Billiges Übernachten ohne Frühstück

Durch die Arbeiten an der A 8 und an der ICE Trasse sind die Übernachtungszahlen rund um Nellingen rasant gestiegen. Alle Gasthöfe sind ausgebucht. Vermieter nutzen das Geschäft, indem sie Mietern kündigen.

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Rund um Merklingen, wie hier bei Widderstall, entstehen Containerdörfer, um die vielen Arbeiter der Großbaustellen entlang der Autobahn unterzubringen.  Foto: 

"Alle wollen von diesem Kuchen etwas ab haben", sagt die langjährige Gastronomin Eva-Maria Stricker vom alt eingesessenen Landgasthof Krone in Nellingen, der jetzt seinen Namen geändert hat. Das jetzige "Finch Whisky Hotel Krone" sei damit nicht mehr zu verwechseln mit all den anderen Gasthöfen, die laut Stricker Sonne, Ochsen, Lamm, Post oder Krone heißen. Über mangelnde Kundschaft klagt die Wirtin nicht, sondern bejaht ebenso wie die anderen Gastronomen die starke Zunahme bei den Übernachtungen. Allerdings gehe der Trend in Richtung "low budget". Das bedeutet laut Stricker "billiges Übernachten ohne Frühstück".

Auch bei ihr bleiben die meisten Gäste für nur eine Nacht im Haus. Viele Mitarbeiter von Baufirmen würden sich indes um eine Ferienwohnung bemühen: "Viele Privatleute vermieten jetzt auch Zimmer oder Wohnungen. Hier wurde sogar schon Mietern die Wohnung gekündigt, weil man mit kurzfristigen Übernachtungen der Bauleute mehr Geld verdient", berichtet die Hotelchefin. Sie selbst will sich lieber von der Drei-Sterne-Kategorie in Richtung Vier-Sterne bewegen und hat jetzt auch einen in der direkten Nachbarschaft befindlichen Stadel hinzugekauft. "Damit ist unser Hof ringsherum zu und kein Nachbar wird mehr gestört", sagt sie, hat aber noch keine genauen Pläne für die Erweiterung. Zunächst fordere die Gemeinde Nellingen einen größeren Stellplatz für Busse, um den sie sich jetzt bemühen müsse.

Eine "low-budget-Unterkunft" wird ab sofort in der Gemeinde Merklingen am Ortseingang entstehen. "Alles nur günstig - das ist die aktuelle Marschrichtung. Der Hotelmarkt hat sich gewandelt", sagt Stricker. Allerdings verzeichnete Merklingen im vergangenen Jahr 13 762 Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Verweildauer von eineinhalb Tagen. So eine Statistik hat Nellingen nicht vorzuweisen, weshalb für die Gemeinde keine genauen Zahlen vorliegen.

Auch die Merklinger Gasthöfe sehen die angestiegenen Übernachtungszahlen in der Albgemeinde im Ausbau der Bahntrasse und der Autobahn begründet. "Wir sind während der Woche komplett ausgebucht", bestätigt Hildegard Dürner, die gemeinsam mit ihrem Mann Andreas den Merklinger Gasthof "Bürgerstüble" führt. "Derzeit sind viele Ingenieure oder Bauleiter unsere Gäste, die wegen des Ausbaus der A 8 auf der Alb arbeiten", erklärt sie. Nichts anderes berichtet Tanja Morgen vom Gasthof "Sonne": "Ausgebucht. Die ganze Woche über."

Laut Gerhard Fink von der "Albernte" seien die Übernachtungen während des Jahreswechsels nicht ganz so häufig gewesen, aber auch er verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Übernachtungsgäste. Dauerhaft belegt ist das Hotel "Ochsen" am Merklinger Ortseingang, sodass Andreas Hintz Anfragen sogar häufig absagen muss. Trotzdem bemühe er sich darum, dass Gäste in der Umgebung bleiben können und vermittle an die Kollegen in der Nachbarschaft.

Davon profitiert auch Marc Hörner vom Türkheimer "Rössle": Montag bis Freitag ist er so gut wie ausgebucht, allerdings nicht nur von Baufirmen. "Hier finden dann auch die einen Platz, die an der Autobahn wegen der vielen Bauarbeiter keine Bleibe mehr finden." Normalreisende kämen dann zu ihm. Nicht unweit von seinem Gasthof wird ein Containerdorf mit 60 Containern der Firma Leonhard Weiss entstehen, in denen bis ins Jahr 2019 Arbeiter eine Bleibe finden sollen. Neben dem Containerdorf an der Baustelle Hohenstadt und dem dort ebenso ausgebuchten Gasthof "Sonne" ist ein weiteres Containerdorf in Widderstall entstanden.

Unabhängig dieser Unterkünfte bestätigt das Landratsamt Alb-Donau-Kreis, dass die Übernachtungen von Geschäftsreisenden, Arbeitern und Touristen im Alb-Donau-Kreis deutlich angestiegen sind, aber auch immer mehr Ferienwohnungen entstehen. So war im Jahr 2014 insgesamt von 488 000 Übernachtungen die Rede, im Jahr 2015 waren es bereits 494 000 mit deutlichem Anstieg im Sommer.

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