Gärten dienen als Inspirationsquelle für Künstler
Ulm. Zu allen Zeiten spielten Gärten eine bedeutende Rolle als Bildmotiv. Waren Bäume und Blumen nur Staffage? Oder was wollten die Künstler in den verschiedenen Jahrhunderten denn uns Betrachtern sagen?
Ein Spaziergang am ersten sonnigen Frühjahrssamstag durch jede beliebige Wohnsiedlung führt es uns vor Augen: Jede Grünfläche, selbst der winzigste Balkon werden zum Schauplatz geschäftigen Treibens. Die Ergebnisse der Bemühungen mögen variieren, dennoch verbindet die Menschen seit ewigen Zeiten das kulturelle Band eines innigen Verhältnisses zu Mutter Natur und ihren Launen. Wir schaffen eingefriedete Rückzugsorte für die Familie, suchen Abgeschiedenheit und Schutz vor der bösen Welt da draußen und sind uns oft gar nicht bewusst, dass sich daran nicht viel geändert hat, seit Adam und Eva von der verbotenen Frucht genascht haben. Die Tür zum Garten Eden fiel hinter ihnen ins Schloss, das süße Leben hatte ein Ende. Geblieben ist dem Menschen die Sehnsucht nach der verlorenen Glückseligkeit, nach Harmonie und ewigem Frühling.
Gerade angesichts der Flüchtigkeit menschlicher Anstrengungen, irdische Paradiese zu schaffen, war es Künstlern seit jeher ein Anliegen, das Fortleben ihrer persönlichen oder auch in Auftrag gegebener Eindrücke zu sichern. Bildliche und schriftliche Zeugnisse gehen weit zurück bis zur Wiege der Menschheit im Zweistromland; nicht umsonst sind Euphrat und Tigris zwei der vier Paradiesflüsse in der Genesis. Abgeschirmte Gärten, Lustgärten der Reichen – wie die berühmten Hängenden Gärten von Babylon – bilden mit ihren Brunnen und Schatten spendenden Bäumen erfrischende Oasen in den heißen, trockenen Gebieten des Vorderen Orients und in Ägypten. Später, im antiken Griechenland und in Italien umgaben heilige Haine Tempelanlagen. Zunehmend gab es – wie zahlreiche Funde aus den Ruinen Pompejis belegen– zu Privathäusern gehörende Innenhöfe, deren Mauern rundherum mit gemalter üppiger Vegetation optisch täuschend Natur suggerierten.
Orte der Zuflucht und glückseligen Harmonie blieben die Gärten auch in der Welt des Christentums, wenngleich sich eine reiche, auf die Religion bezogene Formensprache entwickelte. In dem Bild „Noli me tangere“, das um 1410 gemalt wurde und Teil des in alle Winde verstreuten Hochaltars des Augustinerinnenklosters St. Maria Magdalena in Hildesheim ist, findet sich ein schönes Beispiel für einen mittelalterlichen „hortus conclusus“, einen umfriedeten Garten. Maria Magdalena wird am Ostermorgen Zeugin der Auferstehung Christi.
Dieser erscheint Maria als Gärtner, wendet sich ihr mit Rede- und Segensgestus zu. Beide sind in prächtige, weich fallende Gewänder gehüllt, deren Rottöne sich farblich wunderbar abheben von einem sehr real und irdisch wirkenden Garten, der von einem Flechtzaun umgeben ist. Der Maler hatte großes Interesse an der botanisch präzisen Wiedergabe der Lorbeerbäume, der Früchte und Blühpflanzen. Darüber hinaus erschlossen sich dem zeitgenössischen Betrachter jedoch unmittelbar auch die symbolhaften Bezüge zum Heilsgeschehen.
