Die Blumenmönche aus Dettingen an der Erms und ihre Gärten
Ulm. Die Schwäbische Alb ist die Heimat der Evangelischen Bruderschaft Kecharismai. Bekannter sind ihre Mitglieder unter dem Namen „die Blumenmönche“. Und das hat seinen Grund.
Klein sehen sie aus – die Gräber. Kaum so groß wie ein schmales Bett. Auf den Grabsteine stehen keine Namen. Sie sind für die Zukunft angelegt. „Wird Ihnen da nicht manchmal mulmig, wenn sie hier vorbeigehen?“ „Nein“, sagt Bruder Paidoios. „Das ist der Gang der Dinge. Todsicher.“ Wie bei Blumen, die erst blühen und dann vergehen.
Bruder Paidoios geht weiter. Der 55-Jährige gehört der Evangelischen Bruderschaft Kecharismai (EBK) seit ihrem Bestehen an. Aus der Jugendarbeit des damaligen Pfarrers Wolfgang Friedrich Rudolph und heutigen Prior des Klosters war sie 1972 hier in Dettingen an der Erms entstanden. Aus dem 18-jährigen Gerhard Schnitzler wurde Bruder Paidoios.
Der Kreuzgang des Dettinger Klosters. In der Architektur mittelalterlicher Anlagen umgab er den Klostergarten, in dem Heilpflanzen angebaut wurden (siehe auch Info-Kasten und Interview). In der Dettinger Variante sind die Beete sehr klein und rein zur Zierde. „Hier suchen wir einfach mal Ruhe“, sagt Paidoios. Und Ruhe finden die 19 Brüder und Schwestern der Gemeinschaft nur selten. Denn wie heißt es in Genesis 2, 15: „Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und erhalte.“
Die Sonne strahlt von Osten auf den Blumenstand in Kirchheim unter Teck. Gerade ist Donnerstagsmarkt. Bruder Markus nippt an einem Espresso. Den kann er brauchen. Seit 4 Uhr ist er auf den Beinen. Eine Boutiquebesitzerin hat den Wachmacher spendiert. „Das macht sie oft.“ Er steht neben seinen Prinzessinnen. „Irene“ heißen sie allesamt und sollen angeblich „wesentlich frischer als der Adel“ sein. Solche Sprüche denkt Bruder Markus sich für alle Blumen aus, die die EBK auf 20 Märkten und an Unternehmen verkauft. Meistens fallen sie ihm ein, wenn er im Auto unterwegs ist. Und er ist oft unterwegs. Dienstags fährt er wöchentlich an den Niederrhein. Und dann steht er da in der grünen Mönchskutte und steigert mit um Blumen. „Wir kaufen etwa 70 Prozent der Blumen ein, und 30 Prozent bauen wir selber an.“
Mit dem Verkauf von Blumen finanziert sich die Gemeinschaft seit der Gründung. Dies lag nahe, denn Bruder Markus’ Vater, Prior Rudolph, war Gärtner gewesen, bevor er Geistlicher wurde. Anfangs bauten sie die Blumen in Dettingen an. Heute haben sie eine Gärtnerei in der Nähe von Reutlingen, und je nach Saison beschäftigen sie 80 bis 100 Mitarbeiter. In der Region werden sie wegen ihrer Präsenz auf den Märkten und ihrem Angebot an Florisitikseminaren deshalb „die Blumenmönche“ genannt. Und auch sie selbst nennen sich so.
Nicht immer falle es den Brüdern und Schwestern leicht, das Geschäftliche und die diakonischen, seelsorgerischen Aufgaben miteinander zu verbinden, sagt Bruder Markus. Zum Beispiel in der Osterzeit, wenn eigentlich jeder in der Gemeinschaft sich besinnen möchte und gleichzeitig der Druck da ist, Geld zu verdienen, „weil der Umsatz an Ostermärkten hinter Muttertag der zweitgrößte im Jahr ist“.
„Der ,Garten Eden’ und der ,Garten der Stille’ waren hier mit unsere ersten großen Projekte“, sagt Bruder Paidoios und führt durch die zwei Hektar großen Parkanlagen an einem Hang unterhalb des Klosters. Sie sind öffentlich und sollen den Besuchern und den Bewohnern des ans Kloster grenzenden Altenheims der Bruderschaft einen Ort zur Meditation und Erholung bieten. Beide Gärten sind Wildpark ähnlich gestaltet. Blumen blühen neben Dornenbüschen, Efeu rankt an Baumstämmen hoch, Birken bringen helle, Immergrünarten dunkle Grüntöne in den Park. Und überraschend können hinter einem Busch Maiblumen, Große Iris oder biblische Mosaikarbeiten auftauchen. „Mit unserer Gartenarbeit wollen wir auch helfen, die von Gott geschaffene Schönheit zu gestalten“, erklärt Paidoios. Am liebsten würde er hier noch viel mehr gestalten. „Aber leider haben wir das Gelände nur gepachtet. Wir hoffen, dass wir es mal kaufen können. Aber ob wir dürfen, wissen wir nicht.“
Wie bei den Gärten ist es ungewiss, ob all das von diesen Brüdern und Schwestern in 40 Jahren Erschaffene Bestand hat. Denn wie so vielen Klostergemeinschaften fehlt auch dieser der Nachwuchs, obwohl ihre Mitglieder heiraten und Kinder haben dürfen. Und so könnte die blühende Gemeinschaft wie ihre Blumen mittelfristig vergehen. Oder? „Nein, das glaube ich nicht“, sagt Paidoios: „Wir haben Gott schon in vielen aussichtslosen Situationen erfahren, und ich denke, er wird auch für unsere Zukunft sorgen.“
Bruder Paidoios geht weiter. Der 55-Jährige gehört der Evangelischen Bruderschaft Kecharismai (EBK) seit ihrem Bestehen an. Aus der Jugendarbeit des damaligen Pfarrers Wolfgang Friedrich Rudolph und heutigen Prior des Klosters war sie 1972 hier in Dettingen an der Erms entstanden. Aus dem 18-jährigen Gerhard Schnitzler wurde Bruder Paidoios.
