viele dieses freiwillige Angebot annehmen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, hebt der Betriebsrat hervor. Denn betriebsbedingte Kündigungen würden vor allem jüngere Fachkräfte treffen. Eine Betriebsrätin spricht von der „Wahl zwischen Pest und Cholera“, weil das Gremium befürchtet, dass Fachkräfte gehen, die später fehlen werden.

In der Belegschaft stößt der beabsichtigte Personalabbau auf unterschiedliche Resonanz. „Ich würde gerne länger bleiben“, sagt ein älterer Facharbeiter, der seit Jahrzehnten in der Firma ist. Allerdings spitze sich die Atmosphäre im Betrieb zu. Er vermutet, dass die teureren, meist älteren, Beschäftigten gehen sollen. Allerdings behalte sich die Firma vor, über Einzelfälle zu entscheiden, um nicht alle Fertigkeiten der Älteren zu verlieren.

Andere MAG-Facharbeiter beschreiben zwar das Ausstiegsprogramm als attraktiv, befürchten aber ebenfalls einen Kompetenzverlust. Gerade die  Wartung und Modernisierung der älteren Maschinen in den ehemaligen Böhringer-Hallen in Göppingen erfordere viel Wissen. „Das sind hochgenaue Teile. Das macht nicht jeder“, sagt ein Mitarbeiter. Einer seiner Kollegen berichtet davon, dass er schon jetzt Probleme habe, wenn er seinen geplanten Jahresurlaub antreten wolle. Wobei sie auch sehen, dass die Auftragslage in anderen Teilen der Firma nicht so toll ist.

Obgleich vielerorts ein Facharbeitermangel beklagt wird, tun sich Fachkräfte, die älter als 50 sind, schwer, eine neue Stelle zu finden, berichtet Purschke. „Für 57-, 58-Jährige ist es bitter“, stellt der Gewerkschafter fest. Deshalb sei es wichtig, beim Abbau von Stellen, Lösungen für die Ältern zu finden. Purschke hofft jetzt, dass die MAG nach dem jüngsten Eigentümerwechsel (siehe Einblocker) zur Ruhe kommt.

Tradition Zur MAG gehören Traditionsfirmen wie Boehringer, Cross Hüller oder Ex-Cell-O in Eislingen. Dort ist jetzt der Hauptsitz. In Göppingen, am alten Boehringersitz, werden vorwiegend ältere Maschinen gewartet und modernisiert. Die MAG hat laut Betriebsrat rund 800 Beschäftigte, davon arbeiten etwa 100 in Göppingen, das Gros in Eislingen.

Firma Die MAG bezeichnet sich als global operierender Lösungsanbieter von Fertigungstechnologien. Sie versteht sich Produktivitätspartner für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie.

Eigentümer Verschiedene Traditionsunternehmen, darunter Boehringer und Ex-Cell-O, wurden 2010 zur MAG-IAS-Gruppe verschmolzen. Eigentümer war das Beteiligungsunternehmen Maxcor Incorporated, dessen Gründer und Chef Mo Meidar war. Nach Umstrukturierungen und finanziellen Problemen schied Meidar Ende  2014 aus. Mitte 2015 wurde bekannt, dass die Fair Friend Group (FFG) aus Taiwan die MAG übernehmen wird. Sie gehört nun zu FFG Europe & Americas.

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