Wie der Mensch zum eigenen Wasserparadies kommt

Ulm.  Ein plätscherndes Brünnlein bringt Leben in den kleinsten Garten. Wer aber Platz hat, legt einen Teich an, in dem sich Himmel und Wolken spiegeln. Ein Teich zieht magisch Jung und Alt in seinen Bann.

Die frühen chinesischen Gartenbauer waren Meister im Nachahmen von Wasserlandschaften. Nach der Lehre des Feng Shui hat Wasser die Aufgabe, das Chi, also die vorhandene Energie zu sammeln und zu verstärken. Für moderne Gartendesigner gehört Wasser zu den wichtigsten Komponenten einer harmonischen Gestaltung. Naturliebhaber schätzen Teiche und Tümpel als Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere im und unter Wasser. Und wer Kinder an spannende Naturerlebnisse heranführen möchte, wird am Teich von der Schlüpfzeit der Libellen bis zur wundersamen Entfaltung der ersten Seerosenblüten unendlich viele Anregungen finden.

Das Vorbild für die Anlage naturnaher Teiche liefert die nähere Umgebung, wo Gartenbesitzer sich bei einem Spaziergang zu Weihern und kleinen Wasserläufen inspirieren lassen können. Wie in der Natur wechseln sich auch beim Gartenteich flache Uferzonen mit tiefen Bereichen, steile Böschungen mit sanft abfallenden Stufen ab. Es bleibt genug Platz für alle Lieblingspflanzen, vom lila blühenden Hechtkraut bis zur leuchtend gelben Sumpfdotterblume. Integriert man den Teich in die bereits vorhandene oder geplante Holzterrasse, sollte man die Ränder unter das Deck laufen lassen. Den besten Ausblick auf Flora und Fauna bei frei gestalteten, größeren Teichen mit kleiner Feuchtwiese oder einem Kiesbett bieten Trittsteine im Wasser oder ein Holzsteg, der über die Wasserfläche ragt.

Wer rund ums Haus geometrische Linien bevorzugt, sollte auch beim Teichbau nicht davon abweichen. Formal gestaltete, rechteckige oder quadratische Wasserbecken mit gemauertem Rand, eventuell aus demselben Material wie der Terrassenbelag, Stufen oder Wegplatten, lassen sich – vor allem, wenn man selbst anpackt – einfacher mit moderner oder klassischer Architektur verbinden. Pflanzen werden hier besser sparsam verwendet und statt Bachlauf sorgen Sprudler oder, bei der Anlage von zwei oder mehr Becken, schmale verbindende Kanäle für Bewegung.

Ganz einfach, je größer, desto besser. Bei Naturteichen lautet die Faustregel: Erst ab sechs Quadratmeter Fläche ist Platz genug für die Gestaltung verschiedener Wassertiefen und einer harmonisch auslaufenden Uferzone. Fertigbecken werden oft mit deutlich weniger Volumen angeboten und sind in kleinen Gärten eine durchaus praktische Alternative zu frei gestalteten Folienteichen. Dazu sollte man wissen: In der Verkaufsausstellung wirken die verschiedenen Modelle sehr viel größer als sie später tatsächlich sind, wenn sie in die Erde eingelassen werden. Und mit jedem Kubikmeter Wasser steigen auch die Chancen, dass sich ganz von selbst ein funktionierendes Ökosystem entwickelt.

Bei kleineren Wasserbecken sorgen auf die Teichgröße abgestimmte Filtersysteme für den klaren Durchblick, verhindern störenden Algenwuchs, befreien das Wasser von überschüssigen Nährstoffen und reichern es mit Sauerstoff an. An einer Stelle sollte der Teich mindestens 80 Zentimeter tief sein, in höheren Lagen sind 1 bis 1,20 Meter Wassertiefe erforderlich, damit Fische, Schnecken und andere Lebewesen auch strengere Winter überleben können, und der Teich nicht komplett durchfriert. Außerdem erwärmt sich das Wasser dann im Sommer langsamer. Doch nicht verzagen: Selbst auf kleinstem Raum kann ein Quellstein für Entspannung sorgen oder ein kleiner Brunnen eine lauschige Ecke reizvoll in Szene setzen.

Ob aus dem Teich das ersehnte Biotop wird, entscheidet auch der Standort. Dabei ist die Sonneneinstrahlung ein wichtiges Kriterium. Fünf bis sechs Stunden pro Tag gelten als ideal, liegt die Wasserfläche im Sommer von morgens bis abends in praller Hitze, können sich Fadenalgen geradezu explosionsartig vermehren – vor allem bei reichlichem Nährstoffeintrag durch Blätter oder bei Starkregen abgeschwemmter Erde. Bei offener Lage kann man mit großen Sträuchern, hohen Gräsern wie Chinaschilf oder nicht wuchernden Bambusarten, leicht die richtige Mischung aus Licht und Schatten schaffen. Die Zeit, bis diese eine entsprechende Größe erreichen, muss allerdings mit viel Pflege überbrückt werden.

Im Schlagschatten des Wohnhauses oder unter großen Bäumen hat man dieses Problem meist nicht, dafür entwickeln sich die Wasserpflanzen dort nur spärlich und der Pflegeaufwand bleibt hoch. Deshalb verlangen schattige Teiche von vorne herein ein sorgfältiges Management, von der Planung über die Teichtechnik bis zur Bepflanzung.

Wie im Staudenbeet gilt auch im Wassergarten: Die Pflanzengemeinschaft kann nur funktionieren, wenn die jeweiligen Nachbarn nicht nur zum Standort, sondern auch zueinander passen. Bei falscher Zusammenstellung entbrennt ein fortwährender Existenzkampf. Dies kann gerade bei kleinen Teichen dazu führen, dass man ständig regulierend eingreifen oder einige Arten wieder ganz entfernen muss. Ausläufer bildende Pflanzen wie Rohrkolben oder Wasserminze sollte man auch bei reichlich Fläche grundsätzlich in Töpfe pflanzen, um ihren Ausbreitungsdrang zu begrenzen.

Wichtigste Regel: Ein Drittel der Wasseroberfläche muss offen bleiben. Also lieber ein oder zwei Jahre abwarten, die Entwicklung beobachten und dann eventuell nachpflanzen. Im Uferbereich staffelt man die Bepflanzung, damit der Blick auf das Gewässer frei bleibt – höhere Gewächse bilden den Hintergrund, niedrige werden davor platziert. Auch in dieser Phase ist Geduld das Geheimnis langfristigen Erfolgs.

Und wer keine Lust hat, in Büchern und Katalogen über Pflanzenporträts zu brüten und Bedürfnisse, Blühzeitpunkte und Blütenfarbe aufeinander abzustimmen, muss diese durch Know-How ersetzen. Am besten fertigt man eine kleine Skizze mit allen Teich- und Uferzonen an und lässt sich in einer Gärtnerei mit großem Wasserpflanzensortiment von Fachleuten beraten.





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