Der Kreuzgang des Dettinger Klosters. In der Architektur mittelalterlicher Anlagen umgab er den Klostergarten, in dem Heilpflanzen angebaut wurden (siehe auch Info-Kasten und Interview). In der Dettinger Variante sind die Beete sehr klein und rein zur Zierde. „Hier suchen wir einfach mal Ruhe“, sagt Paidoios. Und Ruhe finden die 19 Brüder und Schwestern der Gemeinschaft nur selten. Denn wie heißt es in Genesis 2, 15: „Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und erhalte.“
Die Sonne strahlt von Osten auf den Blumenstand in Kirchheim unter Teck. Gerade ist Donnerstagsmarkt. Bruder Markus nippt an einem Espresso. Den kann er brauchen. Seit 4 Uhr ist er auf den Beinen. Eine Boutiquebesitzerin hat den Wachmacher spendiert. „Das macht sie oft.“ Er steht neben seinen Prinzessinnen. „Irene“ heißen sie allesamt und sollen angeblich „wesentlich frischer als der Adel“ sein. Solche Sprüche denkt Bruder Markus sich für alle Blumen aus, die die EBK auf 20 Märkten und an Unternehmen verkauft. Meistens fallen sie ihm ein, wenn er im Auto unterwegs ist. Und er ist oft unterwegs. Dienstags fährt er wöchentlich an den Niederrhein. Und dann steht er da in der grünen Mönchskutte und steigert mit um Blumen. „Wir kaufen etwa 70 Prozent der Blumen ein, und 30 Prozent bauen wir selber an.“
Mit dem Verkauf von Blumen finanziert sich die Gemeinschaft seit der Gründung. Dies lag nahe, denn Bruder Markus’ Vater, Prior Rudolph, war Gärtner gewesen, bevor er Geistlicher wurde. Anfangs bauten sie die Blumen in Dettingen an. Heute haben sie eine Gärtnerei in der Nähe von Reutlingen, und je nach Saison beschäftigen sie 80 bis 100 Mitarbeiter. In der Region werden sie wegen ihrer Präsenz auf den Märkten und ihrem Angebot an Florisitikseminaren deshalb „die Blumenmönche“ genannt. Und auch sie selbst nennen sich so.
Nicht immer falle es den Brüdern und Schwestern leicht, das Geschäftliche und die diakonischen, seelsorgerischen Aufgaben miteinander zu verbinden, sagt Bruder Markus. Zum Beispiel in der Osterzeit, wenn eigentlich jeder in der Gemeinschaft sich besinnen möchte und gleichzeitig der Druck da ist, Geld zu verdienen, „weil der Umsatz an Ostermärkten hinter Muttertag der zweitgrößte im Jahr ist“.
„Der ,Garten Eden’ und der ,Garten der Stille’ waren hier mit unsere ersten großen Projekte“, sagt Bruder Paidoios und führt durch die zwei Hektar großen Parkanlagen an einem Hang unterhalb des Klosters. Sie sind öffentlich und sollen den Besuchern und den Bewohnern des ans Kloster grenzenden Altenheims der Bruderschaft einen Ort zur Meditation und Erholung bieten. Beide Gärten sind Wildpark ähnlich gestaltet. Blumen blühen neben Dornenbüschen, Efeu rankt an Baumstämmen hoch, Birken bringen helle, Immergrünarten dunkle Grüntöne in den Park. Und überraschend können hinter einem Busch Maiblumen, Große Iris oder biblische Mosaikarbeiten auftauchen. „Mit unserer Gartenarbeit wollen wir auch helfen, die von Gott geschaffene Schönheit zu gestalten“, erklärt Paidoios. Am liebsten würde er hier noch viel mehr gestalten. „Aber leider haben wir das Gelände nur gepachtet. Wir hoffen, dass wir es mal kaufen können. Aber ob wir dürfen, wissen wir nicht.“
Wie bei den Gärten ist es ungewiss, ob all das von diesen Brüdern und Schwestern in 40 Jahren Erschaffene Bestand hat. Denn wie so vielen Klostergemeinschaften fehlt auch dieser der Nachwuchs, obwohl ihre Mitglieder heiraten und Kinder haben dürfen. Und so könnte die blühende Gemeinschaft wie ihre Blumen mittelfristig vergehen. Oder? „Nein, das glaube ich nicht“, sagt Paidoios: „Wir haben Gott schon in vielen aussichtslosen Situationen erfahren, und ich denke, er wird auch für unsere Zukunft sorgen.“
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Autor: ANDREAS CLASEN | 07.05.2010
Bruder Markus in seinem Element: Fast jeden Werktag steht er am Stand der Blumenmönche. Außer dienstags - da kauft er Blumen ein. Fotos: Andreas Clasen
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