Volkslauf-Boom ohne Ende?
Ulm. Immer mehr Menschen schnüren die Laufschuhe und bewältigen 10 km, einen Halbmarathon oder gar Marathon. Am Sonntag fällt der Startschuss zur 7. Auflage des Einstein-Marathons. 14.800 Läufer vom Kindergarten-Kind bis zum Senior werden dabei sein. Damit dürfte es erneut einen Teilnehmer-Rekord in Ulm geben. Was sind die Gründe für den Boom?
Zwar hat in den vergangenen 15, 20 Jahren ein Umdenken stattgefunden. Aber die Menschen sind immer noch nicht bewegt genug. Zumindest haben viele mittlerweile gemerkt, dass zum Leben auch Bewegung gehört. Die Motivation zum Laufen muss man allerdings selbst aufbringen. Die Bequemlichkeit zu überwinden, das erfordert ein gewisses Maß an Disziplin. Deshalb spielen sich auch beim Einstein-Marathon so viele emotionale Situationen im Zielbereich ab. Denn wer das geschafft hat, der ist glücklich. Für mich ist Laufen abschalten, reflektieren und Energie tanken. Ich bereite mich gerade auf einen Halbmarathon Anfang Dezember vor.
Hanni Zehendner (65), Zugläuferin beim Beurer-Halbmarathon mit der Zielzeit 1:55 bis 2:00 Stunden: Ich finde es einfach nur gut, dass Ulm eine solche Veranstaltung hat. Der Hauptgrund, warum in jedem Jahr mehr Leute an den Start gehen, liegt in meinen Augen nicht nur an der allgemeinen Laufbegeisterung, sondern auch daran, dass die Veranstaltung einfach top organisiert ist. Und es ist ja nicht nur das Wochenende allein. Seit Wochen und Monaten kommen 300 bis 400 Leute alle vier Wochen zu den Vorbereitungsläufen im ganzen Alb-Donau-Kreis. Viele haben sich peu à peu gesteigert. Manche laufen schon seit Jahren mit mir, und jetzt haben sie zum Ziel, den Halbmarathon unter zwei Stunden zu laufen.
Die Entwicklung wird wohl so weitergehen wie es sich seit Jahren abzeichnet. Der Halbmarathon wird das Hauptevent, an den Marathon werden sich immer weniger heranwagen. Das liegt zum einen daran, dass es einfach körperlich extrem anstrengend ist. Die Leute haben heute einfach nicht mehr die Zeit drei lange Läufe in einer Woche zu machen. Ein Halbmarathon dagegen geht immer und die kürzeren Läufe sowieso. Ich denke, der Boom wird weiter anhalten.
Günther Ludwig hat als Quereinsteiger vom Volleyball die Organisation der Schüler-Läufe übernommen: Also manchmal macht es mir schon fast ein wenig Angst, welche Masse an Kindern da im Donaustadion am Samstag starten wird. Ich finde die Begeisterung überwältigend, auch dass es von Jahr zu Jahr noch mehr werden. Besonders im Grundschulbereich steigen die Zahlen weiter.
Das alles hängt natürlich auch an den Personen: Wenn kein Lehrer da ist, der das organisiert, dann kommt auch keine Laufgruppe zusammen. Erstaunlich ist für mich, dass immer neue Schulen dazukommen. Manchmal sind es Lehrer, die woanders hin versetzt werden und die Begeisterung weitertragen.
Mir macht es immer noch einen Heidenspaß diese Läufe vorzubereiten und vor allem die Kinder dann laufen zu sehen. Ich denke, wir haben uns mit jedem Jahr weiter verbessert und die Vorschläge, die von den Lehrern und Eltern gekommen sind, auch angenommen. Nur auf dieser Grundlage ist es möglich, dass sich das Lauffeuer weiter ausbreitet. Es sind ja bei weitem nicht nur Ulmer Schulen und Kindergärten, sondern sie kommen aus der ganzen Region.
Prof. Jürgen Steinacker, Leiter der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin der Uniklinik Ulm: Ich sehe die Zunahme der Volksläufe sehr positiv, das ist eine tolle Sache. Es zeigt, dass die Leute erkannt haben, wie wichtig körperliche Aktivität ist. Und da ist Laufen die einfachste Sportart. Die Entwicklung weg von der Marathonstrecke zum Halbmarathon oder zu Läufen über 10 km ist für mich nicht überraschend. Für einen Marathon muss man sich möglichst ein Jahr lang konstant vorbereiten. Das fällt vielen schwer, auch Älteren. Für einen Halbmarathon ist auch noch ein ehrgeiziges Training dreimal in der Woche erforderlich. Läufe über 10 km kann man auch mit einem zwei- bis dreimaligem Training in der Woche über drei Monate machen.
Wir wissen natürlich, dass immer einige schlecht vorbereitet sind. Wenn sich jemand schwach fühlt, soll er aufhören und sich nicht überfordern. Für Ältere, Übergewichtige oder Leute mit Gelenkproblemen ist Nordic Walking oder Radfahren sehr sinnvoll. Ich halte nichts davon, über Nordic Walking zu lachen. Die Stöcke sind ein Segen - gerade für Menschen, die ein bisschen gebrechlich sind. Nordic Walking ist eine uneingeschränkt gute Sache.
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Autor: SWP | 15.09.2011
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