So charakterisieren Rittersporn und Männertreu Christus, erinnert die Osterglocke an die Auferstehung, die immergrünen Lorbeerbäume an das Ewige Leben. Erdbeeren, Akelei und Lilie sind Symbole der Bescheidenheit und Reinheit, stehen sonst immer im Zusammenhang mit der Gottesmutter, preisen aber hier die Eigenschaften Magdalenas. Nicht zuletzt wegen des goldgrundigen Himmels scheint in dem Bild die Zeit still zu stehen, Pflanzen blühen unerwartet zum selben Augenblick. Neben dem Vergnügen der sinnlichen Wahrnehmung eines kleinen Paradieses eröffnet sich dem Betrachter auch die innere Erbauung, nämlich die Erkenntnis der Hoffnung auf die eigene Erlösung im Jenseits.
Mit der Wende zur Neuzeit setzte die Wiederentdeckung der Antike ein, in Italien entwickelte sich eine Kultur von Landhäusern, die den Reichen und Gebildeten zur Erholung und zum Studium wie auch zum gelehrten Austausch dienten. Über alle Grenzen hinweg wurden die Villen der Medici berühmt, Künstler hielten topografisch genau ihr Aussehen fest. Bis ins kleinste Detail drang diese wissenschaftliche Neugier vor, hielt in zahlreich entstandenen Einzelpflanzendarstellungen nuancenreich die Vielfalt und Schönheit der Flora fest, um diese als eine Offenbarung der erhabenen göttlichen Schöpfung für die Nachwelt zu bewahren.
Nördlich der Alpen verbreiteten sich – ausgehend von den freien Reichsstädten wie Augsburg oder Nürnberg – diese neuen Gedanken sehr rasch, als mehr und mehr Künstler und Kaufleute zu Studienzwecken ausgedehnte Italienreisen unternahmen. Der eigenen kulturellen Wiege fühlte sich auch der Ulmer Kaufmann und Baumeister Joseph Furttenbach verpflichtet, ließ nach seiner Rückkehr aus dem Süden neben seinem Wohnhaus einen nach neuesten Erkenntnissen geplanten Garten einrichten und davon 1641 einen Kupferstich für seine Abhandlung „Architectura Privata“ anfertigen. Seinen städtischen Bürgergarten stellte er ganz in die Tradition antik-römischer Villengärten und richtete seine Anlage von erhöhten Beeten um eine betonte Mitte aus. Schatten spendende Laubengänge und ein Brunnenpavillon, die „Grotte“, zeugen von der Kenntnis der südlichen Vorbilder. Aus dem Vorderen Orient stammende, begehrte und kostspielige Frühjahrszwiebelpflanzen sind im Vordergrund gut zu erkennen, besonders stolz war der gelehrte Sammler auf seine Tulpen in über 100 Farben „marbelirte, geflammete, gerissene, gesprengte, getupfte“. Von weither reisten Besucher an, um den berühmten, erst 1944 zerstörten Garten in der Ulmer Altstadt, Sterngasse 1, zu bewundern.
In anderen Bildern der Renaissance sind es ersonnene liebliche Gärten ohne konkrete Vorbilder, in denen sich die Sehnsüchte nach Frieden, Schönheit, idealer Liebe erfüllen. In diesem Arkadien spielten sich pastorale Szenen neben plätschernden Brunnen ab, der Bildungsbürger sah darin ein neues, irdisches Paradies angebrochen, ein Goldenes Zeitalter. Wie ein roter Faden zieht sich seitdem dieses Thema durch die Kunstgeschichte. Darstellungen von Gärten bleiben untrennbar verbunden mit der Suche des Menschen nach dem vollkommenen Glück. Dabei wird zu Anfang des 19. Jahrhunderts deutlich, dass mehr und mehr der Blick des Künstlers nördlich der Alpen in den Park nebenan oder auch in den eigenen Garten die so lange praktizierte Italienreise überflüssig machte.
