Tabea Alt aus Ludwigsburg verblüfft die Turn-Szene

Die Ludwigsburgerin Tabea Alt zieht bei der Kunstturn-WM in zwei Finals ein und „erfindet“ zwei neue Elemente.

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Tabea Alt auf dem Schwebebalken.  Foto: 

Ulla Koch konnte es kaum glauben. Dass eine der ihren auf der riesigen Anzeigetafel des Olympiastadions von Montréal ganz oben stand, am Schwebebalken die beste Note aller Teilnehmerinnen in der Qualifikation der Weltmeisterschaft bekommen hatte, das war für die Bundestrainerin der deutschen Kunstturnerinnen „unfassbar“. Doch die erst 17 Jahre alte Tabea Alt hatte den schwierigen Balanceakt gemeistert. Nicht nur den, auf dem nur zehn Zentimeter schmalen Grat die Haltung zu bewahren und den steten Kampf gegen die Erdanziehungskraft zu gewinnen. Sondern auch den, in einer besonderen Drucksituation die richtige Abstimmung zwischen Risiko und Sicherheit zu finden. Am Ende hatte Alt bei ihrer WM-Premiere neben dem Finale am Balken auch den Einzug in das der 24 Besten im Mehrkampf gesichert.

„Unbeschreiblich“ sei das gewesen, was sie da gerade erlebt hatte, erklärte Alt. Und es hatte ihren Jahresplan noch einmal bestätigt. Auf die Deutschen Meisterschaften in Berlin hatte die Titelanwärterin schweren Herzens verzichtet, stattdessen im Heimtraining ihr Repertoire an den Geräten ausgebaut.

Dabei erfand das Trainerteam, neben Koch die Stuttgarter Robert Mai und Marie-Luise Probst-Hindermann, auch ein neues Element für die Bewegungskünstlerin. Der sogenannte Zuchold wurde um eine halbe Drehung ergänzt. In Montréal sollte Alt nun diese Schwierigkeit erstmals präsentieren, um sich damit als Namensgeberin einen Eintrag in die Internationalen Wertungsvorschriftenzu verdienen. Was sie bis einen Tag vor dem Qualifikationswettkampf nicht wusste, war, dass sie noch ein weiteres Übungsteil in ihrer Kür hatte, das vorher noch nie jemand gezeigt hatte.

Von der Not zur Tugend

Eine Woche vor dem zweiten nationalen WM-Test hatten die Trainer beschlossen, den zuletzt durch den Wachstum als Wagnis erscheinenden gestreckten Doppelsalto rückwärts als Abgang auszutauschen und vorerst durch einen Salto vorwärts mit halber Schraube zu ersetzen. Anders als üblich, setzt Alt diesen nicht aus einem gebückten, sondern aus einem gegrätschten Umschwung an – was vor ihr offenbar noch keine andere Turnerin weltweit getan hat.

Erst aus einer Veröffentlichung des Turnweltverbandes erfuhren die Athletin und ihr Umfeld davon, dass sie damit die Chance hatte, nach einer Übung gleich als zweifache Elemente-Erfinderin zu landen. „Das ist das Größte für eine Sportlerin“, erklärte Tabea Alt strahlend. Und „ein kleiner Trost“. Doch den hatte sie ja gar nicht nötig.

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