Zurück zum Kerngeschäft: Frankfurter Buchmesse umwirbt den Leser

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Juergen Boos, langjähriger Chef der Frankfurter Buchmesse, hat einen Traum: So wie auf der Berlinale alljährlich den Filmstars im Februar der rote Teppich ausgerollt wird, so sollte Frankfurt dann im Oktober die Großen der Literaturszene feiern.

Boos will die weltweit wichtigste Leitmesse der Branche  fürs lesende Publikum attraktiver machen. Das hat immer erst nach den Fachbesuchern an den letzten beiden Tagen Zugang. Dieses Jahr wird nun Dan Brown, der mit seinen Thrillern zu den Megasellern im globalen Markt gehört, am Messe-Samstag vor 2000 Leuten seinen neuen Thriller vorstellen. „Wir wollen das in den nächsten Jahren massiv ausbauen“, kommentiert Boos den einzigen Auftritt Browns in Deutschland, den die Messe zusammen mit dessen deutschem Verlag organisiert.

E-Books rückläufig

Dass die Messe so stark um den Leser buhlt, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen rückt das alte Kerngeschäft wieder in den Vordergrund, da sich der digitale Hype ums E-Book und anderen Schnickschnack im Buchgeschäft inzwischen gelegt hat. Der Umsatzanteil von E-Books in Deutschland liegt gerade mal bei etwas mehr als fünf Prozent – im vergangenen Jahr war die Zahl der Käufer von digitalen Büchern sogar erstmals wieder rückläufig. „Auch nach 500 Jahren bleibt das Buch eine geniale und ausgereifte Innovation“, sagt Ronald Schild von der MVB, der für die Umsetzung der Digitalisierung zuständigen Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er hatte dem E-Book vor einigen Jahren selbst eine weit schnellere Entwicklung zugetraut, wie er einräumt.

In Deutschland wird außerdem der direkte Kontakt zum Leser immer wichtiger. „Der Autor verlangt immer mehr, dass er auch sein Publikum trifft“, glaubt Boos. Sogar Kleinstädte organisieren heute Literaturfestivals. Zugleich sind die lit.Cologne oder das Berliner Literaturfest zu hochkarätig besetzten Veranstaltungen mit Weltstars der Szene geworden, zu denen zehntausende Besucher kommen.

Für die 7000 Aussteller aus 100 Ländern steht aber wie immer das Geschäft im Vordergrund – ein Fokus liegt auf der Digitalisierung. Frankfurt ist auch weltweit der wichtigste Handelsort für Buchlizenzen. In dem eigens für Literaturagenten reservierten Zentrum wurden 500 Tische verkauft – ein Rekord. Diese führende Stellung will die Messe unter Beweis stellen: Für den Eröffnungstag hat man als Redner den Chef von Penguin Random House, Markus Dohle, verpflichtet. Der weltweit führende Verlagskonzern gehört mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern.

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