Wie der Gärtner Blattlaus und Co. Herr wird

Ulm.  Nicht nur der Mensch freut sich über prächtige Pflanzen in vollem Saft. Auch zahlreiche Schädlinge laben sich an unseren Zier- und Nutzpflanzen. Doch nur im schlimmsten Fall kommt es zum Totalschaden.

Jede Kultur im Garten lockt Tiere an, die wir als Schädlinge bezeichnen, sobald sie uns die Ernte streitig machen oder uns den Anblick verleiden. Gelingt es aber, die richtigen Fressfeinde anzulocken, wird sich der Schaden in Grenzen halten.
Das Heer der Viecher, die an Pflanzen saugen, nagen, knabbern, sich durch Früchte fressen ist unermesslich groß. Manche haben eine raffinierte Strategie entwickelt, um sich unbemerkt durchzufuttern. Da sind zunächst die Schnecken, die nachts unsere Sämlinge, den Salat und Rittersporn vernichten. Eulenraupen fressen verborgen im Boden oder versteckt zwischen Kohlblättern. Die Kirschfruchtfliege lebt im Innern der Früchte wie im Schlaraffenland, Blattrollwespen rollen Blätter zusammen und speisen darin unbehelligt.

Die wenigsten Schädlinge nimmt der Gärtner bewusst wahr, er erkennt sie erst, wenn sie sichtbaren oder spürbaren Schaden anrichten. Augenfällig sind etwa die Raupen der Gespinstmotten, die im ausgehenden Frühjahr einen ganzen Strauch oder Baum innerhalb von Tagen entlauben können. Unter dichten Gespinsten hängen Heerscharen von Raupen und fressen immerfort. Das sieht bedrohlich aus, doch wenn die Raupen verschwinden, weil sie sich verpuppen, treibt das Gehölz ein weiteres Mal aus und sieht bald so aus, als wäre nichts geschehen.
Ebenfalls im Frühjahr sitzen am jungen Austrieb häufig ganze Kolonien von Blattläusen. Sie saugen an jungem, weichem Pflanzengewebe. Die Pflanzen wachsen verlangsamt, oft entwickeln sich gekräuselte Blätter und verkümmerte Triebe.

Blattläuse kann man abwehren, indem man betroffene Triebe einstäubt, man kann sie auch mit einem kräftigen Strahl aus dem Wasserschlauch abspritzen und befallene Triebspitzen abbrechen. Vorbeugen lässt sich, indem man nicht zu viel Stickstoff düngt. Zu gut ernährte Pflanzen entwickeln weiches Gewebe, das die Blattläuse mit ihren stilettartigen Mundwerkzeugen leichter durchstechen können. Zähe, kräftige Blätter sind weniger gefährdet. Hat sich dennoch ein starker Befall entwickelt, kann sich Abwarten lohnen: Ab Mittsommer entwickeln sich geflügelte Blattläuse, die ihre Wirtspflanze wechseln. Oft gehen die Blattläuse auf Wildkräuter über und verteilen sich in der Umgebung. Geduld wirkt sich manchmal besser aus als der rasche Griff zur Giftspritze: Denn Spritzmittel gegen saugende Insekten können (müssen nicht) auch die natürlichen Feinde der Blattläuse schädigen. Dabei entsteht womöglich mehr Schaden als Nutzen.

Der nachhaltigste Pflanzenschutz sowieso besteht darin, die Jäger zu fördern. Blattläuse haben viele natürliche Feinde. Bekannt sind die Larven von Marienkäfer, Florfliege und Schwebfliege, die Blattläuse jagen. Eine Florfliegenlarve vertilgt im Verlauf ihrer Entwicklung unglaubliche 500 Blattläuse. Gefräßig ist auch die Marienkäferlarve, die deswegen Blattlauslöwe heißt, auch erwachsene Marienkäfer fressen Blattläuse. Andere Arten des Marienkäfers vernichten Spinnmilben und Mehltaupilze.
Manche Schädlinge fressen im Innern von Pflanzenteilen, sodass Spritzmittel sie nicht erreichen. Selbst hier hat die Natur Gegenspieler entwickelt: Schlupfwespen etwa legen mit Hilfe eines Legebohrers Eier in die Raupen von Apfelwickler, Holzwespe oder Bockkäfer. Die jungen, frisch geschlüpften Larven fressen den Wirt von innen her auf. Ahlenkäfer dagegen beseitigen die Eier der Kohlfliege, deren Maden schwarze Gänge in Rettichen hinterlassen.

