Landwirtschaft: Mit Eisenstangen gegen Maisbauern

Die Masche ist kriminell: Am Mais angebrachte Metallteile stoppen Erntemaschinen und bringen Fahrer in Gefahr. Jetzt gab es einen Fall in Oberschwaben. Wer macht so etwas?

|
Aufatmen können Maisbauern erst, wenn das Feld abgeerntet ist: Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, weil Unbekannte Eisenteile an den Pflanzen so platzieren, dass Häcksler beschädigt werden.  Foto: 

„Mutwillig und bösartig“ sei das, was Unbekannte in seinen Maisfelder versucht haben, sagt Landwirt Hans Walz aus Achstetten im Kreis Biberach: Eisenstangen waren an mehreren Maispflanzen befestigt, und zwar „so perfekt angebunden, dass sie nicht runterfallen konnten“. Geraten solche Eisenteile beim Abernten in einen Häcksler, können sie nicht nur an den Erntemaschinen viel Schaden verursachen. Umherfliegende Metallteile bringen auch den Fahrer in tödliche Gefahr.

Auf Walz’ Feldern stoppten die Metallsensoren der Maschinen den Häcksler noch rechtzeitig. Aber Schaden gab es trotzdem für den Lohnunternehmer, den Walz engagiert hat: Bevor die Ernte nach so einem Zwischenfall weitergehen kann, müssen die abrupt gestoppten Maschinen erst einmal genau untersucht werden. Solche Zwangspausen kann in der Erntehektik niemand gebrauchen. Zeit ist Geld mitten im Erntegeschäft.

„Gefährlich und kriminell“

Die Versicherung springe zwar ein, sagt Walz, aber diese Sabotageversuche seien mehr als nur ärgerlich, sie seien „gefährlich und kriminell“. Der betroffene Lohnunternehmer hat Strafanzeige erstattet.

Seit Jahrzehnten baue er schon Mais an, sagt Vollerwerbslandwirt Walz. Er beliefere schon lange den Betreiber einer Biogasanlage, der Mais wird energetisch verwertet. Kollegen hätten auch schon Nägel in Maiskolben entdeckt, sagt er. Aber solche massiven Anschlagsversuche mit Metallstangen, die habe es bei ihm noch nie gegeben. Anderswo aber schon: Vor einem Jahr zerstörten in Amstetten im Alb-Donau-Kreis Eisenteile, die an Maispflanzen befestigt waren,  das komplette Schneidwerk eines Maihäckslers. Der Schaden damals: 10.000 Euro. Im benachbarten Bayern muss sich die Polizei seit Jahren jeden Herbst mit neuen Maisfeld-Attentaten beschäftigen. 2016 hat es den Kreis Donau-Ries besonders getroffen. Vier Maishäcksler wurden schwer, einer leicht beschädigt: 200.000 Euro Schaden. Nach dieser Serie rückte sogar die Feuerwehr an, um Felder auf Eisenteile  abzusuchen.

Diesen Herbst war dann das Ostallgäu dran: Ein Lohnunternehmer fand in Maisfeldern Eisenteile und stellte Strafanzeige. Die Buchloer Polizei ermittelt. In Rain am Lech im Kreis Augsburg waren in zwei Feldern ebenfalls Metallstücke an Maispflanzen gebunden. Sie gerieten in Häcksler. Der Schaden wird auf 35 000 Euro geschätzt. Anfang Oktober dann im Kreis Günzburg dieselbe Masche: Ein Metallteil geriet in einen Mähdrescher. Schaden hier: „nur“ 3500 Euro.

Jetzt also Oberschwaben. Landwirt Walz kann sich nicht erklären, warum jemand so etwas macht.

Protest gegen Monokultur?

Ist es der hochgefährliche Protest gegen das Zupflastern der Landschaft mit immer mehr monotonen Maisfeldern?  Oder steckt gar ein krimineller Konkurrenzkampf von Lohnunternehmern dahinter, die sich Ernteaufträge abjagen möchten?

Der Polizei in Österreich ist vor drei Jahren ein Maisfeld-Saboteur ins Netz gegangen. Getroffen hatte es damals einen Landwirt in Tirol, berichtete der Österreichische Rundfunk. Eine mit Kabelbindern an einer Maispflanze befestigte Edelmetallstange beschädigte den Häcksler, ein Anhänger voll mit Mais-Silage war nur noch Abfall. 50.000 Euro Schaden hatte der Biobauer. Die Polizei konnte laut ORF den Täter ermitteln, er gestand. Sein Motiv: er wollte Konkurrenzunternehmen schaden.

In Achstetten hofft Landwirt Walz darauf, dass die Polizei auch den Unbekannten erwischt, der seine Maisfelder so professionell mit den Metallteilen bestückt hat. Er hat im Mitteilungsblatt der Gemeinde eine Anzeige aufgegeben, in der er 3000 Euro Belohnung verspricht für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen.

Bisher allerdings haben die Ermittler noch keine heiße Spur, sagt Sprecher Wolfgang Bauer vom zuständigen Ulmer Polizeipräsidium.

Nach dem Weizen ist Mais die zweitwichtigste Feldfrucht der Landwirte in Baden‑Württemberg. Angebaut wird Körnermais zur Körnergewinnung und Silomais als Futter oder zur Verwertung in Biogasanlagen. Nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes ist die Anbaufläche beim Körnermais 2017 leicht zurückgegangen um zwei Prozent auf 62.300 Hektar. Beim Silomais gab es eine Zunahme um 1,2 Prozent auf 136.000 Hektar. Zusammengerechnet ist die Maisanbaufläche mit 198 300 Hektar fast gleich geblieben. Mais wird auf 24,2 Prozent der Ackerfläche im Südwesten angebaut. aw

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die neue Aufbruchstimmung

Eine „kleine Gartenschau“ könnte Gaildorf gut tun. Die Stadt sieht Chancen und bewirbt sich um das Grünprojekt für 2027 oder 2029. weiter lesen