John Constable etwa zog stattdessen eine geduldige Beobachtung der heimischen Landschaft vor, hielt in seinen berühmt gewordenen Wolkenstudien wechselnde Stimmungen fest. Auf diese Art half er den Boden zu bereiten für die Impressionisten, die ihre Ateliers verließen und direkt vor dem Motiv unter freiem Himmel arbeiteten. Eine besondere kreative Verbindung von Kunst und Leben ging dabei Claude Monet ein, der in Giverny an der Seine seinen Garten selbst pflanzte, darin lebte und seine Inspirationsquelle fand. In dem hier gezeigten Bild „Der Gärtner“ von Camille Pissarro wird deutlich, wie der Mensch eins geworden ist mit der ihn umgebenden Natur.
Festgehalten ist das flirrende, warme Licht eines Spätnachmittags im Sommer, ein kurzer Augenblick des befriedigten Innehaltens nach getaner Arbeit in einem Garten, der keine Mauern und keine Flechtzäune benötigt, da er sich doch überaus harmonisch in die Landschaft fügt. Erzeugt wird dieser Eindruck durch dichte, aber locker nebeneinander gesetzte Pinselstriche. Beinahe meint man das Heu zu riechen oder die Grillen zirpen zu hören. Unspektakulär wirkt zunächst das Bildmotiv im Vergleich zu der Tafel „Noli me tangere“, und doch weist Pissarros Arbeit weit über sich hinaus, wird zum Sinnbild des menschlichen Eingebundenseins in den ewigen Zyklus von Werden und Vergehen.
Immer persönlicher wird die Sichtweise des Künstlers auf den Garten, den er darstellt. Der Expressionist Emil Nolde, der viele Garten- und Blumenbilder in glühenden Farben malte, ist dafür ein gutes Beispiel. „Im Zitronengarten“ entstanden 1933, porträtiert sich der Künstler selbst in inniger Umarmung mit seiner Frau Ada. Das Paar ist umgeben von den geheimnisvollen Blaugrüntönen eines südlichen Gartens, von links beugt es sich ins Bild, sorgt so für Unausgewogenheit und Spannung. Rote Rosen weisen auf die Liebesbeziehung der beiden hin, doch gibt es auch Zitronen, die nach außen so prachtvoll, innen aber sauer sind. Der Schein trügt, das Paradies ist für dieses Paar zeitlich begrenzt, die Vertreibung daraus unvermeidlich. Am Ende gerinnt Noldes auf den ersten Blick so intimes, persönliches Bild zu einem politischen Statement: Es beschwört den Zusammenhalt in schweren Zeiten.
Blickt man abschließend noch einmal in der Kunstgeschichte zurück, wird deutlich, dass Gärten in den Darstellungen eine bedeutende und auch bedeutungsvolle Rolle spielten, dass das seit jeher enge Verhältnis von Mensch und Natur eine starke Inspirationsquelle für Künstler war und bis heute geblieben ist. Dabei ist es ein Phänomen, dass spektakuläre historische Gartenanlagen sich in Meisterwerken der Malerei nicht finden, scheint doch die Perfektion von Plan und Ausführung einer kreativen „Zweitverwendung“ entgegenzustehen. Fazit ist, dass Gartenelemente in Kunstwerken immer einen nachdenklichen zweiten Blick verdienen und oft genug eine Schlüsselfunktion für die Interpretation besitzen. Oder um es mit einem weiteren berühmten „Garten“-maler, Paul Klee, auf den Punkt zu bringen: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“
Gerade angesichts der Flüchtigkeit menschlicher Anstrengungen, irdische Paradiese zu schaffen, war es Künstlern seit jeher ein Anliegen, das Fortleben ihrer persönlichen oder auch in Auftrag gegebener Eindrücke zu sichern. Bildliche und schriftliche Zeugnisse gehen weit zurück bis zur Wiege der Menschheit im Zweistromland; nicht umsonst sind Euphrat und Tigris zwei der vier Paradiesflüsse in der Genesis. Abgeschirmte Gärten, Lustgärten der Reichen – wie die berühmten Hängenden Gärten von Babylon – bilden mit ihren Brunnen und Schatten spendenden Bäumen erfrischende Oasen in den heißen, trockenen Gebieten des Vorderen Orients und in Ägypten. Später, im antiken Griechenland und in Italien umgaben heilige Haine Tempelanlagen. Zunehmend gab es – wie zahlreiche Funde aus den Ruinen Pompejis belegen– zu Privathäusern gehörende Innenhöfe, deren Mauern rundherum mit gemalter üppiger Vegetation optisch täuschend Natur suggerierten.