Es lohnt sich, für Vielfalt im Garten zu sorgen. Wenn vieles kreucht und fleucht, ist gleich Abwehr zur Stelle, wenn ein Schädling droht, überhand zu nehmen. Sind alle Plätze besetzt, kann sich ein ungebetener Gast nicht so leicht festsetzen und Schaden anrichten. Doch nur wenn immer etwas blüht, finden sich zum Beispiel Schwebfliegen, diese tatkräftigen Blattlausjäger, ein. Blindschleichen und Kröten jagen Schnecken, doch sie benötigen spezielle Lebensräume: Die Blindschleichen bauen Nester in Totholz und sonnen sich auf warmen Steinen, Kröten wollen sich tagsüber in Hecken verstecken und brauchen Wasserstellen zum Laichen. Nicht zu vergessen die Vögel, die vor allem zur Brutzeit tierisches Eiweiß als Zusatznahrung benötigen und ihre Brut unermüdlich mit Kleingetier in Gestalt von Blattläusen, Raupen, Käfern und dergleichen versorgen. Nur wo sie Nistplätze und Futter finden, siedeln sie sich an.

Vermehrt sich dennoch ein Schädling unangemessen, und kommt der vorhandene Jagdtrupp nicht hinterher, kann der Gärtner Fressfeinde einsetzen. Spezielle Anbieter liefern gegen eine wachsende Zahl von Pflanzenschädlingen passende Räuber. Vor allem die in Waben verpackten Larven von Florfliege und Marienkäfer. Zum Ausbringen löst man den Schutzstreifen ab und klopft die Waben in der Nähe der Beute aus. Auch Schlupfwespen, die Blattläuse parasitieren, werden angeboten: Man erhält sie als Puppenstadium in einem Pappröhrchen, das in der Nähe befallener Pflanzen aufgestellt wird.

Im Internet gibt es etliche Anbieter, und in vielen Gartencentern liegen Bestellkarten aus. Auch gegen vermeintlich schwierige Schädlinge sind Räuber im Angebot. Schlupfwespen oder der Australische Marienkäfer vernichten Schmierläuse, Raubmilben jagen Spinnmilben und Thripse. Ganz speziell wirken winzige Fadenwürmer (Nematoden): Sie dringen in Schadtiere ein und setzen Bakterien frei, die allmählich den Körper des Wirts zersetzen. Nematoden gibt es inzwischen gegen die Larven von Dickmaulrüssler oder Laubkäfer, gegen Trauermücken, gegen Apfelwickler, gegen Maulwurfsgrillen und sogar gegen Schnecken. Man erwirbt die Nematoden in einer Trägersubstanz, die in Wasser aufgelöst wird, sodass man sie angießen kann.

Alle diese biologischen Abwehrmaßnahmen sind genau getestet. Sie wirken zuverlässig, wenn man sich an die Anweisungen der Lieferanten hält. Doch es handelt sich um Lebewesen, die von bestimmten Temperaturen abhängig sind. Und biologische Bekämpfung funktioniert nur zur richtigen Jahreszeit. Man kann Nützlinge erst bestellen, wenn sie Futter vorfinden, der Befall muss sich demnach schon entwickeln, doch einen übermäßigen Schädlingsbesatz bewältigen die Räuber nicht mehr. Die Nematoden gegen Schnecken und Maulwurfsgrillen wirken nur, wenn man sie großflächig ausbringt. Das verlangt Absprachen zwischen Nachbarn und kann ins Geld gehen.


