Das Ende der Korrektheit

|
Vorherige Inhalte
  • „In die richtige Richtung steuern“: Mitglieder einer Patriotenvereinigung posieren am 16. September auf der Nationalpromenade in Washington. 1/3
    „In die richtige Richtung steuern“: Mitglieder einer Patriotenvereinigung posieren am 16. September auf der Nationalpromenade in Washington. Foto: 
  • b 2/3
    b Foto: 
  • x 3/3
    x Foto: 
Nächste Inhalte

In Manassas im US-Staat Virginia leitet der  Trump-Wähler und eingefleischte Republikaner-Anhänger John Ennis (Foto: DeThier) einen erfolgreichen Elektrofachbetrieb, den vor 33 Jahren sein Vater gegründet hat. Einen anderen Job hat der sehr ernst wirkende Mann mit den kurzen, rotblonden Haaren nie gekannt. Mit 19 Jahren war John Ennis Lehrling in der väterlichen Firma. Er arbeitete auf Baustellen, lernte von der Pike auf, wie man Gebäude von Privatwohnungen bis hin zum mehrstöckigen Bürokomplex verkabelt und übernahm schließlich das väterliche Unternehmen. Heute hat Ennis Electric 230 Mitarbeiter, im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Betrieb einen Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Dollar.

 John Ennis und seiner Familie geht es ausgesprochen gut. Sie leben in Martinsburg, West Virginia. Von dort fährt der Firmenchef jeden Tag knapp eineinhalb Stunden zur Arbeit. Dennoch hat der 51-Jährige Zeit, regelmäßig Golf zu spielen. Auch besitzen er und sein Sohn einen Waffenschein, beide sind Mitglieder der Waffenlobby NRA. An Wochenenden fahren sie mit dem Truck zur Jagd  in die Wälder von West Virginia.

Schon vor seinem 50. Geburtstag hatte John Ennis ausgesorgt, die Firma führt er unter anderem zu Ehren seines Vaters weiter. Zufrieden ist der Unternehmer dennoch nicht. Seit Jahren irritieren ihn Politiker, und deswegen hat er Donald Trump gewählt.

 Einen großen Teil des Geldes verdient Ennis Electric mit Staatsaufträgen. Unter anderem legten die Fachleute sämtliche Kabel, als das Hauptgebäude des US-Justizministeriums in Washington erweitert wurde. Vom Auswärtigen Amt in Berlin bekam das Unternehmen den Auftrag für die elektrischen Facharbeiten, als die deutsche Botschaft in der Hauptstadt renoviert wurde.

Gut erinnern kann sich John Ennis daran, wie schwierig die deutschen Kunden waren: „Sie waren nie zufrieden.“ Aber die Deutschen seien gründlich und effizient gewesen. Ganz anders etwa als die Ministerien und diversen US-Behörden, für die er selbst Projekte beaufsichtigt und geleitet hat. „Die Verschwendung, die ich jeden Tag mit meinen eigenen Augen gesehen habe, spottet jeder Beschreibung“, ereifert sich der Unternehmer. „Da sitzen Menschen, deren Gehälter vom amerikanischen Steuerzahler bezahlt werden, die aber absolut gar nichts tun.“ Außerdem seien ihnen die Kosten egal, und diese Verschwendung widerstrebe ihm kolossal – auch wenn seine Firma davon profitiert. „Sparsamkeit, geringere Staatsverschuldung, fiskalische Verantwortung: Da hat Trump klar signalisiert, dass er uns in die richtige Richtung steuern wird.“

Demokraten, vor allem die Linksliberalen, „verschenken Milliarden, als wenn es Monopoly-Geld wäre“, wettert John Ennis und ist überzeugt, dass sie „Armen überhaupt keinen Anreiz geben, um zu arbeiten“. Und sagt stolz: „Ich hole Jugendliche aus armen Familien, sie kommen aus West Virginia, Virginia, Pennsylvania, von überall. Ich biete ihnen in meiner Firma einen Ausbildungsplatz an und gebe ihnen eine Chance, beruflich und finanziell selbstständig zu sein. Verschenkt wird nichts, hier wird gearbeitet und geleistet, das ist der amerikanische Weg.“

 Donald Trump habe er ursprünglich überhaupt nicht gemocht. Das aber änderte sich während der Vorwahlen bei den Republikanern: „Als ich sah, wie die politisch Etablierten sich auf Trump einschossen, wie sehr er sie ihn in Bedrängnis und Verlegenheit brachte, da wusste ich, dass er der Richtige ist“, begründet John Ennis seinen Sinneswandel. „Trump ist kein Typ, mit dem ich ein Bier trinken würde, aber wir brauchten unbedingt ein Ende der politischen Korrektheit, deswegen war er mein Kandidat.“

 Beim Gang durch eine Baustelle, auf der Elektriker gerade Kabel hinter den Wänden eines neuen Bürogebäudes befestigen, stößt Kevin Cole (Foto: DeThier), der Geschäftsführer von Ennis Electric, dazu. Ein sympathischer, sportlicher Typ, Mitte 50. Auch er hat dem Immobilienunternehmer Trump seine Stimme gegeben. Kevin Cole wacht über die Bilanzen seines Unternehmens, und unter dem finanziellen Aspekt kam bei ihm die von Obama durchgesetzte Gesundheitsreform gar nicht gut an. So sei in einem Jahr die Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen seiner Firma um 25 Prozent gesunken. Das Ergebnis: „Unsere Versicherung teilte uns mit, dass man die Prämien etwas weniger anheben würde als im Vorjahr.“ Kevin Cole hatte eine Prämiensenkung erwartet und kann diesen Zusammenhang nicht fassen. Inzwischen hat der Betrieb gemeinsam mit Konkurrenten eine Versicherungsgenossenschaft gegründet. „Hier haben wir die Kosten unter Kontrolle.“

Donald Trump, da sind sich John Ennis und Kevin Cole einig, spreche Millionen Amerikanern vor allem deshalb aus der Seele, weil er ihrem Wunsch entspreche, politisch ganz neue Töne anzuschlagen und ausgetretene Pfade zu verlassen. Auszusprechen, was so viele glauben, wage eben nur Donald Trump.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

MSC Gaildorf: erfolgreichster Veranstalter

Teams, Fahrer und Serienorganisation vergeben für das Rennen auf der „Wacht“ die meisten Punkte. weiter lesen