Orte der Zuflucht und glückseligen Harmonie blieben die Gärten auch in der Welt des Christentums, wenngleich sich eine reiche, auf die Religion bezogene Formensprache entwickelte. In dem Bild „Noli me tangere“, das um 1410 gemalt wurde und Teil des in alle Winde verstreuten Hochaltars des Augustinerinnenklosters St. Maria Magdalena in Hildesheim ist, findet sich ein schönes Beispiel für einen mittelalterlichen „hortus conclusus“, einen umfriedeten Garten. Maria Magdalena wird am Ostermorgen Zeugin der Auferstehung Christi.
Dieser erscheint Maria als Gärtner, wendet sich ihr mit Rede- und Segensgestus zu. Beide sind in prächtige, weich fallende Gewänder gehüllt, deren Rottöne sich farblich wunderbar abheben von einem sehr real und irdisch wirkenden Garten, der von einem Flechtzaun umgeben ist. Der Maler hatte großes Interesse an der botanisch präzisen Wiedergabe der Lorbeerbäume, der Früchte und Blühpflanzen. Darüber hinaus erschlossen sich dem zeitgenössischen Betrachter jedoch unmittelbar auch die symbolhaften Bezüge zum Heilsgeschehen.
So charakterisieren Rittersporn und Männertreu Christus, erinnert die Osterglocke an die Auferstehung, die immergrünen Lorbeerbäume an das Ewige Leben. Erdbeeren, Akelei und Lilie sind Symbole der Bescheidenheit und Reinheit, stehen sonst immer im Zusammenhang mit der Gottesmutter, preisen aber hier die Eigenschaften Magdalenas. Nicht zuletzt wegen des goldgrundigen Himmels scheint in dem Bild die Zeit still zu stehen, Pflanzen blühen unerwartet zum selben Augenblick. Neben dem Vergnügen der sinnlichen Wahrnehmung eines kleinen Paradieses eröffnet sich dem Betrachter auch die innere Erbauung, nämlich die Erkenntnis der Hoffnung auf die eigene Erlösung im Jenseits.
Mit der Wende zur Neuzeit setzte die Wiederentdeckung der Antike ein, in Italien entwickelte sich eine Kultur von Landhäusern, die den Reichen und Gebildeten zur Erholung und zum Studium wie auch zum gelehrten Austausch dienten. Über alle Grenzen hinweg wurden die Villen der Medici berühmt, Künstler hielten topografisch genau ihr Aussehen fest. Bis ins kleinste Detail drang diese wissenschaftliche Neugier vor, hielt in zahlreich entstandenen Einzelpflanzendarstellungen nuancenreich die Vielfalt und Schönheit der Flora fest, um diese als eine Offenbarung der erhabenen göttlichen Schöpfung für die Nachwelt zu bewahren.
Nördlich der Alpen verbreiteten sich – ausgehend von den freien Reichsstädten wie Augsburg oder Nürnberg – diese neuen Gedanken sehr rasch, als mehr und mehr Künstler und Kaufleute zu Studienzwecken ausgedehnte Italienreisen unternahmen. Der eigenen kulturellen Wiege fühlte sich auch der Ulmer Kaufmann und Baumeister Joseph Furttenbach verpflichtet, ließ nach seiner Rückkehr aus dem Süden neben seinem Wohnhaus einen nach neuesten Erkenntnissen geplanten Garten einrichten und davon 1641 einen Kupferstich für seine Abhandlung „Architectura Privata“ anfertigen. Seinen städtischen Bürgergarten stellte er ganz in die Tradition antik-römischer Villengärten und richtete seine Anlage von erhöhten Beeten um eine betonte Mitte aus. Schatten spendende Laubengänge und ein Brunnenpavillon, die „Grotte“, zeugen von der Kenntnis der südlichen Vorbilder. Aus dem Vorderen Orient stammende, begehrte und kostspielige Frühjahrszwiebelpflanzen sind im Vordergrund gut zu erkennen, besonders stolz war der gelehrte Sammler auf seine Tulpen in über 100 Farben „marbelirte, geflammete, gerissene, gesprengte, getupfte“. Von weither reisten Besucher an, um den berühmten, erst 1944 zerstörten Garten in der Ulmer Altstadt, Sterngasse 1, zu bewundern.
