Biogasanlage "ist eine große Beton-Kuh"

Die Energiegenossenschaft Gussenstadt hat den Energiewende-Tag genutzt, um Besuchern die Besonderheiten ihrer Biogasanlage näher zu bringen. Das Angebot wurde sehr gut angenommen.

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"Geführte Touren zu jeder vollen Stunde" informierte am Samstag im Eingangsbereich zur Biogasanlage der Energiegenossenschaft Gussenstadt (EGG) ein selbst geschriebenes Schild. Diese Info war schnell Makulatur: die Besucherbetreuer der Genossenschaft mussten zeitweise im Viertelstunden-Rhythmus den Ansturm bündeln und in 20er- oder 30er-Gruppen die Gäste durch das Gelände führen. Sie hatten ihren Biogasanlagen-Betrieb im Rahmen des Energiewende-Tags Baden-Württemberg geöffnet. Damit lockten sie Hunderte von Besucher auf die Ostalb, die sich über diese Art erneuerbarer Energiegewinnung informieren wollten.

Auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller war zu Gast. Der lobte die Gussenstadter Initiative wegen ihrer Energieeffizienz. "Für die Industrie scheint nur die Stromerzeugung den Sinn des erneuerbaren Energiegesetzes auszumachen", dabei passiere 40 Prozent der Energiegewinnung auf dem Wärmesektor. Die Gussenstadter hätten dies erkannt und nutzten über die reine Stromgewinnung hinaus auch die entstehende Wärme in Form eines Nahwärme-Netzes, führte der Minister aus. Er bezeichnete die Konzentration auf die Wärme bei der Erneuerbaren Energieerzeugung als "große Chance für Baden-Württemberg", weswegen das Land auch exklusiv das "Erneuerbare Wärme-Gesetz" beschlossen habe.

Nicht umsonst hatten sich die mutigen Gründungsmitglieder der Genossenschaft über den maximalen Landeszuschuss als "Bioenergiedorf" Anfang 2014 freuen dürfen. Wie der EGG-Vorsitzende Hermann Köpf ausführte, gehören inzwischen 117 Mitglieder zur Genossenschaft - davon sind 28 Landwirte und 72 Haushalte in Gussenstadt Wärme-Abnehmer und der Rest Fördermitglieder. "Das gesamte Substrat stammt aus einem Umkreis von sechs Kilometern, hier gibt es also keinen Substrattourismus", berichtete er.

Bei den Führungen erfuhren die Besucher, was die Anlage zu etwas Besonderem im Bundesgebiet macht: sie passt sich dem saisonalen Bedarf an Strom und Wärme an. "Das passiert, indem sich das Verhältnis Gülle und Mist zu den pflanzlichen Substraten ändert", erläuterte Projektentwickler Martin Lohrmann. "Im Sommer, wenn der Bedarf an Strom und Wärme niedrig ist, verarbeitet nur ein kleiner Motor das entstehende Gas, das dann überwiegend aus Mist und Gülle und nur wenig fester Bio-Masse (Mais-, Gras- oder Ganzpflanzensilage) entsteht", beschreibt er, während in der Übergangszeit langsam mehr Festmasse zugefügt, vergärt und von einem großen Motor in Strom umgewandelt würde, bis im Winter - dann wenn tatsächlich Bedarf bestehe - sogar beide Motoren im Einsatz sind.

Die Gäste lernten auch, dass das heiße Wasser im Prinzip als "Abfallprodukt" bei diesem Vorgang entsteht. Wasser sei notwendig zum Abkühlen der heiß laufenden Motoren und erhitze sich bei diesem Vorgang. Statt es einfach nur abzuleiten, wird es im Gussenstadter Nahwärmenetz zum Heizen verwendet - und auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

"Wir haben zu Hause schon Fotovoltaik und eine Solaranlage", sagte Waltraud Lipp aus Gerstetten, die das Thema "voll interessant" findet. Sie schlösse sich sofort dem Nahwärmenetz an, wenn sie nicht zu weit weg wohnen würde. "Für mich ist diese nachwachsende Art der Energiegewinnung einfach eine gute Möglichkeit, bewusst die Umwelt zu schonen", betont sie.

Siegfried Wucher vom Fachverband Biogas informierte über das grundsätzliche Wirkungsprinzip von Biogasanlagen: "Das ist so natürlich, als sei das eine große Beton-Kuh", beschrieb er: "sie frisst nachwachsende Rohstoffe plus Mist und Gülle und produziert statt Milch und Fleisch eben Strom und Wärme. Und der Gärrest ist kein Abfall, sondern wertvoller Dünger!"

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