Beim Oppinger Airlinertreffen startet Boeing-Nachbau

Modell-Airliner beherrschen am Wochenende den Himmel über dem Segelfluggelände in Oppingen. Mit von der Partie ist Adi Pitz aus Altheim, dessen riesiger Nachbau einer Boeing 747 zum Jungfernflug starten wird.

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Die vier Strahltriebwerke haben gezündet. Mit 33.000 Umdrehungen in der Minute drehen die Turbinen im Leerlauf. Noch steht der Jumbo auf dem Rasen des Oppinger Segelflugplatzes. Der Pilot gibt Gas. Behäbig nimmt die Boeing 747-400 Fahrt auf und unter den wachen Augen eines Prüfers des Luftsportgeräte-Büros aus Braunschweig hebt das Großmodell ab, dreht einige Runden im stahlblauen Himmel und landet nach sieben Minuten sicher auf der Erde. Der Abnahmeflug läuft perfekt, Anspannung und Nervosität weichen einem Glücksgefühl.

Nach sieben Jahren Planung und Bau und gut 2500 Arbeitsstunden ist der Traum von Adi Pitz aus Altheim/Alb in Erfüllung gegangen: Sein Modell mit 4,95 Metern Spannweite, 5,43 Metern Rumpflänge und einem Startgewicht von 76 Kilogramm hat seinen ersten Flug erfolgreich absolviert. Auch der geforderte Belastungstest am Boden, bei dem jede Tragfläche einem Gewicht von 120 Kilogramm Stand halten muss, sowie die Überprüfung der technischen Einbauten bekommen das O.K. des Prüfers. Und nach der für jeden Flug erforderlichen Genehmigung vom Regierungspräsidium Tübingen ist der detailgetreue Nachbau aus der Flotte der englischen Fluggesellschaft "virgin atlantic" mit Sicherheit von nun an eine Attraktion bei vielen Modellflug-Events. Am Wochenende wird der Jumbo auf dem Airlinertreffen in Oppingen zu seinem Jungfernflug vor großem Publikum starten.

Der passionierte Modellbauer Adi Pitz, der als Organisator gemeinsam mit der Fliegergruppe Gingen/Fils die weltweit einzigartige Veranstaltung in Oppingen vor vier Jahren aus der Wiege gehoben hat, baute in den vergangenen 35 Jahren unzählige Modelle und insgesamt acht mehrmotorige Airliner. Sein jüngstes Großprojekt, den Nachbau der Boeing 747-400, begann der 57-Jährige im Jahr 2008. Ein kleines, aber sehr detailgetreues Kunststoffmodell von Revell stand zunächst Pate. Aus ihm entwickelte er die Pläne für das Großmodell.

In den beiden Werkstatträumen im Keller seines Hauses in Altheim wurde der Traum verwirklicht. Zwar gibt es dort nicht genügend Platz für den Jumbo im zusammengebauten Zustand. Doch dies sei auch nicht notwendig, sagt Pitz. Wie im richtigen Flugzeugbau wurden die Teile des Großmodells Stück um Stück erschaffen. Insgesamt besteht die 747 aus zehn einzelnen Bauabschnitten. Rumpf, Leitwerk und Tragflächen sind aus Styropor, das mit Balsaholz und glasfaserverstärktem Kunststoff beschichtet und anschließend mehrfach mit Autolack lackiert wurde.

Binnen einer Stunde sind die Teile zusammengesetzt und nach der Betankung mit zehn Liter Kerosin ist das Modell im Maßstab 1:13 startklar. Wie im Original werden die Turbinenschaufeln der Strahltriebwerke, von denen jedes eine Schubleistung von 14 Kilogramm besitzt, mit Elektromotoren hochgefahren. Bei einer bestimmten Umdrehung wird Treibstoff in die Brennkammer eingespritzt, die vier Turbinen zünden - dann heißt es: ready for take-off.

Ist der Airliner in der Luft, fahren die von Hand gefertigten fünf Fahrwerke mit Druckluft ein und verschwinden in Flügeln und Rumpf. Der Treibstoffvorrat reicht für etwa zwölf Minuten bei einer Geschwindigkeit von 120 bis 140 Stundenkilometern. Doch nach acht Minuten sollte gelandet werden, um einen verpatzten Landeanflug rechtzeitig korrigieren und erneut durchstarten zu können. Sicherheit ist schließlich oberstes Gebot und ein Verlust des aufwendigen Modells wäre für Adi Pitz eine Katastrophe. Zu viel Herzblut steckt drin. Auch eine Veräußerung, egal um welchen Preis, kommt für ihn nicht infrage. "Einen Traum, den man verwirklicht hat, verkauft man nicht."

Europaweit größtes Treffen

Flugvorführungen: 45 mehrmotorige Modell-Airliner und 25 Showmodelle sind beim Oppinger Airlinertreffen am Start. Die Flugvorführungen beginnen am Samstag um 13 Uhr und Sonntag nach dem Gottesdienst im Grünen (Beginn 9.30 Uhr). Zu diesem europaweit größten Treffen werden Airliner-Piloten aus der Bundesrepublik, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA die unterschiedlichsten Nachbauten zeigen, auch im Flugprogramm. Eingebettet sind Showflugeinlagen mit Turbinenhelikoptern.

Deutsche Meister: Beim 2. Internationalen Airlinertreffen vor zwei Jahren waren die Zuschauer begeistert von den Vorführungen der Concorde, der Formation der vier Super-Constellation in den Farben der Lufthansa und von schubvektorgesteuerten Jets mit dem mehrfachen deutschen Meister Michael Müller und Rainer Kamitz. Tante Ju Bisher haben sich über 60 Enthusiasten der Modell-Airliner angemeldet, darunter Hannes Heppe mit dem Nachbau einer JU 52 mit sechs Meter Spannweite oder Michael Bräuer mit seinem Nachbau der Concorde.

Feuerwerk: Für die Teilnehmer beginnt das Treffen am Freitagnachmittag zum Trainingsflugbetrieb. Bei einem täglichen Fotoshooting dürfen die Zuschauer nah an die Modelle heran. Am Samstagabend ist die Fliegerbar im Hangar zu Live-Gitarrenrock mit Carlo Haggard geöffnet, zum Abschluss des Tages gibt’s ein Musik-Höhenfeuerwerk. Auf Familien wartet an beiden Tagen ein Rahmenprogramm mit Bonbonabwurf, Hüpfburg, Bewirtung und einem Segelflugzeug zum Probesitzen. Oldtimerfreunde aus der Region sind zu einer Sternfahrt eingeladen.

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