Gute Informationen zum biologischen Pflanzenschutz und zum Einsatz von Nützlingen gibt es auf www.nuetzlinge.de

Sehen Sie auch einen Gartentipp zu Pflanzenschädlingen von Tanja Ratsch im Video:




Kommentare (2)

13.06.2010 14:14 Uhr |   megerlein

Totaler Raupenbefall in Garttenhecke

Meine Gartenhecke ist total mit eingesponnenen Raupen befallen Sie fressen alle Blätter ab. Ist die Hecke noch zu retten?. Gibt es wirksame Bekämpfungsmittel?
13.06.2010 14:10 Uhr |   megerlein

Starker raupenbefall in gartenhecke

meine Gartenhecke ist total von eingesponnenen Raupen befallen. Ist die Hecke noch zu retten.? Welche wirksamen Schädlingsbekämpfungsmittel gibt es?

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: Agners Pahler | 29.04.2010

Serie: Garten Leben

Garten Leben: Das sind die Leserfotos

Das sind die schönsten Gartenbilder unserer Leser!

Ulm Schicken Sie uns Ihre schönsten Bilder zum Thema Garten! Diesem Aufruf waren viele Leser von swp.de gefolgt - viele schöne Bilder haben uns erreicht. Die Entscheidung ist der Redaktion sehr schwer gefallen. Sehen Sie hier die Gewinnerbilder.... mehr

Die Blumenmönche aus Dettingen an der Erms und ihre Gärten

Ulm Die Schwäbische Alb ist die Heimat der Evangelischen Bruderschaft Kecharismai. Bekannter sind ihre Mitglieder unter dem Namen „die Blumenmönche“. Und das hat seinen Grund.... mehr

Schimmelkäse, Honig und etwas Schafsdung zum Heilen tiefer Beinwunden

Andreas Clasen Dr. Johannes Mayer forscht an der Universität Würzburg seit Jahren zum Thema Klostermedizin. Sein Respekt ihr gegenüber steigt ständig. ... mehr

Ärger mit den Nachbarn: Wenn aus Hobbygärtnern Paragraphenreiter werden

Ulm Das Paradies Garten kann zur Hölle werden, wenn es Ärger mit dem Nachbarn gibt. Überhängende Äste, Grenzabstände, Laub und Katzenkot – nicht wenige Zwiste eskalieren und landen vor Gericht.... mehr

BGB und Co.: Von Alpakas in der Reihenhaussiedlung bis zu Nachbars Zwetschgen

Ulm Wo Mensch und Mensch sich nahekommen, können sie auch aneinandergeraten – gerade an Grenzen und Zäunen. Deshalb gibt es Berge von Paragraphen und Gesetzen, die versuchen, Anhaltspunkte für ein gedeihliches Zusammenleben von Nachbar zu Nachbar zu geben.... mehr

Der Teich muss sicher sein: Das ABC der Gefahrenvermeidung

Ulm Ein Gartenteich ist für Kinder etwas Wunderbares. Zugleich haben Eltern Angst davor, dass das Wasser zur tödlichen Falle wird. Was ist zu tun?... mehr

Wie der Mensch zum eigenen Wasserparadies kommt

Ulm Ein plätscherndes Brünnlein bringt Leben in den kleinsten Garten. Wer aber Platz hat, legt einen Teich an, in dem sich Himmel und Wolken spiegeln. Ein Teich zieht magisch Jung und Alt in seinen Bann.... mehr

Prinzipienstreit in einer Karlsruher Kleingartenanlage

Karlsruhe Nadelbäume in Kleingartenanlagen liefern bundesweit Stoff für hartnäckigen Streit. In Karlsruhe sollen jetzt Richter wieder Frieden stiften.... mehr

Sauberkeit und Hygiene sind vorbeugender Pflanzenschutz

Ulm Aufräumen hat seinen Sinn. Denn viele Krankheitserreger überdauern auf infiziertem Pflanzengewebe. Kranke Teile müssen weg. ... mehr

Von Praxisfragen über Lifestyle bis zur „Wildnis der Zimmerpflanze“

Ulm ... mehr