Ein Garten für sterbende und demente Menschen – Lavendel, Schnittlauch, Thymian und Co.

Ulm.  Der Zugang zu Natur und Garten ist für Sterbende und für Menschen mit Demenz von unschätzbarem Wert, sagt Claudia Schumann vom Ulmer Hospiz.

Um die zum Hospiz umgebaute frühere Klinik am Michelsberg herum werden momentan Stauden, Sträucher und Bäume gepflanzt. Durch den parkartigen Garten nach Süden hin führt ein barrierefreier Rundgang. Zwischen Rosen und blühenden Stauden werden sich bald auch Beerensträucher sowie ein kleiner Apothekergarten finden: Wer hier verweilt, riecht den Duft der Kräuter und Blumen, sieht ihre Farben, kann mal eine Frucht schmecken und dem sanften Plätschern des Brunnens lauschen.

„Wir wollen alle Sinne ansprechen, ohne die Menschen mit Reizen zu überfluten“, sagt Hospiz-Leiterin Claudia Schumann. So hat Landschaftsarchitekt Hansjürgen Baron starke Kontraste bei den Pflanzen vermieden und für den Belag der Wege einheitliche Materialien verwendet. „Außerdem wählten wir keine edlen Exoten, sondern Stauden, die unsere Gäste und deren Besucher aus ihren eigenen Gärten kennen“, sagt Claudia Schumann. Diese Vertrautheit ist besonders wichtig für die demenzkranken Bewohner der benachbarten Schillerhöhe, die sich den Park mit dem Hospiz teilt. Lavendel, Schnittlauch, Thymian und Co. wecken Erinnerungen und aktivieren das Gedächtnis der alten Menschen. Pflegedienstleiterin und Aromatherapeutin Martina Seng verwendet manche Heilkräuter für Wickel und Tees. Und nicht zuletzt bereichern Petersilie, Basilikum und Salbei aus dem eigenen Garten die Salat- und Suppenschüsseln.

Claudia Schumann freut sich besonders auf den Brunnen mit seiner steinernen Pelikanfigur. Sie gehörte wohl von Anfang an zu dem Gebäude, das vor hundert Jahren als Fabrikantenvilla gebaut wurde, und passt bestens zur heutigen Bestimmung von Haus und Garten: Der Pelikan steht nach einer afrikanischen Sage für Opferbereitschaft, für den Dienst am Nächsten und die Pflege von Bedürftigen. „Eine wunderschöne Symbolik“, findet Claudia Schumann.

Draußen zu sitzen, in der Sonne oder auch nachts unterm Sternenhimmel zu liegen: Der Garten eröffnet den Hospizgästen weitere Lebens-Räume neben Zimmer, Café, Terrasse und Meditationsraum. Unter freiem Himmel können sie in geschützter Umgebung am Leben draußen teilhaben – und sich bei Bedarf zurückziehen. Die Anlage ist zwar in sich geschlossen. Aber die Grenze ist nicht wahrnehmbar in Form eines Gartentürchens oder Zauns, sondern allein durch die Pflanzen vorgegeben.

Um die Privatsphäre der Gäste zu wahren, wird „Durchgangsverkehr“ ausgeschlossen: Der Haupteingang liegt mittlerweile an der Nordseite des Gebäudes. Hier entsteht ein von Rhododendren umgebener Sitzplatz, und noch etwas abgeschiedener findet sich ein aus Steinen gelegtes Labyrinth. Es steht als Bild für die Trauer und den Prozess, in dem sich das Leben neu ordnet und sich alles, wenn auch in Zickzackbahnen, auf die Mitte zu bewegt. Claudia Schumann: „Das gibt Trauernden Sicherheit.“



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Autor: Barbara Hinzpeter | 18.04.2010

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