Sogar auf einem Balkon reifen Obst und Gemüse

Ulm.  Pflanzen, die klein genug bleiben, lassen sich auch in Kübeln und Töpfen ziehen. So muss der Balkongärtner nicht auf das Vergnügen verzichten. Und schmuck sehen nicht nur Blumen, sondern auch Früchte aus.

Sortenkataloge versprechen monatelange Ernte auf dem Balkon. Die Zahl gedrungener, lange fruchtender Obst- und Gemüsesorten wächst. Doch für den Balkon gilt das Gleiche wie für den Garten: Pflanzen brauchen, um zu wachsen, frische Erde, Sonnenlicht und Wasser. Ohne Düngung und regelmäßiges Gießen fällt die Ernte flach. Von nix kommt eben nix.

Natürlich wachsen Radies, Rote Bete und Mairübchen im Balkonkasten heran, doch wie im Beet brauchen sie ihren Platz. Rechnen wir mal für Radies einen Abstand von mindestens drei Zentimeter und dass in einen Balkonkasten von 60 Zentimetern Länge und 15 Zentimetern Breite drei Reihen passen: Rein rechnerisch ergibt das höchstens 60 hypothetische Radies, ein Bund aus der Gemüse-Theke enthält 12 bis 20 Knollen . . . Ob sich der Aufwand lohnt, entscheidet jeder selbst.

Viele Tomatensorten wurden speziell für den Anbau im Balkonkasten gezogen. Sie wachsen sehr gestaucht, sollten aber trotzdem mit Stäben abgestützt, sonst brechen sie auf windigen Balkonen leicht. Kirschtomaten sind eine gute Wahl, denn sie reifen schneller und man kann sie genussvoll in den Mund stecken. Wichtig ist, dass das Gefäß groß genug ist – Tomaten sind Säufer und brauchen viel Wasser. Sorten gibt es viele, wichtig ist eine ausgewiesene Widerstandsfähigkeit gegen Krautfäule. Tomaten müssen übrigens nicht rot sein. Reich setzt die Sorte ,Tumbling Tom Yellow’ ihre orangegelben, aromatischen Naschfrüchte an. Strauch- und Balkontomaten werden nicht ausgegeizt, sie dürfen und sollen sich verzweigen, damit sie nicht nur in die Höhe schießen. Ein hoher Tonanteil in der Topferde, etwas Kalk und regelmäßige Kaliumdüngung fördern das Wachstum. Noch mehr Wärme als Tomaten brauchen Paprika: Die Sorte ,Medusa’ trägt lange, spitze Früchte in den Farben Hellgelb, Orange und Sattrot. Eine Kultur zum Hingucken und Vernaschen.

Für den beschränkten Platz auf dem Balkon sollte man Besonderes wählen, Essbares, das es nicht überall gibt und das gut aussieht. Wie wär’s mit fruchtigen Andenbeeren (Physalis peruviana)? Im Spätsommer beginnt die Ernte, die Früchte reifen im Herbst noch nach, wenn der Frost das Kraut schon zerstört hat. Die Pflanzen brauchen viel Sonne, gute Erde und organischen Dünger, sonst tragen sie spärlich.
Leckere, ungewöhnlich Früchte verspricht der Anbau von Cranberrys, den amerikanischen Verwandten unserer Preiselbeeren. Als Moorbeetgewächse brauchen sie sauren Boden, wie ihn torfhaltige Blumenerden bieten. Sie werden nur etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch und passen gut als Begleiter zu niedrigen Japanischen Azaleen. Nach der spektakulären Blüte der Azalee folgt von August bis November der rote Fruchtbehang. Die Kleinsträucher kommen nach zwei oder drei Jahren so richtig in Fahrt. Dann hängen sie voller karminroter, frisch-aromatischer Früchte. Sie enthalten Antioxidantien, die das Wachstum von Krebszellen hemmen und den Cholesterin-Gehalt im Blut senken. Die Sorte ,Sunshine Blue’ fruchtet spät, hat aber immergrüne Blätter. Ebenfalls aus Nordamerika stammt die Apfelbeere (Aronia), deren schwarze, vitaminreiche Früchte reichlich Folsäure, Eisen und Jod enthalten. Die Beeren werden als Krebsprophylaxe empfohlen. Das Gehölz wird als Kleinstrauch oder als veredeltes Hochstämmchen angeboten.

Leckere Früchtchen liefern Erdbeeren im Topf. Monatserdbeeren tragen den ganzen Sommer über kleine Früchte mit sehr intensivem Geschmack, Hängesorten wie ,Elan’ können dekorative Schleppen von Hängekörben oder Balkonkästen bilden. ,Elan’ bildet viele Ausläufer und kann wie auch ,Alexandra’ an Gittern und Stäben hochklettern. Spannend sind ,Golden Alexandra’ mit gelben Blättern oder ,Weiße Baron Solemacher’ mit weißen Früchten. Walderdbeeren wachsen gut in einem Erdbeertopf, der an den Wänden balkonartige Aussparungen zum Einpflanzen der Erdbeeren enthält. So bringt man eine ordentliche Zahl von Pflanzen unter, die mit Blumen ergänzt werden kann.

Für die Kultur im Topf eignen sich außerdem Columnar- oder Säulen-Äpfel. Sie verzweigen sich nicht, sie tragen dicht am gedrungenen Stamm die Früchte. Deshalb kommen sie ohne Schnitt aus, sie werden nur entspitzt. Waren die ersten ,Ballerina’-Sorten noch recht krankheitsanfällig, gibt es jetzt zuverlässigere, leckere Züchtungen, der dunkelrote Apfel ,Waltz’ etwa oder ,Bolero’. Sie brauchen gute Erde mit hohem Tonanteil, im Winter sollte man den Topf vor strengen Frösten schützen. Leider tragen die Bäume nur alle zwei Jahre richtig gut. Dekorativ sind die Bäumchen, wenn sie im Frühjahr blühen und wenn sie im Spätsommer Früchte tragen. Inzwischen gibt es Säulenformen auch von Birnen, Zwetschgen und Kirschen.

Auf dem Balkon im Kübel gedeihen alle Obstgehölze, die man im Winter ins Haus schaffen muss. Sie bleiben in ihrem Pflanzgefäß mobil. Das ermöglicht die Kultur von Raritäten wie der Feige, die frisch gepflückt unvergleichlich schmeckt. Unerreicht ist der Geschmack von frischen, reifen Zitrusfrüchten. Während Zitrone, Mandarine und Bergamotte groß werden und daher einen voluminösen Kübel benötigen, bleiben Kumquat und Kalamondin-Orange handlich. Ein Aufenthalt auf dem sonnigen Balkon bekommt ihnen gut, im Winter halten sie das Klima eines geheizten Zimmers aus, während andere Zitrusgewächse in der kalten Jahreszeit kühl und hell stehen wollen.

Alle Verwandten der Zitrone brauchen saure Erde und vertragen kein kalkhaltiges Leitungswasser. Am besten gießt man sie nur mit Regenwasser. Essbare Früchte liefert sogar zeitweiligen Sichtschutz. Dazu braucht es ein Rankgitter über einem Kasten oder mehrere Bambusstäbe beziehungsweise Haselnussruten in einen großen Kübel. Daran ranken ab Anfang Mai Feuerbohnen hoch. Sie haben hübsche rote Blüten und wachsen innerhalb mehrerer Wochen heran. ,Preisgewinner’ bringt dunkelviolett gesprenkelte Samen, ,Lady Di’ trägt fadenlose Hülsen. Achtung: Bohnen muss man kochen, man darf sie nicht roh essen.






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