In anderen Bildern der Renaissance sind es ersonnene liebliche Gärten ohne konkrete Vorbilder, in denen sich die Sehnsüchte nach Frieden, Schönheit, idealer Liebe erfüllen. In diesem Arkadien spielten sich pastorale Szenen neben plätschernden Brunnen ab, der Bildungsbürger sah darin ein neues, irdisches Paradies angebrochen, ein Goldenes Zeitalter. Wie ein roter Faden zieht sich seitdem dieses Thema durch die Kunstgeschichte. Darstellungen von Gärten bleiben untrennbar verbunden mit der Suche des Menschen nach dem vollkommenen Glück. Dabei wird zu Anfang des 19. Jahrhunderts deutlich, dass mehr und mehr der Blick des Künstlers nördlich der Alpen in den Park nebenan oder auch in den eigenen Garten die so lange praktizierte Italienreise überflüssig machte.
John Constable etwa zog stattdessen eine geduldige Beobachtung der heimischen Landschaft vor, hielt in seinen berühmt gewordenen Wolkenstudien wechselnde Stimmungen fest. Auf diese Art half er den Boden zu bereiten für die Impressionisten, die ihre Ateliers verließen und direkt vor dem Motiv unter freiem Himmel arbeiteten. Eine besondere kreative Verbindung von Kunst und Leben ging dabei Claude Monet ein, der in Giverny an der Seine seinen Garten selbst pflanzte, darin lebte und seine Inspirationsquelle fand. In dem hier gezeigten Bild „Der Gärtner“ von Camille Pissarro wird deutlich, wie der Mensch eins geworden ist mit der ihn umgebenden Natur.
Festgehalten ist das flirrende, warme Licht eines Spätnachmittags im Sommer, ein kurzer Augenblick des befriedigten Innehaltens nach getaner Arbeit in einem Garten, der keine Mauern und keine Flechtzäune benötigt, da er sich doch überaus harmonisch in die Landschaft fügt. Erzeugt wird dieser Eindruck durch dichte, aber locker nebeneinander gesetzte Pinselstriche. Beinahe meint man das Heu zu riechen oder die Grillen zirpen zu hören. Unspektakulär wirkt zunächst das Bildmotiv im Vergleich zu der Tafel „Noli me tangere“, und doch weist Pissarros Arbeit weit über sich hinaus, wird zum Sinnbild des menschlichen Eingebundenseins in den ewigen Zyklus von Werden und Vergehen.
Immer persönlicher wird die Sichtweise des Künstlers auf den Garten, den er darstellt. Der Expressionist Emil Nolde, der viele Garten- und Blumenbilder in glühenden Farben malte, ist dafür ein gutes Beispiel. „Im Zitronengarten“ entstanden 1933, porträtiert sich der Künstler selbst in inniger Umarmung mit seiner Frau Ada. Das Paar ist umgeben von den geheimnisvollen Blaugrüntönen eines südlichen Gartens, von links beugt es sich ins Bild, sorgt so für Unausgewogenheit und Spannung. Rote Rosen weisen auf die Liebesbeziehung der beiden hin, doch gibt es auch Zitronen, die nach außen so prachtvoll, innen aber sauer sind. Der Schein trügt, das Paradies ist für dieses Paar zeitlich begrenzt, die Vertreibung daraus unvermeidlich. Am Ende gerinnt Noldes auf den ersten Blick so intimes, persönliches Bild zu einem politischen Statement: Es beschwört den Zusammenhalt in schweren Zeiten.
Blickt man abschließend noch einmal in der Kunstgeschichte zurück, wird deutlich, dass Gärten in den Darstellungen eine bedeutende und auch bedeutungsvolle Rolle spielten, dass das seit jeher enge Verhältnis von Mensch und Natur eine starke Inspirationsquelle für Künstler war und bis heute geblieben ist. Dabei ist es ein Phänomen, dass spektakuläre historische Gartenanlagen sich in Meisterwerken der Malerei nicht finden, scheint doch die Perfektion von Plan und Ausführung einer kreativen „Zweitverwendung“ entgegenzustehen. Fazit ist, dass Gartenelemente in Kunstwerken immer einen nachdenklichen zweiten Blick verdienen und oft genug eine Schlüsselfunktion für die Interpretation besitzen. Oder um es mit einem weiteren berühmten „Garten“-maler, Paul Klee, auf den Punkt zu bringen: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: DAGMAR SCHMIDT | 13.04.2010
Emil Noldes ,,Im Zitronengarten" (1933) steht für Vertreibung und Paradies.
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Serie: Garten Leben
Das sind die schönsten Gartenbilder unserer Leser!
Ulm Schicken Sie uns Ihre schönsten Bilder zum Thema Garten! Diesem Aufruf waren viele Leser von swp.de gefolgt - viele schöne Bilder haben uns erreicht. Die Entscheidung ist der Redaktion sehr schwer gefallen. Sehen Sie hier die Gewinnerbilder.... mehr
Die Blumenmönche aus Dettingen an der Erms und ihre Gärten
Ulm Die Schwäbische Alb ist die Heimat der Evangelischen Bruderschaft Kecharismai. Bekannter sind ihre Mitglieder unter dem Namen „die Blumenmönche“. Und das hat seinen Grund.... mehr
Schimmelkäse, Honig und etwas Schafsdung zum Heilen tiefer Beinwunden
Andreas Clasen Dr. Johannes Mayer forscht an der Universität Würzburg seit Jahren zum Thema Klostermedizin. Sein Respekt ihr gegenüber steigt ständig. ... mehr
Ärger mit den Nachbarn: Wenn aus Hobbygärtnern Paragraphenreiter werden
Ulm Das Paradies Garten kann zur Hölle werden, wenn es Ärger mit dem Nachbarn gibt. Überhängende Äste, Grenzabstände, Laub und Katzenkot – nicht wenige Zwiste eskalieren und landen vor Gericht.... mehrBGB und Co.: Von Alpakas in der Reihenhaussiedlung bis zu Nachbars Zwetschgen
Ulm Wo Mensch und Mensch sich nahekommen, können sie auch aneinandergeraten – gerade an Grenzen und Zäunen. Deshalb gibt es Berge von Paragraphen und Gesetzen, die versuchen, Anhaltspunkte für ein gedeihliches Zusammenleben von Nachbar zu Nachbar zu geben.... mehr
Der Teich muss sicher sein: Das ABC der Gefahrenvermeidung
Ulm Ein Gartenteich ist für Kinder etwas Wunderbares. Zugleich haben Eltern Angst davor, dass das Wasser zur tödlichen Falle wird. Was ist zu tun?... mehr
Wie der Mensch zum eigenen Wasserparadies kommt
Ulm Ein plätscherndes Brünnlein bringt Leben in den kleinsten Garten. Wer aber Platz hat, legt einen Teich an, in dem sich Himmel und Wolken spiegeln. Ein Teich zieht magisch Jung und Alt in seinen Bann.... mehr
Wie der Gärtner Blattlaus und Co. Herr wird
Ulm Nicht nur der Mensch freut sich über prächtige Pflanzen in vollem Saft. Auch zahlreiche Schädlinge laben sich an unseren Zier- und Nutzpflanzen. Doch nur im schlimmsten Fall kommt es zum Totalschaden.... mehr

